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Stärken und Talente entdecken

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Machten den Schülerinnen und Schülern der Herderschule Mut: Babsi Buchberger, Pascal Keller, Franz-Andreas Loos, Christa Schmuck und Aricia Keller (v. l.). Foto: Zielinski © Zielinski

Mutmacher-Seminar an der Herderschule in Gießen: Elftklässler bekommen Leitfaden zur Berufsorientierung von Unternehmensgründer Pascal Keller an die Hand.

Gießen. »Wenn du nicht weißt, was du kannst, ist es verdammt schwer, herauszufinden, was du willst«, betonte Pascal Keller. Gemeinsam mit seinem Team war der Gründer und Geschäftsführer von Mein mutiger Weg in der Herderschule zu Gast. In einem viereinhalbstündigen »Mutmacher-Seminar« unterstützte er die Schüler(innen) der Jahrgangsstufe elf dabei, ihre Stärken, Talente und Träume zu entdecken, um einen Beruf zu finden, in dem sie ihr Potenzial voll ausschöpfen können.

»Wir glauben daran, dass jeder junge Mensch Außergewöhnliches leisten kann, sobald er weiß, wozu er fähig ist«, erklärte Keller, der gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Frederic das Unternehmen gegründet hat, das mittlerweile zu einem der am schnellsten wachsenden Start-Ups für moderne Berufsorientierung in Deutschland zählt. Die beiden möchten jungen Menschen einen effektiven Leitfaden an die Hand geben, um in einem Meer von Möglichkeiten - in Deutschland gibt es mehr als 21 000 Studiengänge und rund 320 duale Ausbildungsberufe - den Überblick zu behalten.

Pascal und Frederic lernten in ihrer eigenen Schulzeit selbst die Ängste und Unsicherheiten kennen, die eine Zukunftsentscheidung mit sich bringt. Die Angst, sich falsch zu entscheiden, plagte die Zwillinge genauso wie heute Tausende von anderen Schüler(innen). So entstand die Idee, junge Menschen dazu zu ermutigen, ihren eigenen (Berufs-)weg zu gehen und nicht planlos in eine Richtung zu laufen, die alle wählen.

Franz-Andreas Loos, an der Herderschule für Berufs- und Studienorientierung verantwortlich, wurde auf das Projekt aufmerksam und lud die »Mutmacher« als eine der ersten Schulen in Mittelhessen ein. Eine gute Entscheidung, wie sich schnell herausstellte. Die Elftklässler waren konzentriert bei der Sache, egal ob es nun um einen partnerschaftlichen Austausch, Reflexion, eigenes Erarbeiten oder Aktivierungsübungen ging.

»Spaß und Motivation kommen von allein, wenn wir etwas können«, wusste Pascal Keller aus eigener Erfahrung zu berichten. Aus diesem Grund sei es wichtig, einen Beruf zu finden, in dem man die eigenen Stärken so oft wie möglich einsetzen kann. Die Schüler(innen) wurden nicht nur dazu aufgerufen, ihre eigenen Stärken zu herauszufinden, sondern auch die ihrer Mitschüler.

Hier kam es zum Teil zu erstaunlichen Ergebnissen: Nicht wenigen der Teilnehmer(innen) wurden Stärken bescheinigt, derer sie sich bisher nicht bewusst waren.

Damit die Mädchen und Jungen nicht zu lange überlegen mussten, erhielten sie vom »Mutmacher-Team« eine »Stärken-Liste«, welche die unterschiedlichsten Talente, von Kreativität über hohe Belastbarkeit bis hin zu logischem Denken und Einfühlungsvermögen, enthielt. Fazit aller Beteiligten: »Wir sehen uns oft viel kritischer, als andere es tun.«

»Echte Begeisterung lässt dich selbst durch die größten Ängste gehen«, führte Keller weiter aus. Die einzige Möglichkeit, ihr zu begegnen, sei, sich ihr mit Mut zu stellen. »Alle Menschen, zu denen du heute aufschaust, hatten Angst, als sie anfingen, ihren eigenen Weg zu gehen«, unterstrich der 29-jährige Master of Arts und zertifizierter IHK-Ausbilder. »Ein mutiger Mensch ist nicht ein Mensch, der keine Angst hat, sondern ein Mensch, der trotzt Angst handelt.«

Er riet seinen Zuhörer(innen) abschließend, nicht aufzugeben und weiter an den eigenen Träumen zu arbeiten, sich weiterzuentwickeln und mutig zu handeln. Begleitet wurde das »Mutmacher-Seminar« von Online-Workshops.

Finanziert wird das Projekt des zertifizierten Bildungsträgers, das bereits in zwölf Bundesländern stattfand, von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung des Bundesfamilienministeriums und des Programms Auf!leben. In der Herderschule soll das »Mutmacher-Seminar« in Zukunft fester Bestandteil der Berufsorientierung werden. »Berufsorientierung ist auch an Gymnasien stärker in den Fokus gerückt«, betont Christa Schmuck von der Agentur für Arbeit, die ebenfalls an dem Seminar teilgenommen hat.

Einmal pro Jahr lädt die Herderschule darüber hinaus Schüler und Eltern zum »Herder-Forum« ein, bei dem unter anderem Vertreter der Agentur für Arbeit, der THM und der Universität Rede und Antwort stehen. In Planung ist das Projekt »Eltern-Berufebotschafter«, bei dem Eltern von Herderschülern ihre eigenen Berufe vorstellen können. Die Leistungskurse des Gymnasiums besuchen zu ihren Fächer passende Fachbereiche in der JLU. Ein weiterer wichtiger fester Bestandteil des jährlichen Schulprogramms ist die Veranstaltung »Keine Ahnung von Mieten, Steuern und Versicherungen«.

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