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THM pocht auf Präsenz im Sommer

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Im Amt bestätigt wurde sie rein digital, die Glückwünsche für THM-Vizepräsidentin Katja Specht überbrachte Hochschulpräsident Matthias Willems im Anschluss aber persönlich. © THM

Deutliches Ergebnis beim digitalen Urnengang: Vizepräsidentin Katja Specht im Amt bestätigt

Gießen . Nach fast zwei Jahren Pandemie ist die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) augenscheinlich routiniert, was das Abhalten von Online-Veranstaltungen angeht. Die Wahl der Vizepräsidentin für Studium und Lehre am gestrigen Mittwoch jedenfalls fand gänzlich virtuell statt - und lief nicht nur mit Blick auf das Ergebnis reibungslos ab. Nach etwas über 100 Minuten war klar: Prof. Katja Specht bleibt drei weitere Jahre im Amt. 27 Mitglieder des erweiterten Senats stimmten für die amtierende Vizepräsidentin, lediglich drei gegen sie. Drei weitere Mitglieder nahmen nicht an der Videokonferenz - und damit auch an der Wahl - teil. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Für die Konferenz, die öffentlich im Internet verfolgt werden konnte, hatten die Senatsmitglieder einzeln in ihren Büros Platz genommen. THM-Präsident Matthias Willems kündigte nach der Wahl an, »gleich mal zum Gratulieren rüberkommen« zu wollen. Mit Specht hat Willems für weitere drei Jahre seine Wunschkandidatin an der Seite, die er für eine erneute Wahl vorgeschlagen hatte.

»Glücksfall« für die Hochschule

Als er 2016 seine erste Amtszeit antrat, habe er sich ein Team für das Präsidium suchen müssen. Die heutige Vizepräsidentin habe er bis dahin nur einmal getroffen - sie sei ihm von einem Kollegen vorgeschlagen worden, erinnerte sich Willems. Das sei nicht nur »ein Glücksfall« für die gesamte Hochschule, sondern auch für ihn als Präsidenten gewesen. »Wir können alle froh sein, sie als Vizepräsidentin zu haben.« Spechts neue Amtszeit beginnt am 1. April und endet am 31. März 2025.

Die Vizepräsidentin selbst jedoch musste erst einmal überlegen, ob sie sich tatsächlich ein drittes Mal zur Wahl stellen soll. Denn: »Die vergangenen zwei Jahre waren sehr kräftezehrend.« Die Begeisterung für die Inhalte und für die Arbeit mit den Studierenden und Mitarbeitern an der Hochschule hätten sie letztlich zu einer erneuten Kandidatur bewogen.

Vor dem digitalen Urnengang hatte Specht zunächst ihre Schwerpunkte für eine weitere Amtszeit präsentiert und sich den Fragen der Senatsmitglieder gestellt. Hier stand vor allem eines im Fokus: Die Frage, wie digital das Studium an der THM künftig sein wird. »Die THM ist und bleibt eine Präsenzhochschule«, betonte Specht. Dabei wolle man aber »schlau die Möglichkeiten« nutzen, die das Digitale biete.

Vorlesungen beispielsweise könnten auch nach der Pandemie online stattfinden, für den Austausch etwa in Übungen sei aber Präsenz wichtig. Das sehe man auch daran, dass Studierende in den Veranstaltungen, in denen die Anwesenheit in der Vergangenheit Pflicht war, besser abschnitten. Wie das Verhältnis von Präsenzveranstaltungen und digitaler Lehre langfristig sein werde, das könne man derzeit aber noch nicht abschätzen. »Wir müssen die neue Normalität gemeinsam definieren. Das braucht Zeit.«

Sowohl von ihren Studierenden als auch den Lehrenden habe die Hochschule bei einer Befragung zur Zufriedenheit in den Corona-Semestern weitgehend gute Noten erhalten. Es sei noch nicht alles perfekt, aber die THM stehe im Vergleich gut da. Der Umstieg auf digitale Veranstaltungen habe gerade auch wegen des Engagements der Lehrenden funktioniert.

Allerdings: Zumindest im kommenden Sommersemester will die Vizepräsidentin wieder verstärkt auf die Lehre vor Ort pochen. Denn auch wenn es bequem scheint, sich vom heimischen Sofa oder dem Küchentisch in die Vorlesung schalten zu können, ist das offenbar nicht für jeden Studierenden das Richtige.

Wer vor Beginn der Corona-Pandemie erst kurze Zeit an der Hochschule war, der müsste sich eigentlich derzeit in den letzten Zügen seines Studiums befinden - das ist jedoch häufig nicht der Fall, wie die Vizepräsidentin mitteilte. Aus den eigentlich sechs Bachelor-Semestern werden dann mitunter sieben oder acht. Um Studierende angesichts der Pandemie zu entlasten, hatte das Wissenschaftsministerium des Landes in Abstimmung mit den Hochschulen die Regelstudienzeiten verlängert. Dadurch ist beispielsweise auch ein längerer BAföG-Bezug möglich.

Zahl der Abbrecher steigt

Wie Specht verdeutlichte, scheint das Studium besonders denjenigen schwer zu fallen, die zuvor noch nie ein Präsenzsemester erlebt haben. »Die Zahl derer, die wir verlieren, ist hier relativ hoch.« Die vermehrten Studienabbrüche seien allerdings ein generelles Problem der Hochschulen in der Pandemie. »Wir haben ein kritisches Semester vor uns. Wir müssen so viel Präsenz wie möglich anbieten, damit wir nicht noch weitere Studierende verlieren.« In dem Zusammenhang kündigte Specht auch an, dass die psychologische Beratung aufgestockt werden soll.

Mitunter müsse man die Studierenden auch zu ihrem Glück zwingen, befand die Vizepräsidentin. Denn bei den jungen Leuten sei das digitale Studium durchaus beliebt - »aber viele wissen nicht, was sie verpassen«. Von einer elektronischen Befragung der Studierenden zum Thema »Präsenz - ja oder nein« halte sie daher zum jetzigen Zeitpunkt nichts. Man müsse die Studierenden »erstmal herholen und dann aus ihren Erfahrungen und ihrem Feedback lernen«.

Aus dem Senat wurde jedoch die Befürchtung geäußert, dass Studierende auch abspringen könnten, wenn wieder zu stark auf Präsenz gesetzt werde, Man müsse auch diejenigen im Blick behalten, die etwa während der Pandemie ihre Wohnung am Studienort gekündigt hätten.

Specht rechnet zudem damit, dass die künftigen Erstsemester mehr Unterstützung benötigen. »Das sind junge Leute, die aus einer pandemischen Schulsituation kommen.« Dabei habe es deutlich weniger Veranstaltungen zur Studien- oder Berufsorientierung gegeben. Teils fehlten nicht nur Erfahrungen durch Praktika, sondern generell Ziele und Berufsbilder. »Die Erstsemester kommen desorientierter, als es früher der Fall war.«

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