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»Standbein der Energiewende«

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Im Fernewald könnte ein Windpark auf Flächen von Gießen, Fernwald und Buseck entstehen. © Schu

Der Gießener Bauausschuss stimmt für das gemeinsame Windpark-Projekt mit Fernwald und Buseck. Die Finanzierung sollen private Betreiber übernehmen.

Gießen. Kommt es zum Windpark im Fernewald? Bis zu sieben Windräder könnten im Rahmen eines interkommunalen Projektes entstehen, sollten die Parlamentarier in Gießen, Buseck und Fernwald zustimmen. Der städtische Bauausschuss hat das am Dienstag getan, wobei das entscheidende Votum der Stadtverordneten noch aussteht. »Die Unabhängigkeit von fossilen Energiequellen und damit zweifelhaften Despoten oder Umweltpraktiken: Das ist schon seit Beginn der Energiewende ein Argument. Sie ist jedoch nie so im Fokus gewesen wie heute«, sagte Bürgermeister Alexander Wright von den Grünen mit Blick auf den Krieg in der Ukraine und seine Folgen.

»Nicht auf der Insel der Glückseligen«

»Wir benötigen die Energiewende aber auch deshalb so nötig, weil sie uns beim Klima hilft. Nur mit ihr können wir Wohlstand und Klimaschutz vereinigen. Mit ihr ist eine Begrenzung des Klimawandels möglich«, betonte Wright. Man wolle in der Stadt Gießen seinen Beitrag leisten, den Wandel zu begrenzen, so der Bürgermeister. Allerdings befinde man sich nicht auf der Insel der Glückseligen. Wenn man Strom klimaneutral produzieren wolle, gelte es, mit dem Umland zu kooperieren. Windenergie sei zweifellos das größte Standbein der Energiewende. Auf der anderen Seite sei sie die Energieform, die am stärksten polarisiere. Es habe sich jedoch gezeigt, dass die Akzeptanz steige, wenn man Bürger vor Ort informiere und finanziell beteilige.

Neben dem Grundsatzbeschluss, mit dem sich der Ausschuss befasste, stehe die naturschutzrechtliche Betrachtung des Gebietes im Fernewald noch aus. »Es handelt sich um wertvollen Wald, in den wir nicht unnötig eingreifen wollen. Klar ist auch, dass Eingriffe ausgeglichen werden müssen«, führte der Bürgermeister abschließend aus.

»Wir sehen ja, was in den letzten Monaten auf der Welt passiert, und wie wichtig eine autarke Energieversorgung zunehmend wird. Wir stehen dem Projekt nicht entgegen«, erläuterte Frederik Bouffier von der CDU. Allerdings befinde sich die Stadt am Anfang eines längeren Prozesses, der in den anderen beiden Kommunen sicher für mehr Diskussionen sorgen werde. »Hier wird ein schöner Wanderweg zu den Wildpferden beeinträchtigt, den ich immer mal gelaufen bin«, gab dagegen Thomas Biemer von der AfD zu bedenken. Er verwies zudem auf die Windgeschwindigkeiten in dem Gebiet nach den Windkarten. Gewinne seien für den Betreiber nicht zu erwarten.

»Viele Dinge noch zu klären«

Im Vorfeld seien viele Dinge noch zu klären, unterstrich Manuela Giorgis von der FDP. »Wenn die sachlichen Bedenken ausgeräumt sind, werden wir zustimmen«, so Giorgis.

Es handele sich um private Betreiber, die an die Kommunen herangetreten sind, gab Wright zu bedenken. Gießen verpachte im Fall eines positiven Votums für den Grundsatzbeschluss seine Flächen bloß. »Aber natürlich haben diese Betreiber vorher errechnet, dass es sich lohnt«, argumentierte der Bürgermeister. Im Fokus stehe zudem wertvoller und feuchter Wald, deshalb müsse man genau schauen, wie man eingreife. »Wenn wir keinen Grundsatzbeschluss fassen, können wir das Verfahren nicht auf den Weg bringen. Mitnichten haben wir die Absicht, den Windpark zu finanzieren. Das müssen die Privaten tun. Wir werden da eine Pachteinnahme haben, aber nichts investieren«, erklärte Stadträtin Gerda Weigel-Greilich von den Grünen. »Grundsätzlich ist das ein Ansatz, dem wir sehr positiv gegenüberstehen«, machte Fraktionsvorsitzender Lutz Hiestermann von Gigg+Volt deutlich. Es müsse mehr in erneuerbare Energien investiert werden. Die Koalitionsfraktionen, CDU sowie Gigg+Volt stimmten bei Enthaltung der FDP und gegen die AfD für den Grundsatzbeschluss.

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