Stadtgespräch: Frühes Weihnachtsgeschenk, die doppelte "Miss" und ein Museum als TV-Star

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Abends wird es jetzt immer früher dunkel und die Temperaturen gehen merklich zurück. Doch an Weihnachten dürfte wohl noch kaum jemand denken. Eine Entscheidung in dieser Woche hat das aber grundlegend geändert: Gießen Marketing GmbH und Stadt haben verkündet, dass es in diesem Jahr nach dem Corona-bedingten Ausfall 2020 wieder einen Weihnachtsmarkt mit Eisbahn geben wird.

Voraussichtlich vom 26. November bis 30. Dezember soll beides seine Pforten öffnen. Wenn das mal kein verfrühtes Geschenk ist. Natürlich wird das Ganze nicht ohne gewisse (Hygiene-)Regeln ablaufen. So sollen die Buden in größeren Abständen zueinander aufgestellt werden, allerdings bei gegenüber der Vor-Corona-Zeit unveränderter Anzahl. Eine solche räumliche Entzerrung ist zwar der festlichen Stimmung nicht unbedingt zuträglich, finde ich, aber verständlich. Fragt sich nur, wie das gerade bei den besonders häufig besuchten Glühwein-Ständen und anderen beliebten Attraktionen auf die Dauer funktionieren soll. All jene, die dort Abstände kontrollieren müssen, beneide ich wirklich nicht. Da scheinen Konflikte vorprogrammiert zu sein. Womöglich siegt aber auch die Vernunft. Schließlich haben wir ja Weihnachtsmarkt und Eisbahn endlich wieder zurück und würden beides auch gerne behalten.*Susanne Seel ist diese Woche gelungen, was noch niemals eine Frau aus Gießen geschafft hat: Die 23-jährige Lehramtsstudentin ist zur neuen "Miss Deutschland" gekrönt worden. Ein Titel, der für die junge Frau noch unverhoffter kam als derjenige der "Miss Hessen", den sie im Januar 2020 in der Galerie Neustädter Tor erobert hatte. Kein Wunder, dass es Seel jetzt auch Stunden nach der Siegerehrung im Gespräch mit dem Schreiber dieser Zeilen "noch immer nicht glauben konnte". Ende dieses Monats hat die begeisterte Basketballerin mit Zweitliga-Erfahrung die Chance, bereits den nächsten Thron zu besteigen: bei der Wahl zur "Miss Intercontinental" im ägyptischen Urlaubsort Sharm El Sheikh. Im Vergleich zu den 15 jetzigen Kandidatinnen wird es dann bei etwa 80 natürlich ungleich schwieriger, letztlich oben zu stehen. Ohne ihre "super Schwester", wie die 23-Jährige betont, wäre es aber überhaupt nie so weit gekommen. Denn diese hatte sie ohne deren Wissen zur "Miss Hessen"-Wahl angemeldet. Eine solche Überraschung mit derart weitreichenden Folgen dürfte wohl nicht allzu oft gelingen.*Wer sich für das Liebig-Museum und Chemie interessiert, sollte am morgigen Sonntag und den beiden folgenden jeweils um 19.30 Uhr das ZDF einschalten. Die beliebte und langlebige Reihe "Terra X" widmet sich diesmal der "Wunderwelt Chemie". Und da kommt man natürlich an dem früheren Laboratorium Liebigs, das unlängst auch Kanzlerin Angela Merkel besucht hatte, nicht vorbei. Den TV-Machern hat es dort offenbar so gut gefallen, dass sie gleich alle drei Teile in den historischen Räumen gedreht haben. Für Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim, selbst promovierte Chemikerin, hat sich dabei sogar ein Traum erfüllt. Auf die Frage, welche berühmte Persönlichkeit sie gerne treffen würde, wenn sie nur eine einzige Zeitreise frei hätte, soll sie "Justus von Liebig" geantwortet haben. In den Dokumentationen darf sie nun nicht nur durch seine Räume schlendern, sondern auch darin experimentieren. Für das Museum und den dahinterstehenden Verein, die beim Drehen als Berater fungierten, ist so viel Präsenz im Fernsehen natürlich eine tolle Sache. Und für das große Ziel, Weltkulturerbe-Stätte zu werden, bestimmt auch nicht schlecht. Wer keine Zeit oder Lust hat, sonntagabends vor der Flimmerkiste zu sitzen, kann sich die drei Sendungen übrigens auch online in der ZDF-Mediathek anschauen, und das bereits vor den Ausstrahlungsterminen.*Zum Schluss dieses "Stadtgesprächs" geht der Blick noch mal zurück auf den Super-Wahlsonntag und die Wahlkampf-Wochen zuvor. Wir hatten den OB- und Bundestagskandidaten von Gießen bis Berlin ja ausreichend Gelegenheit gegeben, sich im Anzeiger zu den verschiedensten Themen zu äußern und der Wählerschaft ihre Positionen zu präsentieren. Dafür haben wir uns in der Redaktion nicht nur die Köpfe über die passenden Fragen zerbrochen, sondern auch Word-Dokumente entwickelt, in denen die für die Antwort maximal erlaubte Zeichenzahl genau eingestellt war. Schließlich sollten die Politiker auf den Punkt kommen und keine Reden schwingen. Andererseits hatten damit alle dieselbe klare Vorgabe. Wie sich dann aber zeigte, wurde das von manchen gerne mal ignoriert. Anstatt den Text in das Dokument zu schreiben, verwendete man einfach ein anderes Dateiformat und überschritt nicht selten die vorgegebene Zeichenzahl. Damit gaben jene Verfasser das Kürzen in unsere Hände, statt es selbst zu tun. Auf diese Mehrarbeit hätte zumindest ich gerne verzichtet. Aber Politiker sind eben auch nur Menschen und nicht fehlerlos. Doch, wem sage ich das...

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