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Star mit zwei Rädern

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»Fairbike« macht aus alten Rädern neue. © Schäfer

Zum Auftakt des »Stadtradelns« in Gießen dreht sich auf dem Brandplatz alles um den Drahtesel

Gießen . Einem Volksfest glich die Auftaktveranstaltung zum diesjährigen »Stadtradeln« mit dem Titel »FahrRad!-Tag«. Der Brandplatz war rundum mit Info- und Aktionsständen sowie allerlei Nahrungsangeboten bestückt, auf der Freifläche fand sich ein Gewusel von Menschen mit und ohne Fahrrad - das Fortbewegungsmittel war am Sonntag zweifelsfrei der Star in der Innenstadt.

Bis 2035 will Gießen CO2-neutral werden, weshalb auch der Begleittitel der Aktion »Radeln für ein gutes Klima« heißt. Das jährliche »Stadtradeln« bedeutet für die Teilnehmer, drei Wochen lang möglichst oft das Auto stehen zu lassen und dafür das Fahrrad zu nehmen - und dies nebenbei auch zu dokumentieren. Unter den diesjährigen 614 Teilnehmern, die sich bis gestern angemeldet hatten, befinden sich auch sechs der 59 städtischen Parlamentarier.

Wie viele Kilometer bereits zusammen gekommen sind, kann rund um die Uhr online unter stadtradeln.de/giessen verfolgt werden. Am gestrigen Sonntagabend waren es bereits über 22 000 Kilometer. Ganze drei Tonnen CO2 konnten so vermieden werden.

Erstmals beteiligte sich in diesem Jahr auch der Landkreis. In Kooperation mit dem Schulamt wurde auch eine Reihe von Schulen mit der Aktion »Schule aufs Rad« eingebunden. Wohl deshalb war ein halbes Dutzend Bürgermeister der Kreisgemeinden gekommen und lauschte den Worten des hauptamtlichen Kreisbeigeordneten Christian Zuckermann.

Ihn sowie Gießens Verkehrsdezernent und Bürgermeister Alexander Wright hatte Moderator Behzad Borhani (alle Grüne) auf der Bühne, um sie zum Auftakt der Veranstaltung mit Fragen zu den kommunalen Vorhaben bezüglich besseren Radverkehrs zu löchern. Zuckermann wies darauf hin, dass 70 Prozent der Wege, die gemeinhin zurückgelegt würden, kürzer als zehn Kilometer seien. »Im Landkreis muss man da jedoch im Gegensatz zur Stadt im Zickzack durch die Walachei fahren.« Zeit spiele da eine gewisse Rolle.

Voller Stolz verwies er auf die erste außerörtliche Fahrradstraße im Landkreis. »Von Allendorf (Lumda) kann man jetzt super mit dem Rad nach Lollar fahren.« Die notwendige Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern laufe gut. »Wir wollen als Landkreis Impulse setzen«, sagte Zuckermann.

Wright verwies auf die neuen Fahrradstreifen am Berliner Platz und in der Liebigstraße. Großer Applaus brandete auf, als er eine Umwidmung des Brandplatzes als Vorhaben ansprach. »Mehr Treffpunkt, mehr Lebensqualität, ein Platz für Veranstaltungen«, so seine Ankündigung. Auf die Frage, ob der Druck von der Straße weiter vorhanden bleiben solle, kam ein eindeutiges »Ja« über seine Lippen.

Zu der Veranstaltung der Verkehrswende-Initiativen auf dem Anlagenring am Samstag sagte er: »Es ist nicht nur eine kleine Minderheit, die da schreit. Sondern ein großer Querschnitt der Gesellschaft, darunter viele Ältere.« Für seinen Sohn sei es ein völlig neues Erlebnis gewesen, nicht mehr auf dem Bürgersteig »herumgurken« zu müssen. Als wichtig erachteten beide Kommunalvertreter, miteinander im Gespräch zu bleiben.

Die Polizei codierte derweil Fahrräder, informierte über sichere Fahrradschlösser und demonstrierte für die Autofahrer den Sicherheitsabstand. An einem weiteren Stand konnte man sich über »neue alte« Räder informieren. Bei »Fairbike« werden in die Jahre gekommene Drahtesel zu individuellen »UpCycling«-Fahrrädern verbaut. Und wer sein verschmutztes Fahrrad kostenlos waschen lassen wollte, musste zwar an einer Bike-Waschanlage länger anstehen. Doch der Waschvorgang dauerte dann lediglich drei Minuten.

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Früh übt sich: Die Kleinsten messen sich beim Laufradrennen in der Marktlaubenstraße. © Schäfer

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