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Tausende Teilnehmer erwartet

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Am 19. Februar demonstrieren in Gießen Gegner der Corona-Maßnahmen. Am selben Tag ruft der DGB zur Kundgebung auf.

Gießen (olz). Bislang haben sich Aktionen von Gegnern der Corona-Maßnahmen in der Stadt in einem zahlenmäßig überschaubaren Rahmen bewegt. Das könnte sich am 19. Februar ändern. Denn der Veranstalter der Demonstration »Gemeinsam stark für unsere Kinder« rechnet mit rund 2000 Teilnehmern. Am selben Tag ruft der DGB zum Gedenken an die Opfer von Hanau auf. Am 19. Februar 2020 tötete dort ein rassistischer Attentäter neun Menschen.

Die Demonstrationen laufen nicht zeitgleich. Magistratssprecherin Claudia Boje berichtet, dass Stadt und Veranstalter sich verständigt hätten, dass »Gemeinsam für unsere Kinder« zuerst stattfindet. Der DGB, der 800 Teilnehmer erwartet, demonstriert danach.

»Dass ausgerechnet die, deren Agitieren und Handeln seit nunmehr zwei Jahren eine fortgesetzte Kindeswohlgefährdung darstellt, sich anmaßen, die berufenen Vertreter von Kinderrechten zu sein, ist eine geradezu abenteuerliche Unverfrorenheit«, sagt Gerhard Merz, Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes in Gießen. Es seien die Querdenker und ihre Mitläufer, die aus einer Mischung aus Ignoranz, Halsstarrigkeit, pseudowissenschaftlicher Verbohrtheit, rechtsextremistischer Ideologie und Verschwörungstheorien heraus mit dafür gesorgt hätten, dass die Bundesrepublik nach wie vor in einem Zustand verharrt, in dem Kindern ein unbeschwertes Leben unmöglich sei.

»Wir hatten zuletzt immer wieder Erkenntnisse, dass sich dort Personen aus dem rechten Spektrum und Reichsbürger drunter mischen. Aber es ist auch so, dass viel bürgerliches Klientel unterwegs ist«, ordnet Polizeisprecher Jörg Reinemer das Teilnehmerfeld bei Aktionen von Gegnern der Corona-Maßnahmen ein.

»Wäre die Impfquote bei 90 und mehr Prozent und nicht bei 76 wie derzeit, müssten Kinder sich nicht nach wie vor mit Masken im Unterricht und einem rigiden Testregime in der Schule abfinden. Sie müssten nicht auf Klassenfahrten, Schulfeiern, Theateraufführungen, Konzerte und vieles andere mehr verzichten. Sie könnten sich in ihrer Freizeit ohne Einschränkungen mit Freunden treffe, Sport treiben und tanzen gehen, in Vereinen und Jugendgruppen aktiv sein, kurz: all das tun, was kindliches und jugendliches Leben ausmacht«, so der ehemalige Landtagsabgeordnete der SPD. Dass all das nicht der Fall sei, führt der Vorsitzende des Kinderschutzbundes »auch auf das Agieren einer Minderheit zurück, die die gesamte Gesellschaft zur Geisel ihrer Obsessionen oder, schlimmer: ihres politischen Kalküls gemacht hat. Kinder leiden unter dem Druck der Situation, vor allem die, die sowieso schon auf der benachteiligten Seite der Gesellschaft stehen, nicht über genug Platz in den Wohnungen verfügen und oft keinerlei Rückzugs- oder Schutzräume mehr haben. Sie leiden auch unter den spalterischen Diskussionen, die durch diese Minderheiten auch in die Familien und Schulklassen hineingetragen werden und schon bei den Kleinsten die Atmosphäre vergiftet«, kritisiert Merz das Motto der Demo.

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