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Tote Mäuse, schräge Kinder

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Erzählt und singt vom Leben auf dem Bauernhof: Martina Schwarzmann. Foto: Czernek © Czernek

Auf gut Bayerisch: Martina Schwarzmann gastierte mit Geschichten vom Bauernhof in der Kongresshalle.

Gießen. Geballte Einblicke in ein Familienleben auf dem Dorf gab die Kabarettistin Martina Schwarzmann bei ihrem Auftritt in der Kongresshalle. »Ich habe keine Muskeln für Hochdeutsch«, erklärte sie - und erteilte dem Publikum zugleich eine Lektion in Bayerisch für Anfänger. Wer ein Ohr für diese Mundart entwickelte, bekam unnachahmlichen Sprachwitz sowie kleine Hinterlistigkeiten geboten, die man nur im Dialekt ausdrücken kann.

Für ihr Programm braucht die 43-Jährige nur sich selbst und einen Barhocker, auf dem sie mit ihrer Gitarre Platz nimmt, um mit kleinen Geschichten aus der dörflichen Umgebung loszulegen, in der sie und ihre Familie leben. Schwarzmann wohnt mit Mann und vier Kindern auf einem Bauernhof im Speckgürtel von München. Da geht es munter und gerne auch gerne mal laut zu.

Der Ehemann ist übriggeblieben

Gebrauchen kann die Familie jedenfalls immer alles. »Andere fahren ihre gebrauchten Möbel zum Sperrmüll, unsere Freunde bringen sie zu uns. Wir sind Gut Aiderbichl für gebrauchte Möbel.« Aufgewachsen ist die Künstlerin in einem kleinen Dorf im Landkreis Fürstenfeldbruck. Aus dem Fundus ihrer dort gesammelten Erlebnisse schöpfte sie auch für ihr aktuelles Programm mit dem Titel »Einfach so«. Dazu zählte etwa, dass sie und ihr Mann in der Clique, die so von Dorffest zu Dorffest gezogen ist, einfach »übriggeblieben sind«. So taten sie sich zusammen - und langweilig scheint es in der Familie nicht zu sein. Es sind die kleinen Anekdoten von sich und ihrem Umfeld, die sie pointiert vortrug und für die sie viel Applaus erntete.

Doch die Bayerin hat es auch nicht immer leicht mit ihren Sprösslingen - und umgekehrt. Denn sie sei schon manchmal etwas schräg drauf und ihre Kinder ihr sehr ähnlich. Die hätten auch schon mal ein tote Maus mit dem Staubsauger weggesaugt, damit sie das Tier nicht anfassen mussten. »Die Idee ist ja nicht blöd, nur leider haben sie mir nicht Bescheid gesagt. Das hat man irgendwann gerochen.« Daraufhin musste sie sich einen neuen Staubsaugerbeutel kaufen. Dabei wusste sie bis dato nicht, dass das überhaupt geht.«

Dazu passt, dass Corona für sie auch etwas Gutes gehabt hat. Denn auf einmal sei es ruhig auf ihrem Bauernhof gewesen, der sich in der Einflugschneise des Münchner Flughafens befindet. Da habe sie auf einmal Geräusche aus dem Tierreich gehört, die sie eigentlich nie hören wollte. Die Auftritte und das Publikum hätte ihr allerdings schon ziemlich gefehlt. »Nach dem Kochen von den Kindern Applaus zu erhalten, da fühlst du dich doch auch verarscht.« Zu dem Zeitpunkt habe sie gerade an einem neuen Programm gearbeitet. »Doch wozu sollte ich mir etwas ausdenken, wenn wir hinterher doch alle tot sind?«

Gut, dass sie es doch getan hat. Nach gut zweieinhalb Stunden entließ sie ihr Publikum in die mittelhessische Wirklichkeit, nicht ohne zu bemerken, dass sie vor zehn Jahren schon einmal in Gießen gewesen ist: bei einem Kleinkunstwettbewerb. Damals hat sie den dritten Platz erreicht - bei fünf Teilnehmern. Mittlerweile kann sie sich mit den Besten ihrer Branche messen. Für einen Auftritt von Martina Schwarzmann lohnt es sich jedenfalls, die eigenen Bayerisch-Kenntnisse zu erweitern.

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