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Täglich Tausende neue Proben

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Ganze 2000 medizinische Parameter können in den Laborstraßen ermittelt werden. © Bioscientia Labor Mittelhessen

Bei der Bioscientia MVZ Labor Mittelhessen GmbH in Gießen haben die Mitarbeiter neben PCR-Tests auf Corona noch viele andere Aufgaben zu erfüllen, so auch für unzählige Arztpraxen.

Gießen . Als im Januar die täglich verkündete Zahl der bundesweiten Corona-Neuinfektionen erstmals die 100 000 überstieg, war Dr. Tunay Aslan sofort klar: »Die nächsten Wochen werden noch schwerer«, wie er im Gespräch mit dem Anzeiger rückblickend erzählt. Inzwischen sind es mehr als 200 000, was bei der Auswertung von PCR-Tests auch für die Beschäftigen der Bioscientia MVZ Labor Mittelhessen GmbH, deren Geschäftsführer Aslan ist, eine weitere Steigerung der ohnehin schon enormen Arbeitsbelastung bedeutet. Im Neubau in der Rudolf-Diesel-Straße 4 laufen die Analysegeräte auf Hochtouren, während schon die nächsten per Wattestäbchen eingereichten und säuberlich verpackten Abstriche für die Testung aufbereitet werden. Täglich kommen durchschnittlich 3000 bis 4500 neue hinzu, die ebenfalls nach 24 Stunden, in komplizierteren Fällen auch mal erst nach bis 48 Stunden, ausgewertet sind. Kein Wunder, dass der Geschäftsführer von »Vollauslastung« spricht.

Getestete oft ungeduldig

Wie ungeduldig die Resultate oftmals erwartet werden, zeigen die häufigen Nachfragen von Getesteten bei der eigens eingerichteten »Corona-Ergebnisauskunft«. Nicht selten würden Leute auch die Hotline »anrufen und fragen, wo das Ergebnis bleibt«, weiß Sabine Gross, Leiterin der Abteilung Außendienst, Vertrieb und Marketing, zu berichten. Das Ganze hat mittlerweile derartige Ausmaße erreicht, dass aus Zeit- und Personalgründen auf die Bestimmung der jeweiligen Coronavirus-Variante verzichtet wird. Wobei das »vom Medizinischen her zurzeit nur in Ausnahmefällen interessant ist, da Omikron dominiert«, erklärt Aslan, der selbst Facharzt für Labormedizin ist. Beide bitten all jene, die einen PCR-Test anfordern, um Geduld: »Wir schaffen große Mengen, es kann aber auch mal etwas länger dauern.«

Reichten vor der Vierten Welle noch drei bis vier Mitarbeiter aus, um die eingegangenen Proben zu analysieren, sind in diesem Bereich inzwischen rund 20 tätig. Die Abstriche für die PCR-Tests »kommen meist aus Gießen und dem Umkreis, teils aber auch aus ganz Hessen, nördlich bis aus Kassel«, erzählt Gross.

Der Nachweis von SARS-CoV-2 ist jedoch nur ein Teil des Aufgabenspektrums an diesem Standort von Bioscientia, dem größten in Hessen. Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Ingelheim am Rhein hat und bundesweit tätig ist, beschäftigt in Gießen etwa 200 Mitarbeiter. Bis zur Fertigstellung des schmucken Neubaus im vergangenen Jahr waren diese noch getrennt im Ursulum und in Dillenburg untergebracht. Doch größere Räumlichkeiten wie auch weitere Gerätschaften, etwa für mehrere Laborstraßen nebeneinander in der großen Halle, wurden dringend gebraucht. Werden doch allein an diesem Standort abseits von Corona und Covid pro Tag auch circa 50 000 andere Laboranalysen durchgeführt.

Die täglich etwa 7000 vor allem von niedergelassenen Ärzten zur Diagnose anderer Krankheiten eingereichten Proben »können auf 2000 Parameter untersucht werden«, wie zum Beispiel auf Blut- und Leberwerte oder im Rahmen einer speziellen Gerinnungsdiagnostik, erläutert Aslan. Und Gross macht sogleich deutlich: »Diese anderen Bereiche können wir nicht runterfahren.« Schließlich sei man »der Wegweiser für die ärztlichen Kollegen«, wenn es darum geht, mithilfe der Laborwerte die jeweils passende Therapie zu den verschiedensten Erkrankungen zu finden.

»Sehr aufwendiges Verfahren«

Wer glaubt, die Nasen- und Rachenabstriche von Corona-Verdachtsfällen würden einfach mal so in die PCR-Apparate gelegt und dass dann alles quasi wie von Zauberhand läuft, irrt gewaltig. Ganz im Gegenteil sei das »ein sehr aufwendiges Verfahren«, betont Sabine Gross, selbst ausgebildete Medizinisch-Technische Assistentin (MTA). Jede einzelne angelieferte Probe wird zunächst datenmäßig erfasst. Dem folgt in einer Sicherheitswerkbank die Aufreinigung: Hierbei werde das Wattestäbchen mit einer Pufferlösung behandelt, um etwaige Erreger zu inaktivieren und alles zu entfernen, was die Polymerase-Kettenreaktion (deutsche Übersetzung für die Abkürzung PCR, Anm. d. Red.) stören könnte, erklärt Tunay Aslan. Bei der eigentlichen PCR-Testung, die »sehr empfindlich« und daher »der Gold-Standard« sei, wird dann in einem mehrere Stunden dauernden Verfahren im Analysegerät die Erbinformation des Virus ausgelesen und nach bestimmten genetischen Sequenzen gesucht. »Wir untersuchen in den Testreihen mindestens drei Gene«, ergänzt der Labormediziner. Deshalb können selbst geringste Virusmengen nachgewiesen werden. Und das auch bei Lolli-Tests von Kindern, die ebenfalls zur PCR-Auswertung geeignet sind. Obwohl nicht jede der Tausenden Proben und Abstriche die gleiche Qualität habe, wie Sabine Gross zu bedenken gibt, seien aufgrund der Empfindlichkeit des Verfahrens »in 99 Prozent aller Fälle« keine Nachuntersuchungen mehr erforderlich, sagt Tunay Aslan.

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In der PCR-Abteilung kümmert sich eine Mitarbeiterin um die eingegangenen Proben. © Bioscientia Labor Mittelhessen

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