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Sterbetaler, Zollpfennig und Kreuzer

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Die Ausstellung ist für Besucher sehr informativ gestaltet. Foto: Jung © Jung

In akribischer Kleinarbeit hat Heimatverein-Vorsitzender Wolfgang Bellof eine neue Ausstellung zusammengestellt, um auch zu zeigen, mit welchem Geld in der Vergangenheit in Wieseck gezahlt wurde.

Gießen (kg). Eine Handvoll historischer Münzen zeigte Wolfgang Bellof, Vorsitzender des Heimatvereins Wieseck, seinen Gästen und gab damit einen Einblick in die Vielfalt des Zahlungsmittels. Einen Prager Groschen von 1310, einen Heller aus dem Jahr 1502, einen Handleinheller mit dem Handabdruck des Landesherren und weitere historische Geldstücke lagen in seiner Hand und jede Münze hatte ihre eigene Geschichte.

In akribischer Kleinarbeit hat Bellof eine neue Ausstellung zusammengestellt, um den Besuchern auch zu zeigen, mit welchem Geld in der Vergangenheit in Wieseck gezahlt wurde. Unterstützung erhielt er bei der Präsentation von Helmut Rühl, der leicht verständliche Schautafeln gebastelt hatte.

Stolz hielt der Vorsitzende den Sterbetaler des Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt aus dem Jahr 1661 in der Hand. In der Beschreibung der Münze, die in einem schmucken Kästchen aufbewahrt ist, wurde erläutert: »Am 11. Juni 1661, dem 57. Jahr des Lebens und dem 35. Jahr der Regierung gab er seinen edelmütigen Geist in die Hände des Schöpfers, wo dann der erblaßte Körper den 23. Juni in die Stadtkirche zur Ruhe gebracht wurde«.

Wolfgang Bellof eilte in sein Büro, um einen großen Wälzer zu holen, denn ein Besucher brachte eine Münze von 1774 mit und da wollte der Vorsitzende Näheres wissen. Besucher konnten sich durch einen Aushang über die Brakteaten, das sind die Münzen des Mittelalters, informieren. Die waren anders als die Denaren, die doppelseitig geprägt wurden, nur auf einer Seite geprägt und sehr dünn. Auch der »Licher Groschen« von Philipp Reinhard zu Solms (1593 bis 1635) hatte es Wolfgang Bellof angetan und er war stolz, den zeigen zu können. Auch ein Albus, ein Zwei-Kreuzer-Stück oder ein Zollpfennig finden sich im Heimatmuseum. Ein Reichstaler entsprach dem Wert von 360 Pfennig oder 384 Heller, eine komplizierte Angelegenheit war das Bezahlen im Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert.

Aus einer Tabelle war zu entnehmen, wie teuer das Leben in dem Dorf Wieseck war und wie viel Geld die Bewohner für Dinge des täglichen Lebens auf die Ladentheke legen mussten. Die Teuerungsrate ist kein Relikt der Gegenwart, wie das Beispiel für ein Pfund Butter zeigte. 1764 mussten die Käufer dafür sieben Albus hinlegen, 1846 kostete das Lebensmittel im Jahr 22 Kreuzer.

Wolfgang Bellof hat dazu die passende Erklärung: »Im 17. und 18. Jahrhundert zeigte sich eine starke Teuerung, die vom 30-jährigen Krieg, den nachfolgenden Kriegen und dem im absolutistischen Staat herrschenden Merkantilsystem ausgelöst war.« Und was verdiente ein Wiesecker Ackerknecht? Der Jahreslohn im Jahr 1860 sah wie folgt aus: 25 Reichstaler, zwei paar Schuhe, eine Steige Tuch, zwei Pfund Wolle und ein Thaler Mietgeld.

Unterzeichnetes Notgeld

1918 unterzeichnete der damalige Gießener Oberbürgermeister Keller Notgeld, das bis 1919 galt. »Dieser Schein wird von der Stadtkasse jederzeit entgegengenommen«, steht auf einem der gezeigten Scheine. Einen Versuch wäre es vielleicht wert, mal bei der Stadtkasse vorzusprechen und zu versuchen, einen Schein einzulösen. Unter den Exponaten fanden sich auch eine Münze mit Hakenkreuz, Geldstücke der alliierten Militärregierung, Sonderprägungen mit den Konterfeis diverser Bundeskanzler, Zwei-Euro-Stücke aus allen Mitgliedsländern der Europäischen Union. Wer sich genau in der Sammlung umschaut, weiß am Ende, welche Geldstücke die »Wissicher« beim Bezahlen der Waren zum Verkaufsabschluss in der Vergangenheit in ihren Lederbeuteln dabei haben mussten.

Im Heimatmuseum ist bis Ende November jeweils am dritten Sonntag eines Monats von 14 Uhr bis 17 Uhr nicht nur die interessante Ausstellung zu sehen. Auch andere historische Gegenstände und Wiesecker Geschichten laden zum informativen Besuch ein.

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