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Stroh im Tank, Komfort im Fahrraum

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Drei Ministrohballen sollen darstellen, dass der Kraftstoff auch für die sechs neuen Biomethan-Busse aus Stroh hergestellt wird. Jens Schmidt, Matthias Funk, Astrid Eibelshäuser und Mathias Carl (v.l.) freuen sich. © Schäfer

Die Stadtwerke Gießen, genauer gesagt ihre Tochtergesellschaft Mit.Bus bringt sechs neue, mit Biomethan betriebene Stadtbusse auf die Straße.

Gießen. Gestern wurden sechs 13 Jahre alte Solobusse der SWG-Tochtergesellschaft Mit.Bus GmbH ausgemustert und durch solche der neuesten Generation ersetzt. Ab heute werden die neuen Busse im Liniendienst auf Gießens Straßen unterwegs sein.

Viele neue Details und praktische Funktionen sollen für höchstmöglichen Komfort sorgen. Mit einer Trennscheibe fast über die gesamte Fahrerkabine wird der Busfahrer vor Aerosolen geschützt. Zudem hindert eine spezielle Entlüftung diese Aerosole an ihrer Verbreitung innerhalb des Busses. Generell spielt das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle. Ein Videosystem verschafft den Fahrern einen optimalen Überblick. Der Abbiegeassistent überwacht schlecht oder gar nicht einsehbare Bereiche per Kamera und schützt so Menschen, die zu Fuß oder per Rad unterwegs sind. Zudem bieten die neuen Fahrzeuge zwei Rollstuhl-Plätze - statt bisher nur einem -, bequeme Sitze und eine Klimatisierung. »Ein attraktiver ÖPNV ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Verkehrswende. Und genau dazu tragen die neuen Busse bei.« Ausrichten ließ dies Bürgermeister Alexander Wright, der bei der Präsentation verhindert war.

Insgesamt hat die Mit.Bus rund 2,2 Millionen Euro in ihre sechs neuen Busse investiert. Mit der permanenten Modernisierung der Flotte bekenne sich die Mit.Bus zu einem sicheren und umweltschonenden Nahverkehr. »Den Nahverkehr in Gießen nachhaltig weiterzuentwickeln und immer mehr Menschen eine echte Alternative zum Pkw zu bieten, ist zentraler Bestandteil unserer Strategie«, erklärte Jens Schmidt, Kaufmännischer Vorstand der SWG. Diese stehe im Einklang mit der kommunalen Vorgabe, Gießen bis 2035 klimaneutral zu machen. Für den ÖPNV könnten die SWG - wie für andere Bereiche auch - Vollzug melden. Obwohl bei der Produktion des Biomethans geringe Mengen CO2 frei würden. Denn diesen Rest kompensiere das Unternehmen über Zertifikate. »Wie die gesamte Flotte fahren auch die neuen »CITARO C2 S3 Gas Hybrid« mit Biomethan - also CO2-neutral und unabhängig von Rohölimporten.«

Darüber hinaus emittierten die Fahrzeuge noch einmal deutlich weniger Schadstoffe als ihre schon vergleichsweise sauberen Vorgänger. Möglich mache dies eine zeitgemäße Technik: verschlankte Motoren mit 7,7 Liter Hubraum und 302 PS statt Zwölf-Liter-Aggregate. Zudem verfügten die Fahrzeuge über ein sogenanntes Mild-Hybrid-System: Bei jedem Bremsvorgang entstehe Strom, der gespeichert und bei Bedarf abgerufen wird, etwa zum Anfahren. »Dank dieser Technik kommen die neuen Busse mit rund 15 Prozent weniger Treibstoff aus als die sechs ausgemusterten Modelle«, freute sich Mathias Carl, Geschäftsführer der Mit.Bus. Neben den SWG-Vorständen war auch die SWG-Aufsichtsratsvorsitzende Astrid Eibelshäuser zugegen. »Aus Klimasicht sind wir mit unserem ÖPNV hier in Gießen schon längst angekommen, wo andere Kommunen mit ihrem Nahverkehr in einigen Jahren sein möchten«, betonte die Stadträtin. Seit etwas mehr als drei Jahren betreibe die Mit.Bus ihre komplette Fahrzeugflotte ausschließlich mit Biomethan. Im März 2019 habe die SWG-Verkehrstochter die letzten Dieselbusse gegen solche mit Gasantrieb ausgetauscht.

Die Entwicklung in Richtung CO2-Neutralität des Gießener ÖPNV hätten die Verantwortlichen jedoch schon viel früher in Gang gesetzt: »Wir haben 2006 begonnen, die Flotte sukzessive von Diesel auf Erdgas umzustellen. Und seit 2017 nutzen wir klimaschonendes Biomethan«, führte SWG-Technik-Vorstand Matthias Funk aus. »Zu diesem Zeitpunkt waren 40 der damals 54 Busse mit entsprechenden Motoren ausgestattet. Oder anders ausgedrückt: 2017 gelang es der Mit.Bus aus dem Stand, ihre CO2-Emissionen um rund drei Viertel zu reduzieren.«

Neben dem Umweltaspekt spreche spätestens seit Beginn des Ukraine-Kriegs noch ein weiteres Argument für den alternativen Kraftstoff: Er entsteht in Deutschland. »Für die Herstellung unseres Biomethans verwenden wir ausschließlich landwirtschaftliche Reststoffe wie Stroh, die bisher ungenutzt bleiben«, erklärte Ulrike Kurze, Leiterin Marketing/PR bei der Verbio AG. Den regenerativen Treibstoff bezieht Mit.Bus aus den Verbio Bioraffinerien in Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Dort wird es in das deutsche Gasröhrensystem eingespeist.

Das ist ähnlich wie bei der Elektrizität, bei der regenerativ hergestellter Strom sich mit dem konventionellen mischt. »All das, was wir an Biomethan-Chargen einkaufen, sparen wir an russischem Erdgasverbrauch ein,« heißt es von den Stadtwerken.

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