Stadtgespräch: Von turbulenten Tagen, einem neuen Bürgerservice und Einkaufen mit "Click"

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Was könnte ich heute nicht alles schreiben über die politischen Entwicklungen in Gießen in den hinter uns liegenden Tagen - von Bürgeranträgen, dem geplanten Verkehrsversuch auf dem Anlagenring und der scharfen Kritik, die diesem Vorhaben entgegenschlägt, bis hin zum Verlust von 10 Millionen Euro, welcher der Stadt durch ihre Geldanlage bei der abgestürzten Greensill-Bank droht.

Doch vor der morgigen Kommunalwahl halte auch ich mich an unsere selbstauferlegte Regel, am Tag davor keine möglicherweise mitentscheidenden Wahlkampfthemen in der Zeitung zu behandeln und zu beurteilen. Nur das eine möchte ich hier feststellen: Selten ging es in der Vergangenheit in den letzten Tagen vor einer Wahl auf dem heimischen politischen Parkett so turbulent zu wie dieses Mal. Ob das womöglich zu einer höheren Wahlbeteiligung führt? Am Sonntagabend sind wir schlauer.*Zwar auch nicht ganz frei von Politik, aber im Gegensatz zu den zuvor genannten Themen wahlkampftechnisch eher unverfänglich ist die Neuerung, die jetzt an größeren Baustellen in Gießen Einzug hält. Dort nämlich soll ab sofort auf einem Banner gut lesbar darüber informiert werden, was jeweils gemacht wird und - was vielen wohl noch deutlich wichtiger ist - wie lange die Arbeiten und die Absperrungen dauern werden. Insbesondere Autofahrer und Radler, die sich über solche Hindernisse am meisten aufregen dürften, werden diesen Service zu schätzen wissen. Als ich davon hörte, fragte ich mich als Allererstes: Warum ist eigentlich nicht schon wesentlich früher jemand auf diese Idee gekommen? Obwohl, ganz so neu ist sie dann doch nicht. Schließlich kennt man Ähnliches von Häuserbauten und Autobahnen. Auf Letzteren hat Bürgermeister Peter Neidel auch die Inspiration für diesen zusätzlichen Bürgerservice erhalten, wie er jetzt bei der Einweihung des ersten Infobanners im Schiffenberger Tal berichtete. Die Produktion der Banner erfolge "kurzfristig und nach Bedarf", heißt es. Das ist auch unbedingt zu empfehlen, schließlich sind Verzögerungen im Bau- und Sanierungsgeschäft nicht gerade selten und dann aktualisierte Infobanner vonnöten.*Was wir von Staatschefs aus aller Welt oder von Ministerpräsidenten kennen, soll es jetzt auch wieder in Gießen geben: Einen am Revers von Jackett, Bluse oder Mantel ansteckbaren Pin, der das Emblem oder die Fahne der heimischen Region trägt, in diesem Fall das Gießener Stadtwappen. Solche Anstecknadeln gab es zwar schon mal vor vielen Jahren, doch seitdem nicht mehr. Den Pin, der für drei Euro in der Tourist-Info erhältlich sein soll, wird es diesmal neben der Version mit Nadel auch mit Magnet geben. Letztere Variante gefällt mir besser, da man dadurch zum einen keine Löcher in den Kleidungsstücken hinterlässt. Und zum anderen das Risiko, sich beim Anstecken der Nadel schmerzhaft in die Haut zu stechen, entfällt. Den Pin wie auch den Aufkleber mit dem Stadtwappen werden neben Bürgern ebenso Gäste unserer Stadt erwerben können. Quasi als Souvenir.*Die Lockdown-bedingten Einkaufsmethoden "Click & Meet" und "Click & Collect" sind spätestens seit dieser Woche allgegenwärtig, auch in Gießen. Selbst wer des Englischen bisher nicht so mächtig war, weiß mittlerweile, um was es dabei geht, nämlich die vorherige Terminvereinbarung für ein Geschäft, das noch nicht ganz öffnen darf, und die Abholung von im Internet bestellten Waren. Nach den vielen von uns so langsam unendlich erscheinenden Monaten des Verzichts auf lieb gewonnene Dinge wie den regelmäßigen Einkaufsbummel sind diese Lockerungen so etwas wie ein Licht am Ende des Corona-Tunnels, für Kunden wie Ladenbesitzer. Natürlich kann es bei entsprechenden Inzidenz-Werten damit auch schnell wieder vorbei sein. Dieses Risiko schwingt immer mit. Um es zumindest einigermaßen kontrollieren zu können, raten Vertreter von Händlerverbünden wie den BIDs und das städtische Ordnungsamt den Ladenbetreibern davon ab, Wühltische oder Kleiderständer vor die Geschäfte zu stellen. Eine logische Entscheidung, schließlich müssten von allen Passanten, die dort nur mal kurz stehenbleiben, die Kontaktdaten aufgeschrieben werden. Da könnte schnell ein ziemliches Chaos entstehen. Noch dazu wäre es für Ladeninhaber mit reichlich Stress verbunden, wenn sie von einem zum anderen "Laufkunden" zwecks Aufnahme der Daten hin und her hecheln müssten.*Wo wir gerade bei der Innenstadt und den Fußgängerzonen sind: Wer sich wie ich schon gefragt hat, ob die Weihnachtsbeleuchtung dieses Jahr extra länger hängen geblieben ist, um dem Seltersweg und anderen Einkaufszonen in den Wochen des harten Lockdowns ein wenig Glanz und Stimmung zu verleihen, hat sich getäuscht. Tatsächlich ist man mit dem Abhängen nicht viel später als in den Vorjahren dran. Im Seltersweg ging es erst jetzt damit los, andernorts schon etwas früher. Dass nicht gleich sofort nach dem Jahreswechsel damit begonnen wird, hat übrigens einen ganz praktischen Grund, wie von Markus Pfeffer, Geschäftsführer zweier BIDs, zu erfahren ist: Herrschen noch Frost oder zu kalte Temperaturen, könnte die Beleuchtung beim Abhängen beschädigt werden.

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