Stadtgespräch: Von Verstößen und Einsprüchen, einem folgenreichen Loch und Liedern zur Wahl

  • schließen

Auch bislang knapp 60 000 Corona-Tote in Deutschland und über 2,4 Millionen Infizierte sind für manche Mitmenschen offenbar noch nicht genug, um sich und andere mit einer Mund-Nasen-Bedeckung und dem Einhalten der Abstandsregel zu schützen. Ein besonders krasser Fall beschäftigte diese Woche das Gießener Amtsgericht: Anfang September 2020 war die wegen Ruhestörung mitten in der Nacht gerufene Polizei in einer Kneipe in der Innenstadt auf 68 Besucher getroffen, die drinnen und draußen feierten, ohne sich groß um Schutzmaßnahmen zu scheren.

Ganze 71 Bußgeldverfahren wurden in jener Nacht eingeleitet - 200 Euro für Besucher und 2600 Euro für den Wirt. Doch das ist nur ein kleiner Teil derjenigen Verfahren, die der Landkreis bisher wegen Verstößen gegen Corona-Auflagen in Stadt und Umlandgemeinden anstrengen musste: Insgesamt sind es 1340, teilt die Behörde auf Nachfrage mit. Davon legten allerdings nur circa 70 Personen Einspruch ein. Die weitaus meisten sehen vermutlich keine Chance auf Erfolg oder die Sache ist ihnen dann doch zu peinlich. Erstaunlicherweise zeigen sich die Masken- und Regelverweigerer im jetzigen Fall der Kneipe besonders renitent: Von ihnen entschloss sich tatsächlich ein gutes Dutzend, sein Glück bei Gericht zu versuchen. Ob da wohl der Rest-Alkohol noch nachwirkte?*Anfangs wollte man einfach nur ein großes Loch in den Bahndamm "stechen", um Dammstraße und Bootshausstraße miteinander zu verbinden und die Lahn somit näher an die Innenstadt heranzuholen. Doch wenn es ums Bauen geht, ist das eigentlich nie einfach. Und es kommt zumeist teurer als erwartet. So auch in diesem Fall: Aus 2,5 Millionen Euro wurden schließlich 3,6 Millionen. Die allseits bekannte Brutto-Netto-Verwechslung setzte dem Ganzen dann die Krone auf und sorgte für eine Mischung aus Aufregung und Erheiterung. Jahre nach der Eröffnung des Durchstichs kam der von den Fraktionen "Gießener Linke" und "Piraten/Bürgerliste" beantragte Akteneinsichtsausschuss diese Woche zum Ergebnis, dass es keine Hinweise "auf sach- oder gar rechtswidriges Verhalten der Verwaltung und/oder des Magistrats" etwa bei Planung und Durchführung gebe. Das jedoch bezweifeln die Antragsteller auch weiterhin und monieren, ihnen würden wichtige Unterlagen vorenthalten. Am kommenden Donnerstag wollen beide Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung ihre "Gegendarstellung" präsentieren. Ob die wohl den "Durchbruch" und endgültig Klarheit bringt?*Beim Werben um Stimmen zur Kommunalwahl zeigen sich die Parteien nicht unbedingt erfinderisch oder gar übermäßig kreativ. Das belegen vor allem die zumeist eher langweiligen Wahlplakate, mit denen Gießens Straßenränder und Verkehrsinseln geradezu gepflastert sind. Und so sticht jede Idee aus der Wahlkampf-Masse heraus, die nicht den gängigen Formeln folgt - wie nun die von Christian Lugerth. Der unter anderem am Gießener Stadttheater tätige Schauspieler, Regisseur und Bühnenautor hat am vergangenen Dienstag ein rund 25 Minuten langes Video auf der Onlineplattform YouTube veröffentlicht, mit dem er die erstmals antretende Liste "Gießen gemeinsam gestalten (Gigg)" unterstützt. Sich selbst auf der Lakewood-Gitarre begleitend und mit Hut auf dem Kopf, huldigt der 64-jährige Künstler darin dem "guten alten politischen Lied", wie er selbst schreibt. Das dargebotene Liedgut mag nicht den Geschmack aller Zuhörer treffen, doch wie sich Lugerth hier gesanglich ins Zeug legt, nötigt einem schon Respekt ab. Wo das Video auf YouTube zu finden ist? Das darf ich Ihnen natürlich nicht verraten, wäre ja schließlich Wahlwerbung. Aber dank Suchfunktion und mit den richtigen Begriffen ist es schnell gefunden.*Zum Schluss noch ein Tipp zu den ab Montag wieder öffnenden Friseurläden, den ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, nur ans Herz legen kann: Sollten Sie nicht schon vorgesorgt und einen Termin vereinbart haben, ist es jetzt höchste Zeit dafür. Wie man hört, soll so mancher Friseur bereits auf Wochen ausgebucht sein. Auch ich habe kurz nach der Verkündung der Wiedereröffnung gleich zugeschlagen. Kommende Woche ist der Termin. Und ich kann es kaum noch erwarten, meine "Haarpracht" mächtig stutzen zu lassen. Denn es nervt mich einfach nur noch, jeden Morgen meine über Nacht förmlich "explodierten" Haare mühsam unter Kontrolle bringen zu müssen. Wer wie ich gleich drei Scheitel auf einmal auf dem Kopf hat, weiß, was ich meine. Es ist zum Haareraufen...

Das könnte Sie auch interessieren