Stadtgespräch: Seelische Gesundheit, ein hochspannender Rundgang und ein sechsbeiniges Duo

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An diesem Montag geht die "Woche der Seelischen Gesundheit" zu Ende, an der sich auch das gleichnamige Gießener Aktionsbündnis mit zahlreichen Online-Vorträgen und Chats mit Psychologen und anderen Experten beteiligt. Dass ich gerade diesen Punkt hier als Erstes erwähne, hat einen guten Grund: Die Corona-Pandemie mit ihren teils monatelangen Lockdown-Phasen hat nämlich auch in unseren Breitengraden zu einem besorgniserregenden Anstieg an Fällen von behandlungsbedürftigen Depressionen und Angstzuständen bis hin zur Selbstgefährdung geführt.

Auch Kinder und Jugendliche sind in immer größer werdender Zahl davon betroffen. Dass gerade Einsamkeit als einer der Hauptgründe dieser Entwicklung genannt wird, kann niemanden verwundern. Denn schon in Vor-Pandemie-Zeiten war das ein großes gesellschaftliches Problem, sei es nun bei alleinstehenden älteren Menschen oder jüngeren, die das Gefühl haben, in der heutigen Leistungsgesellschaft nicht mehr mithalten zu können. Wer bislang glaubte, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, sei nun die größte Herausforderung, der dürfte diese Ansicht bald revidieren. Leider aber ist es vielfach immer noch mit einem Tabu behaftet oder wird als Schwäche gebrandmarkt, eigene psychische Probleme zuzugeben. Falls die Corona-Zeit das ändern und Verständnis und Einfühlungsvermögen der Mitmenschen vergrößern sollte, hätte sie wenigstens etwas Gutes gehabt.*Es gibt einige Bereiche in und rund um Gießen, an denen man ständig vorbeifährt oder -läuft und sich fragt, wie es eigentlich hinter der hohen Grundstücksmauer oder dem Zaun im Detail ausschaut. So ging es mir schon immer mit der riesigen Fläche des Umspannwerks in der nördlichen Weststadt. Bereits als Kind war ich als gebürtiger Gießener neugierig, was es mit all diesen Masten, Leitungen und merkwürdigen Würfeln und Kästen - den Transformatoren, wie ich irgendwann lernte - auf sich hat. Tatsächlich musste ich über vier Jahrzehnte warten, bis ich diese Woche endlich mal Gelegenheit bekam, die für 30 Millionen Euro rundum erneuerte und erweiterte Anlage des Netzbetreibers TenneT genauer in Augenschein zu nehmen. Eine Gelegenheit, die ich mit gehörigem Respekt anging. Zumal in den Hochspannungsleitungen bis zu 380 000 Volt an Strom fließen. Das ständige Knistern durch Teilentladungen zeigt, welch gewaltige elektrische Kräfte hier am Werk sind. Beim Rundgang über das Gelände zusammen mit den Verantwortlichen musste ich unweigerlich an die beiden doch recht schmerzhaften Stromschläge denken, die ich mir im Laufe der Jahre bei Hausarbeiten eingefangen habe (Elektriker und Handwerker werden hier jetzt wahrscheinlich lachen, da sie das wohl viel häufiger erleben). Auf jeden Fall aber ist es wichtig, zu wissen, wo der ganze "Saft" eigentlich herkommt.*Spürbar zugenommen hat die Zahl der Bürger, die sich mehr Polizeipräsenz auf Straßen, Plätzen und in Fußgängerzonen wünschen. Anderen geht das zu weit oder es werden gar Vergleiche zum orwellschen Überwachungsstaat gezogen. Diese Extreme von Reaktionen zeigten sich auch bei unserem Artikel über den "Schutzmann vor Ort" Oberkommissar Hanno Kern und seinen Dienst-Schäferhund "Bones" - zu Deutsch "Knochen", was ich persönlich für einen eher etwas unglücklich gewählten Hundenamen halte; das aber nur am Rande. Die beiden sind regelmäßig auf Streife insbesondere in der Gießener Innenstadt unterwegs. Geht man nach den Kommentaren auf unserem Facebook-Kanal, ist die Mehrheit dankbar für die Präsenz des sechsbeinigen Duos und fühlt sich dadurch sicherer. Doch es gab auch nicht wenige kritische Stimmen. Einfach so anfassen und streicheln sollte man "Bones" übrigens besser nicht, wenn er gerade im Dienst ist. Denn seinen Job nimmt der ausgebildete Schutzhund sehr ernst.*Schließlich habe ich diese Woche eine zumindest mir bislang noch völlig unbekannte Kategorie von Speisen kennengelernt: "dreckiges Streetfood". Das nämlich möchte der bekannte Gießener Gastronom Dimitri Skartsanis ("Geschmacksverkehr") in seinem neuen, bald öffnenden Laden "Soul" im Alten Telegrafenamt am Bahnhof anbieten. Um was es sich dabei handelt, verrät er allerdings nicht genau, nur, dass es "fettiges Essen" ist, das er "sehr liebt", und dass es dabei "nicht um Burger geht". Zudem erfahren wir im Artikel, dass die Köche, die es zubereiten, aus seiner Heimat, der griechischen Stadt Patras, stammen. Da kann ich mir jetzt zwar ansatzweise vorstellen, was es Leckeres geben wird, aber das Wörtchen "dreckig" ist mir weiterhin ein Rätsel. Andererseits macht es aber auch neugierig, welche lukullischen Überraschungen sich dahinter verbergen könnten. Skartsanis nennt die Speisen, die er anbieten möchte, im Übrigen auch "Soul-Food", passend zum Namen des neuen Geschäfts. Damit kann ich jedenfalls mehr anfangen. Denn welcher Gast freut sich nicht, wenn er weiß, dass der Koch das Essen mit Liebe und Seele (Soul) zubereitet hat.

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