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Sport als Antidepressivum

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Von: Lukas Jahn

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Informieren über Depressionen (v.l.): Dr. Johannes Krautheim, Hannah Hartmann und Leonie Wolf. Foto: Jahn © Jahn

Dass sowohl Ausdauer- als auch Kraftsport neben seinen positiven Effekten auf die körperliche Gesundheit auch ein wirksames Mittel gegen Depressionen sein kann, zeigte nun eine Veranstaltung.

Gießen (ljh). Depressionen sind mehr als nur Wut, Einsamkeit, Leere oder Traurigkeit. Um über die Krankheit aufzuklären und die Hürden hin zu einer Behandlung zu senken, vernetzt das Bündnis gegen Depressionen in Gießen Einzelne und Institutionen im gesamten Landkreis. Dass sowohl Ausdauer- als auch Kraftsport neben seinen positiven Effekten auf die körperliche Gesundheit auch ein wirksames Mittel gegen Depressionen sein kann, zeigte nun eine Veranstaltung des Bündnisses.

Drei Perspektiven

Zunächst müsse man Depressionen aus drei verschiedenen Perspektiven betrachten und auch therapieren, wie der Vorsitzende des Bündnisses gegen Depressionen und Oberarzt an der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Gießen, Dr. Johannes Krautheim, erläuterte. Neben der psychologischen und sozialen Ebene gelte es auch, die biologische Perspektive zu berücksichtigen. Dabei könne Sport eine wichtige Rolle spielen; eine antidepressive Wirkung, vergleichbar mit Medikamenten, ist wissenschaftlich nachgewiesen.

Schon bei der Verhinderung des Ausbrechens psychischer Erkrankungen könne Sport helfen, wie Psychologin Leonie Wolf mit Hilfe des Bildes eines Fasses erklärte. Während zwar immer mehr Wasser als Symbol für Stress und andere Belastungen hinein laufe und das Fass gegebenenfalls zum Überlaufen bringen könne, habe Sport die Funktion eines Wasserhahnes. Durch ihn könne der Pegelstand gesenkt werden, sodass einem Überlaufen und damit einer psychischen Erkrankung entgegengewirkt werde. Durch heutzutage komplexere Stresssituationen könne der Abbau von Stresshormonen erschwert werden. Dann komme es irgendwann zu einem Notstopp. Diese Entwicklung kann durch Bewegung verbessert werden.

Neben der Verbesserung von Gedächtnis und Aufmerksamkeit sowie Ablenkung sorge Sport nämlich auch für Stimmungsaufhellung, wie Wolf erläuterte. So werden durch Bewegung Hormone produziert, die Beruhigung und Sicherheit erzeugen und die die weitere Produktion von Stresshormonen verhindern. Eine »Auszeit von negativen Gedanken« könne Sport so für Betroffene sein. Daher ist Bewegung in der Vitos Klinik auch durch das Programm »Beat the Blues« in die Therapie integriert, wie Bewegungstherapeutin Hannah Hartmann betonte. Dabei handelt es sich um ein tägliches 30-minütiges Training mit anderen Patienten. Ergebnisse werden festgehalten und können im Rahmen der Therapie evaluiert werden. Walken oder die Nutzung des Ergometers sind mögliche sportliche Betätigungen, empfohlen wird eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. »Viele Erfolge« vermelden die Praktiker dabei aus ihrem Berufsalltag. Doch auch ohne oder vor einer begleitenden Therapie ist Bewegung empirisch betrachtet besonders hilfreich. Es handelt sich so um ein niedrigschwelliges aber effektives Mittel. Etwaigen Motivationsproblemen könne man am besten in einer Gruppe oder durch feste Zielsetzungen begegnen, konnte Leonie Wolf den interessierten Zuhörern des Vortrages mit auf den Weg geben.

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