1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Teurer und später fertig

Erstellt:

Von: Volker Böhm

giloka_2409_Gefahrenabwe_4c
Beeindruckend groß mit 23 000 Quadratmetern, aber auch immer teurer: Die Gesamtkosten für das gemeinsame Gefahrenabwehrzentrum von Stadt und Landkreis werden jetzt auf exakt 37 911 649 Euro geschätzt - ein Plus von rund 18 Prozent. Foto: Schäfer © Schäfer

Die Gesamtkosten für das Gefahrenabwehrzentrum von Stadt und Landkreis Gießen werden inzwischen auf knapp 38 Millionen Euro geschätzt. Das sind die Gründe.

Gießen. Höhere Materialkosten, Fachkräftemangel, Ausschreibungen ohne Bewerber, Firmen, die die Aufträge wieder aufgeben - nur vier der Probleme, die dazu führen, dass das gemeinsame Gefahrenabwehrzentrum von Stadt und Landkreis Gießen teurer wird. Die Gesamtkosten des Baus am Stolzenmorgen im Gebiet »Am alten Flughafen« werden jetzt auf knapp 38 Millionen Euro geschätzt. Das ist eine Steigerung um fünf Millionen Euro oder rund 18 Prozent. Die Übergabe klappt zudem nicht zum November dieses Jahres, sondern erst im April oder Mai 2023. Details erläuterten nun Sebastian Bravetti vom Hochbauamt der Gießener Stadtverwaltung und Tim Bauerfeind von »Tru Architekten« aus Berlin im Haupt- und Finanzausschuss des Kreistages.

Auch der Beschluss des Gießener Stadtparlaments, die Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen, hat Auswirkungen auf das Projekt und die Kosten gehabt. Die Leistung der Fotovoltaikanlage wurde von 30 auf 134 Kilowattpeak gesteigert. Zusätzlich wurden zehn Parkplätze ausgewählt, die mit Ladestationen versehen werden. Für Elektrofahrräder gibt es Ladeboxen.

In seiner Präsentation verwies Bravetti auf Probleme wie knappes und teures Baumaterial sowie ausbleibende und überteuerte Angebote bei Ausschreibungen. So habe man bei der Druckluftanlage erst beim vierten Mal ein Angebot erhalten. Beim Bau gebe es weniger Gewerke als bei einer Schule, dafür aber sehr spezielle wie die Schlauchpflege oder die Stiefelwäsche. All dies erfordere ein hohes Maß an Koordination und Kommunikation, betonte Bravetti.

Sechs Gewerke noch ausschreiben

Nachdem die Fassadenarbeiten fast vollständig erledigt sind, laufen parallel die Entwässerungs- und Malerarbeiten. Ausgeschrieben werden müssen noch Tischlerarbeiten, Metallbau- und Schlosserarbeiten im Übungsturm, die Baureinigung, die Zutritts- und Schließanlage, die Gebäudeausstattung sowie die Ausstattung mit Technik und Werkzeugen.

Der Begriff »Gesamtkosten« ist übrigens relativ zu verstehen: In der Präsentation zur Ausschusssitzung heißt es, dass die Kosten für die Ampelsteuerung, den Glasfaseranschluss und den Umzug nicht enthalten sind.

Architekt Tim Bauerfeind zollte den Kommunalpolitikern aus Stadt und Kreis Respekt, dass sie das gemeinsame Projekt auf den Weg gebracht haben. Er sprach von einem »sehr komplexen Bauvorhaben« und ging ebenfalls auf die Gründe für Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen ein. »Wir sind heilfroh, wenn wir den Bau fertig bekommen«, meinte Bauerfeind.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Harald Scherer, wollte wissen, mit welchen Kosten die Bauherren insgesamt rechnen müssten. Der Architekt lieferte dazu keine klare Antwort. Er erklärte lediglich, dass der Terminplan »nicht mit heißer Nadel gestrickt« worden sei. Der zweigeschossige Bau mit baumbewachsenem Vorplatz soll die städtische Berufsfeuerwehr sowie die Gefahrenabwehr mit Zentraler Leitstelle und das Feuerwehrtechnische Zentrum des Landkreises beherbergen. Die Ausbildung aller Feuerwehren im Landkreis wird im Gefahrenabwehrzentrum zentralisiert.

Foyer als Schnittstelle

Vom Haupteingang führt der Weg in ein Foyer, das als Schnittstelle zwischen den untergebrachten Abteilungen fungiert. Neben Büros und Schulungsräumen beherbergt das Bauwerk auch Ruhe- und Aufenthaltsräume für die Feuerwehr. Die Fahrzeughallen und Werkstätten sind in zwei Gebäudeflügeln untergebracht, die einen gemeinsamen Werkstatthof umschließen. Die Übungsbereiche befinden sich im nördlichen Bereich des Grundstücks. Das Zentrum enthält auch eine Atemschutzübungsanlage.

Ausgangspunkt für die Entscheidung zum Neubau war der schlechte Zustand des Standortes der Berufsfeuerwehr in der Steinstraße. Das Land hatte Zuschüsse für eine Sanierung abgelehnt.

Das Gefahrenabwehrzentrum ist ein Mammutprojekt. 2014 fiel der Grundsatzbeschluss, 2016 fand der Architektenwettbewerb statt, 2018 wurde die Baugenehmigung erteilt. Sichtbarer Startschuss für das Projekt im ehemaligen US-Depot war im September 2018: Zunächst wurden alte Gebäude abgerissen. Im August 2019 fand der symbolische Spatenstich statt. 2020 war der Rohbau fertig. Im April 2023 soll der Bau übergeben werden. Bis jetzt sind 44 Ausschreibungen veröffentlicht worden, das sind rund 95 Prozent aller Bau- und Ingenieurleistungen, die für das Projekt erforderlich sind .Die Stadt trägt 54 Prozent der Kosten, der Landkreis 46 Prozent. 2014 war von einer Summe von 22 Millionen Euro ausgegangen worden. (vb)

Auch interessant