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»SWG haben Schlüsselrolle«

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Auch die Treas spielen zukünftig eine zentrale Rolle für die Stadtwerke. Archivfoto: Scholz © Stephan Scholz

Die Stadtwerke Gießen stellen ihre Klimastrategie vor. Wie die Stadt wollen auch die SWG 2035 klimaneutral sein.

Gießen. Analysen, Diskussionen, Verkehrsversuch: Richtig greifbar ist bislang nur, dass die Stadt bis 2035 klimaneutral sein muss. Aber wie? Bürgermeister Alexander Wright von den Grünen schreibt den Stadtwerken eine Schlüsselrolle zu. »Die SWG unterstützen die Stadt Gießen beim Erreichen der Klimaneutralität im Jahr 2035. Wir arbeiten eng zusammen, und auch die Stadtwerke sind bis 2035 klimaneutral«, sagt Vorstand Jens Schmidt. Mit seinem Kollegen Matthias Funk informierte er am Mittwochabend in einer digitalen Veranstaltung der Stadt über die Strategie der Stadtwerke »SWG für Gießen 2035 klimaneutral«.

Ausgangspunkt der Überlegungen Funks war der Endenergieverbrauch in der Stadt im Jahr 2020. Davon entfielen 30 Prozent auf den Verkehr, 18 Prozent auf den Bereich Strom und 52 Prozent auf die Wärme, erläuterte der technische Vorstand.

Busse schon jetzt klimaneutral

»Im Bereich Verkehr verbrauchen wir mit der Mit.Bus bereits jetzt weniger als ein Prozent der Endenergie und transportieren jährlich etwa zwölf Millionen Fahrgäste«, berichtete Funk. Dank gasbetriebener Busse sei man schon klimaneutral. »Aber wir werden uns Antriebstechnologien der Zukunft genau ansehen«, nannte der Vorstand eine Perspektiven für den Verkehr. In wenigen Fällen werde das Unternehmen auch künftig fossile Brennstoffe einsetzen, um einsatzbereit zu sein.

»Ohne Wärmewende wird es keine Energiewende geben«, stieg der technische Vorstand ins nächste Thema ein. Er verwies unter anderem auf die klimaneutrale Fernwärmeversorgung. Große Bedeutung hätten auch zukünftig Energieeffizienz und die Diversifizierung von Brennstoffen, die das Unternehmen perspektivisch weiterentwickeln wolle. Besondere Aufmerksamkeit widmete der technische Vorstand im Zusammenhang mit Photovoltaik-Angeboten den Netzen, die die Basis der Energiewende würden. »Wir müssen sie so anpassen, dass aus Kunden auch Erzeuger werden«, erläuterte Funk.

»Die SWG können jedem Kunden ein klimaneutrales Angebot machen. Da viele aber zu billigen Anbietern wechseln, brauchen wir auch wettbewerbsfähige Lösungen«, ergänzte Schmidt. Den aktuellen Preisanstieg brachte der kaufmännische Vorstand mit dem Großhandel in Verbindung. »Wir leiden alle unter den hohen Energiepreisen, die auf uns zukommen«, fasste Schmidt zusammen. Er sah allerdings auch eine Chance auf Veränderung darin, wenn billiges Gas aus Russland nicht mehr zur Verfügung stünde.

»Wenn wir uns vornehmen, langfristig oder auch kurzfristig von Mineralöl, Erdgas, Braunkohle, Steinkohle unabhängig zu werden, dann ist das eine Herkulesaufgabe. Das geht nur über Effizienz und Energiesparen, denn den Anteil erneuerbarer Energien auf 80 oder 90 Prozent zu steigern, wird schon eine große Herausforderung«, meinte Schmidt.

Die Frage danach, wofür der Endkunde eigentlich bislang die Energie verbrauche, sei bislang vernachlässigt worden. Zu über 50 Prozent sei das die Wärme.

Gas zu 55 Prozent aus Russland

»Genau deswegen haben sich die SWG in der Vergangenheit mehr darauf kapriziert, sich beim Thema Wärme zu engagieren. Das ist das, was unsere Kunden bewegt«, so der kaufmännische Vorstand. Stichwort Erdgas: Es komme zu 55 Prozent aus Russland. »Das Land hat alle Lieferverpflichtungen eingehalten. Alles, was langfristig bestellt wurde, ist auch immer geliefert worden. Was Russland im Gegensatz zur Vergangenheit nicht getan hat, ist die Aufstockung der vereinbarten Festmengen«, berichtete der Vorstand zur Entwicklung seit 2021. Im Ergebnis habe das dazu geführt, dass sich der Speicherstand der Gasspeicher, der sich immer periodisch aufbaut,immer weiter nach unten bewegt hat, bis er jetzt auf einem historischen Tiefstand sei. »Das hat Auswirkungen auf die Preise und eine Erhöhung, wie wir sie nie zuvor erlebt haben«, erklärte Schmidt. Seit Oktober sei der Gaspreis senkrecht nach oben geschossen. Der Strompreis sei nachgefolgt. Wie viele andere in Deutschland suchten auch die Stadtwerke Gießen nach Alternativen.

Die SWG-Preise für Fernwärme steigen um über 40 Prozent. »Der Grund sind zum großen Teil die explodierenden Gaspreise«, erklärt Matthias Acker, stellvertretender Unternehmenssprecher der Stadtwerke. Das Unternehmen nehme regulär am 1. April und am 1. Oktober die Preisanpassungen vor. »Mal erhöhen sich die Preise, mal senken sie sich«, erläutert Ackermann.

Stephan Scholz

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