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Stolzes Alter nicht anzusehen

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Die drei Azubis hatten Spaß an den Arbeiten am alten Gefährt, Vorstand Dirk Oßwald durfte es starten. © Jung

Gießen. Wer künftig am Lenkrad des Kramer KB 12 sitzen wird, steht heute noch nicht fest. Der Traktor wurde gründlich restauriert und nun von Dirk Oswald, Vorstand der Lebenshilfe Gießen, zum ersten Mal nach den umfangreichen Reparaturarbeiten gestartet und ein paar Meter bewegt. Auf dem Gelände des Bauunternehmens Faber & Schnepp im Schiffenberger Weg übergab Geschäftsführer Stephan Faber für das Unternehmen den tollen Oldtimer an die Lebenshilfe als Spende.

Das alte Fahrzeug wird bei der kommenden Verlosung der Oldtimerschlepper, einer Aktion der Lebenshilfe, die in diesem Jahr ihr zehntes Bestehen begehen kann, als Einsatz zur Verfügung stehen. In der Werkstatt des Gießener Unternehmens wurde der Kramer, der 1953 vom Band lief, zunächst in seine Einzelteile zerlegt, um ihn auf Vordermann zu bringen.

Die Auszubildenden im Beruf Land- und Baumaschinenmechatroniker, Lucas Ulm, Justin Schauer und Bjarne Til Osthold nahmen sich den Ackerschlepper, der zwölf Pferdestärken unter seiner Haube hat, vor und werkelten an dem Gefährt, das gute Dienste in der Landwirtschaft der Vergangenheit leistete. Schirmherr und Auftraggeber des Projekts ist Geschäftsführer Stephan Faber, die Projektleitung hatte André Krieb, stellvertretender Leiter der Maschinentechnischen Abteilung. Ziel war es, einen Traktor vollständig auf Originalzustand zu restaurieren. »Durch diese Maßnahme lernen die Auszubildenden die alte Technik kennen, was eine Grundvoraussetzung in diesem Berufsfeld ist«, erläuterte Krieb die Hintergründe. Die Auszubildenden organisierten sich selbst, arbeiteten Arbeitsschritte aus, und besorgten Ersatzteile. Damit erlernten sie das selbständige Arbeiten und Organisieren. Teil ihres Auftrags war auch, das Einholen von Angeboten für Ersatzteile und Leistungen von Fremdfirmen und der Angebotsvergleich. Sechs bis neun Monate sollte das Projekt dauern, doch daraus wurden in der Werkstatt auf dem Bauhof in Gießen 15 Monate.

Jeweils mittwochs von 10 bis 13 Uhr verließen die Auszubildenden ihren normalen Arbeitsplatz, um sich dem beliebten Veteran zu widmen, wenn es die Zeit in der Werkstatt zuließ, kamen sie auch öfter zum Restaurieren. André Krieb gab Tipps und Anregungen und betreute verantwortlich das Projekt. Motorenwerkstatt, Schlosserei, Dreherei und Elektrowerkstatt von Faber & Schnepp leisteten Hilfestellung beim Arbeiten an dem alten Herrn, dem man jetzt das stolze Alter von 68 Jahren nicht mehr ansieht.

Durch die Unterstützung wurden die Betriebsteile nur minimal eingeschränkt. Die Werkzeuge, die zur Restauration notwendig waren, nahmen die Auszubildenden aus ihren Werkzeugkästen, Spezialwerkzeuge wie Sandstrahlgerät, Lackierkabine, Prüfstand für Einspritzdüse und Einspritzpumpe besorgten sie sich im Rahmen des Projektes anderweitig. Bei der kommenden Verlosung der Lebenshilfe im Rahmen der Schlepperspendenaktion wird sich dann entscheiden, wer künftig am Lenkrad des von Grund auf restaurierten Ackerschleppers sitzen wird, mit dem man aber auch nur spazieren fahren kann.

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