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Stadt mit Wiedererkennungswert

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Von: Gesa Coordes

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Die Lithographie von Maria La Roche von 1897 ist eine Neuentdeckung aus der Graphischen Sammlung. Repro: Coordes © Gesa Coordes

Eine Sonderausstellung mit 300 Graphiken und Gemälden im Unimuseum für Kunst und Kultur gewährt einen besonderen Blick auf Marburg. Anlass ist das 800-jährige Stadtjubiläum.

Marburg. Zu einem spannenden »Blick auf Marburg« lädt das Universitätsmuseum für Kunst und Kultur mit einer Sonderausstellung zum 800-jährigen Stadtjubiläum ein. Aus rund 300 Graphiken und Gemälden von Marburg hat Kuratorin Dagmar Fehrenbacher einen Rundgang mit »Portraits einer Stadt« zusammengestellt, die bis zum 3. Oktober zu sehen ist.

»Marburg ist schon eine Art künstlerische Komposition«, sagt Museumsdirektor Christoph Otterbeck. Die wichtigsten Gebäude existieren bis heute in ihrem historischen Erscheinungsbild. Das Schloss, die Elisabethkirche, die Alte Universität und der Stadtrücken sind durch die Jahrhunderte wiederzuerkennen: »Es ist wirklich eine Stadt mit einem unverwechselbaren Gesicht, was nicht so selbstverständlich ist«, erklärt Otterbeck: »Man begreift schnell, welches die Highlights sind.« Gezeigt werden aber viele Facetten der künstlerischen Inszenierung sowie wechselnde Perspektiven von der Vogelschau bis in die engen Gassen hinein.

Es handelt sich zugleich um die erste Ausstellung im neuen Graphikraum, die Werke aus dem eigenen Bestand präsentiert. Schließlich wurde die gesamte graphische Sammlung mit 10 000 Blättern in den vergangenen Jahren digitalisiert und wird derzeit für Interessierte zugänglich gemacht.

Rund 300 Bilder von Marburg verbergen sich im Depot des Museums, größtenteils Graphiken. Bekanntester Name unter den Künstlern der Ausstellung ist der Illustrator Otto Ubbelohde, der zahlreiche Motive aus dem Marburger Land hinterließ. Der größte Teil der Holzschnitte, Lithographien, Zeichnungen, Radierungen und Linolschnitte war allerdings noch nie zu sehen.

Eine Neuentdeckung ist etwa die Lithographie von 1897 der Schweizer Künstlerin Maria La Roche, die einst bei Carl Bantzer lernte. Die Stadt ist eindrücklich wiederzuerkennen. Da, wo heute die Studierenden grillen, machten die Frauen damals das Heu.

»Mit dieser Ausstellung werden großartige Werke ins Licht gerückt, die sonst in den Schubladen schlummern«, sagt Kuratorin Dagmar Fehrenbacher. Sie präsentiert die 35 ausgewählten Graphiken und zwei Gemälde auch als historische Quelle. »Die Sammlung ist sehr repräsentativ und sehr abwechslungsreich«, urteilt die Kunsthistorikerin: »Jeder Marburger kann noch einmal einen neuen Eindruck von der Stadt erhalten.« Die älteste Marburg-Darstellung der Sammlung des Kunstmuseums zeigt einen farbigen Stich eines unbekannten Künstlers aus dem Jahr 1572, der die Lutherische Pfarrkirche überproportional groß darstellt.

Sehr viele Bilder entstanden ab Ende des 19. Jahrhunderts, als kleine, anheimelnde Städte mit schiefen Häusern und krummen Gassen beliebter wurden. Und im 20. Jahrhundert wurden die künstlerischen Werke immer vielfältiger. So zeigt Fritz Lometsch eine expressionistisch beeinflusste Elisabethkirche. Das jüngste Werk stammt von der wenig bekannten Künstlerin Emma Tichy-Bock und zeigt die »Baustelle Marburg« von 1964. Möglicherweise bezog sich die Zeichnung mit ihren zahlreichen Baukränen auf den Bau des Hörsaalgebäudes und der Philosophischen Fakultät, die damals errichtet wurden. Die Stadtautobahn kam erst zehn Jahre später.

Die Ausstellung ist bis zum 3. Oktober mittwochs bis montags von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ins Museum kostet fünf Euro (ermäßigt drei Euro). Für Jugendliche bis 18 Jahre und Studierende ist der Eintritt frei.

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