Stadtgespräch: Von Gruppen zur Selbsthilfe, einem Kiosk im Container und Zustellungsproblemen

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Für den Wochen-Rückblick auf das Gießener Stadtleben bietet sich auch dieses Mal eine breite Themenvielfalt an. Geht man nach den Reaktionen auf dem Facebook-Kanal des Anzeigers, lag ein Thema in puncto öffentliche Aufregung ganz vorne: Nämlich die sexistischen und diffamierenden Kommentare, mit denen die "Omas gegen Rechts" von nicht wenigen Usern auf der Facebook-Seite der Gießener AfD bedacht wurden, ohne dass dort zunächst jemand eingriff.

Auslöser war der Beitrag eines AfD-Stadtverordneten zur Unterschriftensammlung der Aktivistinnen für die Evakuierung der Flüchtlingslager in Griechenland. Ebenfalls viel Aufmerksamkeit erntete die deutliche Kritik heimischer Katholiken an der anhaltenden Ablehnung der kirchlichen Segnung homosexueller Paare durch den Vatikan. Und auch die Aktion der Gesamtschule Gießen-Ost, den Unterricht sämtlicher Klassen vor den Osterferien im Freien abzuhalten, um damit gegen die trotz steigender Inzidenzzahlen vom Ministerium angeordnete Präsenz der Abschlussklassen zu protestieren, sorgte für Aufsehen. Eine ereignisreiche Woche also, in der eine weitere Nachricht fast untergegangen wäre: Die Kontaktstelle der Gießener Selbsthilfegruppen hat einen neuen Leiter. Dieser Wechsel sorgt dafür, dass die Arbeit der mittlerweile schon etwa 120 Gruppen, in denen Menschen mit allen möglichen psychischen Problemen und Süchten Erfahrungen austauschen, wieder einmal ans Licht der Öffentlichkeit kommt. Das ist erst recht wichtig in einer Zeit, in der viele Menschen durch die Corona-Pandemie unter Einsamkeit leiden. Da können selbst Online-Selbsthilfe-Treffen viel bewirken.*Kommt er nun wieder zurück, oder doch nicht? Wer sich diese Frage zum früheren Kiosk am Berliner Platz schon seit dessen Verschwinden vor einem guten Dreivierteljahr stellt, weiß seit dieser Woche endlich Bescheid. Ja, er kommt wieder zurück, berichtet die für die Stadthallen GmbH zuständige Dezernentin auf Anfrage dieser Zeitung von einer entsprechenden Übereinkunft mit der Betreiberfamilie. Wann genau das sein wird und an welcher Stelle der von der Familie bereits gekaufte und eingerichtete Container aufgestellt wird, ist aber weiterhin offen. Denn das hängt laut Stadträtin vor allem vom Verlauf der Umbauarbeiten der Kongresshalle ab. Es gibt nicht wenige Gießener, die sich die Kiosk-Rückkehr herbeisehnen, wie die vor der Schließung an die OB überreichten 4000 Unterschriften belegen. Während die meisten der potenziellen Kiosk-Kunden noch etwas Geduld haben dürften, geht diese der Betreiberfamilie allmählich aus. Denn ihre finanziellen Verluste, insbesondere durch die Container-Neuinvestition und abgelaufene Waren im weitergeführten Lager, wachsen mit jeder Woche. Verständlicherweise wünschen sie sich deshalb einen möglichst längerfristigen Vertrag mit der Stadthallen GmbH, der wohl eine kürzere Vertragslaufzeit vorschwebt. Nun ja, beide Seiten werden hoffentlich bald eine alle zufriedenstellende Lösung finden.*Schreiben und versenden Sie eigentlich noch Briefe? So richtig mit Briefpapier, Umschlag und Briefmarke? Ich mache das schon lange nicht mehr, außer, irgendeine Behörde oder Firma "zwingt" mich dazu. Dennoch fällt es mir nicht schwer, nachzuempfinden, was einem Ehepaar aus der Gemeinde Weinbach jetzt am Gießener Bahnhof passiert ist. Die Gattin warf in der Bahnhofshalle vor dem Umsteigen in einen anderen Zug einen Brief in den dortigen Briefkasten. Der sollte "noch unbedingt vor Ostern zugestellt werden", schreibt der Ehemann in einer E-Mail, die er unserer Redaktion zukommen ließ. Da das Paar diesen Briefkasten "schon oft" benutzt hat und die Schreiben bislang immer an ihrem Ziel angekommen sind, warf die Frau vor dem Einwerfen keinen genaueren Blick auf den Kasten. Sonst hätte sie nämlich gesehen, dass dort "ein handgeschriebener Zettel mit der Aufschrift 'außer Betrieb'" angebracht war. "Warum werden in so einem Fall die Briefkastenschlitze nicht zugeklebt?", fragt der Gatte nun. Vorherige Versuche, in der Filiale in der Bahnhofstraße oder auf den Post-Internetseiten Hilfe zu erhalten, brachten leider nicht den erhofften Erfolg. Ich wiederum hoffe, dass ihr Brief trotz dieser Umstände seinen Empfänger spätestens heute erreicht hat. Obwohl nachösterliche Grüße auch noch ihren Zweck erfüllen. Zum Glück für mich jedenfalls weiß ich schon seit über einer Woche, dass mein "Stadtgespräch" am heutigen Tag erscheinen wird. Daher musste ich mir wegen meiner Feiertagswünsche an Sie, liebe Leserinnen und Leser, keinen Stress machen. Und kann nun ganz entspannt schreiben: Frohe Ostern!

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