Stadtgespräch: Wiederentdeckte Liebe, neuer politischer Schwung und ein "komisches" Fest

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Es soll ja Menschen geben, die ihren Weihnachtsbaum erst kurz vor Heiligabend kaufen, damit er möglichst frisch ist und nicht so schnell nadelt. Wer diese Strategie auch in diesem Jahr verfolgte, wird sich wohl des Öfteren mit einem nicht ganz so perfekt aussehenden Nadelgewächs zufriedengeben müssen. Oder musste deutlich tiefer in den Geldbeutel greifen, als eigentlich geplant.

Wie nämlich unsere Umfrage bei Händlern zeigt, waren die grünlichen oder auch mal bläulichen Lametta-, Kugel- und Kerzenhalter in diesem Jahr stärker nachgefragt. Da Corona-bedingt der Verwandtenbesuch vielfach ausfallen muss und man nicht einfach anderswo die Baumkreationen bewundern kann - um sich dadurch all die Arbeit zuhause zu ersparen -, haben offenbar viele ihre Liebe zum Weihnachtsbaum (wieder)entdeckt.*Eine zusätzliche Ankreuzmöglichkeit wird sich auf den Wahlzetteln bei der Kommunalwahl im kommenden März bieten. Dann tritt erstmals die neu gegründete Liste "Gießen gemeinsam gestalten (Gigg)" an. So richtig überraschend kam diese Nachricht nicht, denn die Gedankenspiele einiger Listenmitglieder machten bereits länger die Runde. Dass sich aber auf Anhieb gleich 27 wählbare Personen darauf befinden, halte ich schon für bemerkenswert. Denn der Schritt, sich aufs oftmals rutschige politische Parkett und somit in die Öffentlichkeit zu wagen, ist kein einfacher und muss wohlüberlegt sein. Wer sich die Liste genau anschaut, wird darauf zahlreiche stadtbekannte Namen entdecken. Vor allem aus der Klima-Bewegung und den Aktivitäten rund um das Bündnis "Gießen 2035Null". Eine reine Klimaliste möchte man aber gar nicht sein, sondern sich auch in andere Veränderungsprozesse der Universitätsstadt einbringen und dafür Bürger stärker einbeziehen. Und nicht zuletzt "neuen Schwung und neue Gedanken in die Stadtverordnetenversammlung bringen", betont einer der führenden Köpfe. Die Chancen auf ein gutes Wahlergebnis dürften für "Gigg" gar nicht mal so schlecht stehen. Spricht man mit solchen Zielen doch ein ziemlich breites Wählerspektrum an.*Während ich diese Zeilen schreibe, flattert die tägliche Corona-Lage-Mail des Uniklinikums (UKGM) in die Redaktion: Demnach wurden dort zum Zeitpunkt Mittwochmittag 113 Corona-Patienten versorgt, 43 auf den Intensivstationen und 70 auf Normalstationen. Somit ist die Gesamtzahl nach einem Rückgang vom bisherigen Höchststand von 121 am letzten Donnerstag auf 108 an diesem Montag wieder am Steigen. Es wird auch hier spannend sein, zu verfolgen, wie sich der harte Lockdown auswirkt. Gerade auf den Intensivstationen, denn hier stellen wiederum die derzeit 43 Schwerkranken den vorläufigen Höchststand dar. Damit bewegt sich das UKGM am Standort Gießen an der oberen Grenze der bislang eingeplanten Intensivplätze für Corona-Kranke. Denn wie uns der Ärztliche Geschäftsführer schilderte, befindet sich von diesen rund 80 Intensivbetten der heimischen Versorgungsregion, die drei Landkreise umfasst, ungefähr die Hälfte am Gießener Klinikum. Nicht zuletzt deshalb war die nun bekannt gewordene Corona-Prämie für die seit Monaten besonders belasteten Pflegekräfte mehr als überfällig.*"Weihnachten dieses Jahr fühlt sich irgendwie komisch an", meinte eine junge Frau, als wir Menschen aus Gießen und Umgebung zu ihren Feiertagsplänen befragten. Man könnte die derzeitige Stimmung in diesen Corona-dominierten Zeiten wohl kaum besser beschreiben, finde ich. Angesichts all der Lockdown-Auflagen und kurzfristiger Änderungen war die Planung des Fests wohl noch nie so kompliziert wie dieses Mal, jedenfalls zu meinen Lebzeiten. Allerdings hat so mancher auch Vorteile darin erkannt: "Ich bin froh darüber, dass ich nicht wieder alle Verwandten besuchen muss, sondern das Thema ganz bequem per Videoanruf lösen kann", sagte zum Beispiel ein anderer Befragter. Diese Ansicht kann ich zwar nicht teilen, allerdings gibt es auch bei mir etwas, was das Weihnachtsfest, sagen wir mal, weniger anstrengend macht. Dieses Mal nämlich darf ich meine Lieblings-Weihnachtslieder ganz allein auf dem Klavier spielen, ohne dass mich - um es höflich auszudrücken - eigenwillige Interpretationen der Melodien durch die Sänger um mich herum aus dem Takt bringen, und nicht selten auch aus der Fassung ...Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich nun einige schöne, möglichst besinnliche und geruhsame Weihnachtstage. Machen Sie das Beste aus der Situation und den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten!

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