Stimmen der Zuhörer zu den Kandidaten

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GIESSEN - (ib). Unter den Zuhörern unserer Podiumsdiskussion hielt sich die Begeisterung für die Kandidaten in Grenzen, auch wenn ein Name in unserer - nicht repräsentativen - Umfrage häufiger lobend erwähnt wurde als andere.

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Gar nicht überzeugt war eine 52-jährige alleinerziehende Mutter von den fünf Herren auf dem Podium. Jeder von ihnen "drücke sich um klare Antworten auf die große Frage unserer Zeit und die Bedrohung der Zukunft unserer Kinder, den Klimawandel". Zumindest Marco Rasch (Die Partei) traue sich, den Finger in diese Wunde zu legen.

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Eine 48-jährige Lehrerin wunderte sich über die "riesengroße" Angst der Politiker vor einer autofreien Innenstadt. "In anderen Städten klappt das doch auch."

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"Dombrowski hat mich gar nicht überzeugt", meinte ein 68-jähriger emeritierter Hochschullehrer, "Er hat nichts Konkretes gesagt, sondern nur Allgemeinplätze von sich gegeben." Dagegen lobt er Frank-Tilo Becher. Der sei zupackend und konkret gewesen.

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Ähnlich sieht es ein Rentnerpaar. Becher habe klar argumentiert und sei immer beim Thema geblieben, während andere gerne abschweiften, sagte die 62-jährige Frau. Ihr sieben Jahre älterer Mann war von Frederik Bouffier enttäuscht. "Ich höre ihm zu, und am Ende weiß ich gar nicht, was er eigentlich gesagt hat."

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Ein 83 Jahre alter pensionierter Beamter konnte zwischen den Kontrahenten keine grundlegenden Unterschiede erkennen. Diese würden doch alle recht ähnliche Positionen vertreten. Persönlich überzeugt habe ihn indes Frank-Tilo Becher.

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Eine 33-jährige Universitätsmitarbeiterin beklagte, dass die Themen, die jungen Menschen unter den Nägeln brennen, von den Kandidaten zu wenig angesprochen worden seien, zum Beispiel die "immens hohen" Mieten in der Stadt, die immer mehr Studierende ins Umland zwingen würden.

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Eine Lanze für den CDU-Bewerber brach eine 55-jährige Akademikerin. Frederik Bouffier habe ehrlich und natürlich gewirkt. Seine Äußerungen seien noch nicht so parteipolitisch durchgestylt. "Einen wie ihn würde ich auch zu meinem Geburtstag einladen." Weniger überzeugen konnte sie dagegen Alexander Wright. Der wirke mit seinem blauen Anzug auf sie wie "ein Schnösel aus den Achtzigern". "Popper haben wir die damals genannt."

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Einem 32-jährigen Weinhändler gefiel Bouffier dagegen gar nicht, weil "der den Klimawandel nicht ernst nimmt". Am SPD-Bewerber kritisierte er, dass der viele Probleme nur auf eine Art lösen wolle. "Für jedes Problem hat Becher eine App, aber nicht jeder Bürger kann sich ein Smartphone leisten." Er selbst sei froh, dass Marco Rasch mit auf dem Podium saß, "sonst wären die Leute ja eingeschlafen".

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"Sprechen können sie alle gut", meinte ein 27-jähriger Student der Ernährungsökonomie, aber keiner habe den Mut, Autos komplett aus der Innenstadt zu verbannen. Sein zwei Jahre älterer Kommilitone weist darauf hin, dass die Hälfte der Einwohner Gießens Studenten seien. Deren Anliegen seien auf dem Podium kaum thematisiert worden.

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Ein 71-jähriger Rentner lobte den Auftritt von Marco Rasch. Der bemühe sich wenigstens, originelle Antworten zu geben, während die anderen nur das Übliche redeten.

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Für eine 36-jährige Sozialpädagogin und Mutter war Alexander Wright der Sieger des Tages, weil sie ihm am ehesten zutraut, die Probleme junger Familien, wie sichere Fußwege für Schüler, anzugehen. "Außerdem war er mir optisch der liebste auf dem Podium."

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