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Stromfressern den Garaus machen

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Von: Rüdiger Schäfer

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Nach dem Strom-Spar-Check können Haushalte ihre Energiekosten teilweise drastisch senken. Foto: Schäfer © Schäfer

Der »Nordtalk« in Gießen beschäftigt sich mit dem Thema Energiekosten. Die Teilnehmer erhielten viele Tipps, wie man Strom sparen. Dazu kommt auch ein Spar-Checker in die eigenen vier Wände.

Gießen. Leere Supermarktregale beim Klopapier in der Pandemie. So wirklich war der Beweggrund dieses Runs nicht nachzuvollziehen. Nun werden in der derzeitigen Energiekrise bei den Baumärkten die Radiatoren und Heizlüfter knapp. Diese Käufe kann man aus Gründen der Angst, im Winter mangels Gas, Öl oder Fernwärme im Kalten zu frieren, auf der einen Seite nachvollziehen. Andererseits taucht die Frage auf, ob Wärme über die Steckdose eine gute Alternative ist. Dies und viele andere Fragen wurden beim Nordtalk im vollbesetzten Saal des Nordstadtzentrums thematisiert. Nordstadtmanager Lutz Perkitny moderierte.

Eine Mieterin der Wohnbau beklagte, dass sie seit der Gebäudesanierung ihr Bad mit Strom heizen müsse. Im Februar 2021 seien in allen Bädern Stromheizungen eingebaut worden. Stromspar-Checker Dirk Vollers, der seit 2008 für die Wetzlarer Caritas tätig ist und bereits zwei Jahre lang den Energiesparcheck auch in der Nordstadt durchführt, gefiel dies nicht: »Mit Strom zu heizen ist die teuerste Erwärmungsmöglichkeit, dreimal so teuer im Vergleich zu Heizkörpern.« Auch für den Kauf von Heizlüftern und Radiatoren zeigte er deshalb wenig Verständnis.

Keine Heizlüfter und Radiatoren

Ulli Boos, Unternehmenssprecher der Stadtwerke (SWG) beschwor die Gefahr herauf, dass durch Überlastung des Stromnetzes durch Heizungslüfter und Radiatoren zusätzlich zu den üblichen Haushaltsgeräten die Sicherung für eine ganze Straße oder gar im Trafohäuschen für einen Wohnbezirk herausfliegen und es zu einem Blackout kommen könne. Gas sei in jedem Fall günstiger als Strom, waren sich die beiden Experten einig. Vollers fand »beachtlich, was die SWG durch Kraft-Wärme-Kopplung und CO2-Einsparung geschaffen hat.« Lob von ihm erhielten sie auch für ihr Fernwärmenetz. Der Erdgasanteil ist laut Boos mit 70 Prozent immer noch sehr hoch. Allerdings stünden die SWG im Vergleich zu anderen Fernwärmeproduzenten gut da.

Vollers zeigte sodann auf, wo sich die wirklichen Stromfresser im Haushalt befinden und welche Elektrogeräte beim Stromverbrauch so gut wie nicht zu beachten seien. Dabei legte er einen Strompreis von 35 Cent je Kilowattstunde (Ct/kWh) zugrunde, und seine Berechnungen fußten auf dem jeweiligen Jahresverbrauch. Ein Heißwasserboiler, der auf Abruf sofort heißes Wasser liefere, bezeichnete er als »Katastrophe für Leistungsbezieher.« Der würde »ständig aufheizen, abkühlen, wieder aufheizen«, ohne dass Heißwasser entnommen werde. Der Energieverbrauch summiere sich so auf 128 Euro. Mit Gas zu kochen sei wesentlich kostengünstiger als mit strombetriebenem Herd. Am ungünstigsten seien hier die mit alten Gussplatten. Bei einem Ceranfeld spare man 15 Prozent Energie, mit einem Induktionsherd 25.

Bei einer Tiefkühltruhe könne man bei neu eingelegten Lebensmitteln den Schockfrostschalter betätigen. Wenn das orange Licht dieses Schalters jedoch das ganze Jahr über leuchte, würde dies 280 Euro jährlich an Stromkosten bedeuten. Ein Kühlschrank mit dem Energielabel 3A käme bei 130 kWh auf 42 Euro. Bei Wasch- und Geschirrspülmaschinen würden eigenartigerweise die Kurzprogramme mehr Strom fressen als längere Laufzeiten. Bei einem Warmwasseranschluss für diese Geräte sinke der Stromverbrauch enorm. Ein älterer Wäschetrockner (4,5kWh) verursache bei fünfmal wöchentlicher Benutzung 410 Euro an Kosten, ein neuer (1,5 kWh) 136 Euro.

LED-Fernseher statt Plasmagerät

Ein LED-Fernseher verbrauche durchschnittlich 0,05 kWh. Bei täglich zwölf Stunden Betriebszeit läge die Stromrechnung bei 77 Euro. Acht Jahre alte Plasma-TV-Geräte, die über Schlitze hinter dem Bildschirm Wärme nach oben abgeben, kämen mit einem Verbrauch von 0,35 kWh auf »immense« 537 Euro. Ein im Schnitt sechs Stunden am Tage betriebener Laptop (30 kWh) verursache 23 Euro an Stromkosten, ein Router der mit 6 kWh durchgehend am Netz sei, nur 18 Euro.

Alle Bezieher von HartzIV, auch Aufstocker, Grundsicherung, Sozialhilfe, Wohngeld, Kinderzuschlag, niedriger Rente und Einkommen unterhalb der Pfändungsfreigrenze, die derzeit 1340 Euro beträgt, können sich für einen kostenlosen Beratungs-Check anmelden. Energieeinsparen ohne Komfortverzicht ist das Credo.

Dabei kommt Vollers in die Wohnung und überprüft alles, was Strom frisst. Wert wird auf persönliche Beratung und Vertraulichkeit gelegt. Gratis werden einige Energie- und Wassersparartikel ausgehändigt und Tipps zum richtigen Heizen und Lüften gegeben. Für alte Kühl-/Gefriergeräte, in der Regel mehr als zehn Jahre alt, gibt es für den Austausch einen 100-Euro-Zuschuss. Einige Tage nach der Beratung erhält der Haushalt eine Tabelle, in der alle Elektrogeräte mit Verbrauch aufgelistet sind.

Näheres unter www.stromspar-check.de und www.steckys-spartipps.de.

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