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Tierheim braucht dringend Verstärkung

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Von: Petra A. Zielinski

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Um für Tiere in Not da sein zu können, ist auch das Gießener Tierheim auf Hilfe angewiesen. Astrid Paparone (rechts) und Britta Drolsbach - mit »Dauergast« Jamie - schildern die gegenwärtigen Probleme. Foto: Zielinski © Zielinski

An Arbeit mangelt es in der Einrichtung in der Vixröder Straße nicht, aber an helfenden Händen - und zwar von Ehrenamlichen ebenso wie von Fachpersonal. Auch die Spendenbereitschaft lässt nach.

Gießen. Arbeit gibt es im Gießener Tierheim immer mehr als genug. Was fehlt, sind helfende Hände. Denn während die Anzahl der Tiere steigt, sinkt die Anzahl der Helferinnen und Helfer. »Einige unserer Ehrenamtler mussten sich aufgrund der aktuellen Krisensituation eine feste Anstellung suchen und haben nun nicht mehr so viel Zeit«, bedauert die Vorsitzende des Tierschutzvereins Gießen und Umgebung, Astrid Paparone, im Gespräch mit dem Anzeiger. Anderen sei wiederum der Sprit für die Fahrt zum Tierheim einfach zu teuer geworden. Darüber hinaus mangele es aber auch an ausgebildeten Tierpflegern.

Bereits seit Monaten sei man auf der Suche nach Fachpersonal. Das Problem: Das private Tierheim kann nicht so viel Gehalt bezahlen wie im Zoo oder in der Forschung üblich. Es sei jedoch beabsichtigt, den Lohn für ausgebildete Kräfte nochmals etwas aufzustocken. »Wir erhalten keine staatliche Unterstützung, sondern einzig Zuschüsse von Gemeinden, mit denen wir Fundtierverträge haben«, erklärt Paparone. Dies decke indes nur ein Drittel der Gesamtkosten ab. Den Rest versuche man über Spenden und Vermittlungsgebühren zu generieren. Im Hinblick auf steigende Energiekosten, die Erhöhung der GOT (Gebührenordnung für Tierärzt*innen) und den Mindestlohn stelle dies eine echte Herausforderung dar.

Das gelte umso mehr, da Hunde, Katzen und Co. aus der Ukraine ohne Vergütung aufgenommen und viele der während der Corona-Lockdowns angeschafften Tiere aus Zeitmangel inzwischen wieder abgegeben werden. »So haben wir beispielsweise 50 Kaninchen mehr als im Vorjahr«, bedauert die Vorsitzende. Aktuell leben über 30 Hunde und 60 Katzen im Gießener Tierheim. Hinzu kommen Vögel, Chinchillas und die Schlange »Fate«.

Besonders am Herzen liegen Astrid Paparone diejenigen Hunde, die oftmals von ihren Menschen aus Unkenntnis missverstanden werden und dadurch als schwer vermittelbar in der Vixröder Straße 16 landen. Für sie hat sich die erfahrene Hundetrainerin über 20 Jahre lang sehr eingesetzt. »Das ist leider aus privaten Gründen nicht mehr in vollem Umfang möglich.« Trotzdem sei das Tierheim für seine gute Arbeit mit besonderen Hunden natürlich längst eine bekannte Anlaufstelle.

Erfahrung mit schwierigen Hunden

Gesucht wird also dringend eine Person, die nicht nur eine Ausbildung zum/zur Tierpfleger*in hat, sondern auch Erfahrung im Umgang mit schwierigen Hunden. »Solche Leute liegen leider nicht auf der Straße.« Denn es bedürfe eben langjähriger Erfahrung, eine Ausbildung allein reiche nicht aus. Darüber hinaus wäre auch eine Unterstützung durch eine(n) erfahrene(n) Hundetrainer*in sehr hilfreich.

»Der perfekte Hund ist im Tierheim selten«, weiß Paparone. 50 Prozent der Vierbeiner seien nicht ohne Weiteres, einige gar nicht vermittelbar - beispielsweise der Schäferhund-Labrador-Mix »Jamie«, der, in einem Keller aufgewachsen, zusammen mit seinen beiden Geschwistern 2016 vom Ordnungsamt im Tierheim abgegeben worden ist. Während seine Geschwister nach entsprechendem Training gut vermittelt werden konnten und sich in ihren neuen Familien sehr gut eingelebt haben, bestehe »Jamie« leider den Wesenstest nicht.

»Im Umgang mit vertrauten Menschen und anderen Hunden ist er toll«, betont Astrid Paparone. Er werde sogar als eine Art »Therapiehund« für seine Mitbewohner eingesetzt, vor allem wenn es um ängstliche Hunde gehe.

Als »schwer vermittelbar« sind unter anderem der kaukasische Schäferhund »Balu«, der Kangal-Mix »Bonita« und der Thai-Ridgeback-Mischling »Brownie« eingestuft. Damit Platz für die potenziellen »Dauergäste« bleibe und dennoch neue Vierbeiner aufgenommen werden könnten, gelte es, die übrigen Hunde gut für eine Vermittlung zu trainieren.

Explodierende Kosten

»Wir suchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit Herzblut bei der Sache sind«, unterstreicht auch die Zweite Vorsitzende Britta Drolsbach. Wochenenddienste zählten ebenso zum »täglichen Brot« eines Tierpflegers wie, in Sonderfällen auch mal abends länger zu bleiben. Aktuell hat das Tierheim acht Angestellte (inklusive Büro), Aushilfen sowie zwei Azubis. Hinzukämen 70 Ehrenamtler. Auch der komplette Vorstand arbeitet ehrenamtlich.

Leider sei die Spendenbereitschaft in den vergangenen Monaten stark rückläufig. Vor allem Patenschaften und Sponsoren für die Resozialisierung schwer vermittelbarer Hunde wären wünschenswert. Zudem hat der Deutsche Tierschutzbund bereits mehrfach gewarnt, dass die aktuell explodierenden Kosten Tierheime in die Insolvenz stürzen könnten. Gleichzeitig befürchtet der Verband, dass durch die Inflation mehr Tiere in den Tierheimen abgegeben werden könnten. »Bereits jetzt ist spürbar, dass die Vermittlung von Tierheimtieren stagniert und die Spendenbereitschaft nachlässt. Damit die Tierheime weiterhin für alle Tiere in Not da sein können, sind sie auf Hilfe angewiesen«, heißt es.

Der Tierschutzverein Gießen und Umgebung e.V. freut sich über Spenden auf folgendes Konto: Sparkasse Gießen, IBAN: DE76 5135 0025 0200 5054 24.

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