1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Sylter Glück

Erstellt: Aktualisiert:

Gießen. Eine Leseshow mit Musik im Musikzentrum Mittelhessen: Zwei Autorinnen stellten ihr Buch »Sommerträume auf Sylt« vor. Die Gießenerin Stephanie Jana und die aus dem Rheinland stammende Ursula Kollritsch kamen, sahen und setzten sich in einer heimeligen, originell gestalteten Syltkulisse in einen echten Strandkorb. Zur ihrer fröhlichen Lesung gab’s Musik von der Band Porcelain und Solistin Aayana Batô.

Es wurde ein heiterer Abend.

Jana und Kollritsch, die Autorinnen der erfolgreichen »Sommerträume«-Reihe, sind eng befreundet. Als freiberufliche Lektorinnen und Texterinnen kooperieren sie seit Jahren im beruflichen Alltag. Als sie das liebevoll gestaltete Strand-Bühnenbild betreten, empfängt sie warmer Applaus im ausverkauften Saal: ihre Bücher sind beliebt, der aktuelle Band liegt in der fünften Auflage vor. »Es ist eine ganz besondere Veranstaltung,« sagt Veranstalterin Sabine Glinke, »die uns aus der Routine heraushilft«. Die Show sei vor zwei Jahren für das vorige Buch der beiden geplant gewesen und damals ausgefallen.

»Wir sind einfach richtig glücklich, dass wir Freude haben und verbreiten dürfen,« sagt Jana in ihrer kleinen Einleitung. Man solle nicht vergessen, glücklich zu sein. An dieser Stelle folgt das erste musikalische Intermezzo (Leas »Wunderkerzenmenschen«) vom Trio Porcelain. Hörenswerte Soloauftritte kommen auch von Sängerin Aayana Batô. Der Clou: Zu hören sind Titel einer Playlist der Romanfiguren, die natürlich auch den Autorinnen gefällt. So werden die Leseabschnitte aufs Lockerste unterbrochen.

25 Jahre davor

Um was geht es im Buch? In einer Sommernacht auf Sylt schworen sich Lucy, Mado, Sonja und Rieke als Jugendliche, sich stets bei der Erfüllung ihrer Träume zu helfen. 25 Jahre später sind die vier Hamburgerinnen immer noch beste Freundinnen. Nur ihre Wünsche haben sich verändert. Cafébesitzerin Lucy träumt vom Heiraten, Anwältin Mado von einer heißen Liebesnacht. Sonja, Mutter dreier Kinder, sehnt sich nach Zeit für sich selbst, und Weltenbummlerin Rieke möchte endlich irgendwo ankommen. Also beschließen die vier, erneut nach Sylt zu fahren und dort ihren Träumen auf die Sprünge zu helfen.

In der Lesung werden alle Figuren vorgestellt. Es geht ums Glück und jede der Freundinnen schreibt wie vor 25 Jahren ihren geheimsten Wunsch auf einen Zettel, der nach einem Gespräch darüber verbrannt wird. So zeichnet sich das inhaltliche Profil der Reihe ab, es handelt sich um eine Art Jugendliteratur, die ins Erwachsenenleben der Figuren weiterwächst. Denn auf Sylt sind alle Träume schwer romantisch (den Einen finden) oder Wunschdenken (zu sich selbst finden) und Erlösung (aus ungerechter ehelicher Arbeitsteilung). Alles sehr zeitgemäß.

Jana und Kollritsch haben eine flotte Schreibe, nahe am Umgangsdeutsch, mit viel innerem Monolog. Und ihre fiktiven Freundinnen schmieden auch schon mal gemeinsam Pläne, wie man einen attraktiven Typen zum Date mit einer Freundin überreden könnte. Emanzipation haben sich die Autorinnen dabei allerdings nicht auf die Fahnen geschrieben, sieht man von ein bisschen Männerkritik mal ab. Ihr Lesevortrag ist ziemlich unprofessionell, dafür gut gelaunt, so lachen die beiden schon mal über ihre eigenen Pointen; der Saal lacht mit. Das Duo versprüht einfach eine so gute Laune, dass alles andere zweitrangig wird. Fast. Das Publikum geht komplett mit, die Band unterstützt die Stimmung, und am Büchertisch gehen auch noch ein paar Exemplare weg: Alles gut, sagt man heute.

Auch interessant