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Strengere Coronaregeln erwünscht

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Von: Alexander Geck

Marburg . Zwei Drittel der Studierenden wünschen sich strengere Coronaregeln und mehr Kontrollen. Das ist das überraschende Ergebnis der nicht repräsentativen Studie der Stadt Marburg über die Situation der Marburger Studierenden während der Pandemie.

Der Ausgangspunkt

Mit dem Lockdown 2020 verschwanden viele Hochschüler quasi über Nacht aus dem Stadtbild. Bevölkerten sie Marburg bis dahin im Rhythmus der Semester, fuhren viele Studierende nun zu ihren Eltern oder zu Freunden. »Aber die ausländischen Studierenden hatten diese Möglichkeit oft nicht. Sie blieben teilweise einsam in den Wohnheimen zurück«, erklärt Johannes Maaser, der Koordinator der Lenkungsgruppe Integration, Migration und Ausländerbehörde der Stadtverwaltung. Das war der Ausgangspunkt für die Online-Studie, die auf Anregung der Integrationsbeauftragten Xiaotian Tang entstand und die gemeinsam mit dem Ausländerbeirat und der Lenkungsgruppe entwickelt wurde.

Rund 100 Studierende beantworteten die 155 Fragen, darunter etwa ein Viertel internationale Hochschüler oder Studierende mit Migrationshintergrund. Befragt wurden sie während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 sowie im Mai und Juni 2021. Dabei zeigte sich, dass ihre persönlichen Kontakte zu Freunden während der Pandemie drastisch zurückgingen, bei den Studierenden mit Migrationsgeschichte sogar noch deutlich stärker als bei ihren deutschen Kommilitonen. Auch die Nachbarschaftskontakte brachen ein. Dagegen sahen die Studierenden ihre Familie etwas häufiger als vor der Krise.

Sie belegten auch deutlich weniger Uni-Veranstaltungen als noch 2019. Dies gilt vor allem für die internationalen Hochschüler. »Für die ausländischen Studierenden, die das Studium mit der Pandemie gestartet haben, scheint es besonders schwierig, ihr Leben und das Studium gut zu organisieren«, erklärt Marburgs Integrationsbeauftragte Xiaotian Tang.

Nebenjobs stark eingeschränkt

Einbrüche gab es auch bei den Nebenjobs der Studierenden. Mehr als 70 Prozent der Befragten arbeiteten weniger oder hatten den Job ganz verloren. Ersparnisse wurden in dieser Zeit wichtiger. »Die Ergebnisse bestätigen, dass es eine gute Entscheidung war, finanzielle Mittel aus »Marburg Miteinander«, dem Nothilfefonds für Studierende, zur Verfügung zu stellen«, so Oberbürgermeister Thomas Spies.

Ein weiteres wichtiges Thema war der Kontakt zu Behörden. Während des ersten Lockdowns war etwa die Ausländerbehörde Marburgs nur noch per Mail und telefonisch erreichbar. Seitdem ist ein Termin nötig. Wenig überraschend sank die Zufriedenheit mit der Erreichbarkeit und den Kommunikationswegen der Behörden. Kritik gab es auch an den Wartezeiten. Zugleich waren die Studierenden aber mit der Qualität der Bearbeitung und der Gesprächssituation unverändert »eher zufrieden«. »Dass sich die Sachbearbeiterinnen Mühe geben, wird wahrgenommen«, sagt Projektleiter Johannes Maaser. Mehrere Interviewte wünschten sich längere Öffnungszeiten und mehr Personal in der Ausländerbehörde. Dieses Thema soll im kommenden Jahr mit genaueren Stichproben vertieft werden - etwa die Frage, ob die Dokumente gut genug zu verstehen sind.

Diskriminierende Erfahrungen

Fast unverändert blieben die Diskriminierungserfahrungen, die etwa ein Viertel der Befragten insgesamt gemacht hatten. Allerdings berichteten mehr als die Hälfte der ausländischen Studierenden von solchen Erfahrungen. Asiatisch aussehende Menschen traf es 2020, nachdem das Coronavirus erstmals in China aufgetreten war, offenbar häufiger.

Die Zustimmung zu den Coronaregeln war sehr hoch: 96 Prozent der Studierenden hielten strenge Coronamaßnahmen für erforderlich, mehr als die Hälfte wünschte sich sogar noch strengere Regeln. Zwei Drittel wollten mehr Kontrollen. »Dass viele Studierende der Meinung waren, die geltenden Maßnahmen zur Corona-Pandemie gingen nicht weit genug, hat mich überrascht«, sagt Christiane Blöcher von der Arbeitseinheit Sozialpsychologie der Philipps-Universität, die die Online-Befragung umgesetzt hat.

Insgesamt waren zwei Drittel der befragten Studierenden mit ihrem Leben zufrieden, davon 20 Prozent voll und ganz zufrieden. Am meisten eingeschränkt fühlten sie sich in ihrer Freizeit - Reisen, Sport, Kino und Ausgehen fehlten ihnen sehr.

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