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Stadt will Waffen-Messe stoppen

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Von: Ingo Berghöfer

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Moderne und historische Waffen sowie andere Militaria - wie hier auf einer Messe in Louisville (USA) zu sehen - sollen zwischen dem 17. und 19. November in den Hessenhallen gezeigt werden. Doch die Stadt will das verhindern. Symbolfoto: dpa © Red

In den Hessenhallen sollen Sportwaffen, aber auch NS-Objekte gezeigt werden.

Gießen . Auf der Internetseite der Messe Gießen taucht der Termin zwar noch gar nicht auf, aber Grüne, SPD und Gießener Linke machen bereits mobil und beziehen in einer Mitteilung klar Stellung gegen die vom 17. bis 19. November in den Hessenhallen geplante Waffen- und Militaria-Börse »WBK International«. Und die Politik in Gießen will die Messe gar nicht erst zulassen.

Mit Erschrecken hätten die Koalitionsfraktionen von der beabsichtigten Ausrichtung einer Waffenbörse in Gießen erfahren, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Fraktionsvorsitzenden Vera Strobel (Grüne), Christopher Nübel (SPD) und Melanie Tepe (Linke). »Eine Verkaufsmesse zum Erwerb von scharfen Waffen und NS-Devotionalien darf es in unserer friedlichen, bunten und weltoffenen Stadt Gießen nicht geben!«, ist darin zu lesen. Die Stadt Gießen stehe »für ein gewaltfreies Zusammenleben von Menschen sowie für einen engagierten Kampf gegen Rechtsextremismus vor dem Hintergrund unserer historischen Verantwortung«. Schockiert habe man daher zur Kenntnis genommen, dass die Messe Gießen GmbH dennoch mit einem solchen Ausrichter einer Waffenbörse einen Mietvertrag eingegangen sei. Man werde mit dem Geschäftsführer der Messe das Gespräch suchen, aber auch alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen, um eine solche Messe zu verhindern.

»Wir vertrauen den Behörden«

Pascale Watermann von der Messe GmbH bestätigt auf Anfrage den Termin und betont, dass alle Veranstalter die rechtlichen Rahmenbedingungen beachten müssten, deren Einhaltung vom Ordnungsamt geprüft werde. Die Überprüfung und Überwachung der Veranstaltungen obliege den Ordnungsbehörden. »Wir als Vermieter vertrauen der sorgfältigen Prüfung der hiesigen Behörden«.

Der eigentliche Veranstalter der Börse ist die EXPO Management GmbH. Deren Geschäftsführer Wolf Krey erklärt gegenüber dieser Zeitung, dass man sich mit dieser Veranstaltung »auf dem Boden des Grundgesetzes« bewege und alle Rechtsnormen einhalte. Generell sei der Erwerb von Schusswaffen in Deutschland auf einen ganz geringen Personenkreis wie Jäger oder Sportschützen beschränkt. »Daran halten wir uns - und dann kann man so etwas auch nicht verbieten.«

Die Stadt Kassel, in der diese Messe viele Jahre bis zu 20 000 Besucher angelockt hatte, verbot die Messe jedoch. Nachdem die Kasseler Stadtverordneten gegen die Stimmen von CDU, AfD und FDP ein Verbot gefordert hatten, lehnte die Stadt vor einem Jahr die gewerberechtliche Festsetzung der Veranstaltung ab.

Das Angebot der Messe soll sich sowohl an Sportschützen und Jäger als auch an Sammler von Militaria, also vor allem den Hinterlassenschaften der beiden Weltkriege, richten. Zumindest Sportschützen beklagen in ihren Foren aber eine Unwucht im Angebot: »Ohne Hakenkreuze war eigentlich nichts zu erwerben, und dem öffentlichen Bild der Sportschützen wurde hier wirklich ein Bärendienst erwiesen«, moniert ein Sportschütze. Andere schrieben von einem »erdrückenden Angebot an Militaria« und von einem »Wehrmachtsflohmarkt«.

Veranstalter Wolf Krey betont, dass er »als ehemaliger Juso und Sozialdemokrat«, der weder gedient habe noch selbst eine Waffe besitze, keinerlei rechtsradikale Neigungen habe. Die Waffenmesse sei nur eine von vielen in seinem Angebot, zu dem auch Wein-Messen, Garten-Messen, Antiquitätenbörsen und die älteste Kunstmesse Deutschlands zählten.

Dass solch eine Messe allerdings nicht nur Menschen anlockt, die sich für Sportwaffen interessieren oder ein historisches Interesse am Nationalsozialismus haben, zeigt ein Blick in einschlägige »Sammler«-Foren im Internet, wo die »WBK International« weit positiver bewertet wird als von Sportschützen. Das Angebot sei besser in Gießen als das einer am gleichen Wochenende stattfindenden Konkurrenzveranstaltung, heißt es dort. Bei der konnte aber ein »Militaria«-Sammler vor einem Jahr das für ihn Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: «Wenigstens konnte ich die Gelegenheit nutzen, im nahe gelegenen Dornhausen das Grab von Hans-Ulrich Rudel aufzusuchen.« Hans-Ulrich Rudel war der höchstdekorierte Soldat der deutschen Wehrmacht - und selbst nach Kriegsende bis zu seinem Tod überzeugter Nationalsozialist.

»Das schadet Gießens Image«

Am Montagabend reagierte dann auch die Stadt mit einer eigenen Stellungnahme, in der sie mitteilte, dass man die »Waffen-Ausstellung in der Hessenhalle nach dem vorliegenden Antrag des Veranstalters so nach aktuellen Stand nicht festsetzen« werde. Der Veranstalter, der bereits in anderen Städten mit dem Wunsch gescheitert sei, seine Ausstellung zum Thema »Antike und moderne Jagd-, Sport- und Schusswaffen« durchzuführen, habe deren Zulassung am Freitag beantragt. Die Ordnungsbehörde habe das Unternehmen mit Sitz in Kiel am Montag darüber informiert, dass das Präsentieren von Waffen auf Ausstellungen nach Waffengesetz verboten sei. Eine Ausnahme müsste die Waffenbehörde beim Landkreis Gießen genehmigen. Eine solche Genehmigung liegt aber laut Ordnungsamt nicht vor. Der Veranstalter habe nun ein paar Tage Zeit, sich dazu zu äußern.

Unabhängig von der rechtlichen Bewertung erklärte Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher, dass er mit der Messe Gießen als Verpächterin der Ausstellungsräume ins Gespräch kommen wolle. Er lege Wert darauf, dass Gießen nicht erneut - wie bei der Nutzung der Messe für das Eritrea-Festival - zu einem Zufluchtsort für umstrittene Veranstaltungen werde. »Gießen kann gut darauf verzichten, einen schädigenden Ruf als Verkaufsstelle für Waffen oder sogar verfassungsfeindliche Werbeartikel zu bekommen. Dafür gibt es keinerlei Akzeptanz«, so Becher. Solche Veranstaltungen schadeten auch dem Image des Messestandortes Gießen.

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