Stadtgespräch: Ein Wahlplakat im Fernsehen, Schulstart mit Prävention und ein Navi für Baustellen

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Wie halten Sie es eigentlich mit den Wahlplakaten der Parteien? Die eher wortarmen Inhalte jedes Mal genau studieren oder einfach immer ignorieren? Letzteres ist gar nicht so leicht, denn man kann ihnen jetzt in den Wochen vor den Wahlen am 26. September nicht entkommen. Nahezu überall in Gießen und Umgebung sind sie vor allem entlang der Straßen zu sehen, bis hin zu mehreren Plakatwänden kurz hintereinander.

Eines dieser Plakate hat es nun sogar bis ins Fernsehen geschafft. Gelungen ist das dem SPD-OB-Kandidaten Frank-Tilo Becher. Die Sendung und die dortige Rubrik sind allerdings nicht unbedingt das, was man sich als Politiker wünschen dürfte. Es handelt sich nämlich um das politische Satiremagazin "Extra 3", das in der ARD und deren Regionalprogrammen ausgestrahlt wird. Dort war es Teil der Rubrik mit den "schrecklichsten Wahlplakaten". Moderatorin Sarah Bosetti präsentierte das Becher-Plakat, auf dem sein voller Name gleich viermal übereinander aufgelistet ist. Was die Satirikerin zu der Anmerkung verleitete, dass es "Schwierigkeiten bei der Erstellung von Wahlplakaten gibt, wenn man einen sehr, sehr langen Namen hat. Diesen muss man erst einmal auf einem Plakat unterbringen". Bechers vollen Namen sagte sie dann auch viermal auf. Unter normalen Umständen dürfte so viel kostenlose Werbung im Fernsehen einen Kandidaten für ein hohes öffentliches Amt wohl sehr freuen. In diesem Zusammenhang aber wahrscheinlich eher weniger. Fragt sich jetzt nur, wer "Extra 3" das Foto dieses Plakats hat zukommen lassen. War es etwa ein politischer Kontrahent von Becher? Man könnte es fast vermuten.*Diese Woche ging auch in Gießen nach den Sommerferien die Schule wieder los. Von Normalität kann aber trotz Präsenzunterricht nicht die Rede sein. Denn der Schulstart hat mit zwei "Corona-Präventionswochen" begonnen. So müssen die Schülerinnen und Schüler die Mund-Nasen-Maske - neuerdings mindestens eine medizinische, besser noch eine FFP2-Maske - in dieser Zeit auch während des Sitzens im Klassenraum tragen. Darüber hinaus müssen sich alle, die noch nicht vollständig geimpft oder genesen sind, nun drei statt bisher zwei wöchentlichen Schnelltests unterziehen, deren Ergebnisse noch dazu in einem Schulheft dokumentiert werden. Selbst für jene, die schon länger zur Schule gehen, ist das keine leichte Situation. Wie muss es dann erst den ABC-Schützen gehen, die jetzt unter solchen Umständen eingeschult wurden. Dieses Ereignis allein ist schließlich schon aufregend genug. Auch für die Schulleitungen ist die Umsetzung der Corona-Richtlinien des Kultusministeriums trotz der monatelangen Erfahrungen damit alles andere als Routine. Schließlich ändert sich immer wieder etwas und sind stets neue Herausforderungen im Schulalltag zu bewältigen. Dass wir da in manchen Schulen schon beim "Hygieneplan 8.0" angelangt sind, kann eigentlich niemanden verwundern.*Eine eigentlich lange überfällige Idee wurde bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Gießen-Friedberg realisiert: ein Baustellen-Navi. Auf einer Internetplattform informiert man in Form einer interaktiven Karte über aktuelle und bereits geplante Baustellen. Zu den vermittelten Infos gehören unter anderem die Dauer der Baumaßnahme, damit verbundene Sperrungen und Umleitungen sowie möglicherweise nicht zugängliche Geschäfte oder Unternehmen. Dieser Service richtet sich auch an Pendler und all jene, die viel mit Pkw oder Lkw unterwegs sind. Wer sich selbst regelmäßig über plötzlich auftauchende oder anscheinend nie endende Baustellen ärgert - und tun wir das nicht eigentlich alle?! -, der dürfte diese Erfindung sicherlich sehr begrüßen. Ich persönlich erhoffe mir von diesem Navi endlich mehr verlässliche Informationen über die Sauerlandlinie (A 45), wo ich häufiger mal entlangfahre. Diese Autobahn scheint jedenfalls meinem Eindruck nach aus mehr Baustellen als normalen Streckenabschnitten zu bestehen.*Trotz täglich steigender Inzidenzwerte sind die Intensivstationen der Krankenhäuser (noch) längst nicht so voll mit Covid-Patienten, wie das wohl viele vermuten würden. Am Gießener Uniklinikum waren es am Freitagmittag zwölf und genauso viele auf den Normalstationen, insgesamt also 24. Das soll allerdings niemandem als Entschuldigung dienen, sich nicht impfen zu lassen. Denn wie die Leiterin der UKGM-Infektiologie, Prof. Susanne Herold, im Gespräch mit dem Anzeiger deutlich machte, "hinken wir im Krankenhaus der Entwicklung bei der Sieben-Tage-Inzidenz immer hinterher". Kommende Woche könnten es also leicht doppelt so viele Patienten sein, oder gar mehr. Keine schönen Aussichten.

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