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Tradition und Zukunft vereint

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Teils von weither kamen die Junggesellen zur Freisprechungsfeier nach Wetzlar angereist. Vorne links der Obermeister der Fotografen-Innung Richard Stephan aus Gießen. Foto: Ewert © Ewert

Zur Freisprechungsfeier kamen die jungen Gesellen der Fotografen-Innung Hessen in der »Leica-Welt« zusammen. Obermeister Richard Stephan (Gießen) ermunterte, »das nächste Bild immer noch besser zu machen«.

Gießen/Wetzlar. Die Mehrzahl der bei der Kreishandwerkerschaft Gießen zusammengeschlossenen Handwerksinnungen sind, wie die Organisationsbezeichnung nahelegen könnte, räumlich auf das Gebiet von Stadt und Kreis Gießen beschränkt. Aber eben nicht alle. Einige der insgesamt 21 Innungen, die von der KH Gießen mit ihrem zentralen Sitz im »Haus de Handwerks« in der Goethestraße 10 aus betreut werden, umfassen in ihrem Zuständigkeitsbereich mehrere mittelhessische Landkreise, andere gar die gesamte Fläche des Landes Hessen. Und eine geht gar noch darüber hinaus: die Fotografen-Innung Hessen/Rheinhessen. Deren Innungsobermeister ist seit vielen Jahren der Gießener Fotografenmeister Richard Stephan.

Seit etlichen Jahren finden die Freisprechungsfeiern der jungen Gesellinnen und Gesellen des Fotografenhandwerks - in diesem Jahr waren es ein gutes Dutzend - an einem Ort statt, der geeigneter und symbolträchtiger kaum sein könnte: die neue, große »Leica-Welt« in Wetzlar. »Mehr ›Fotografie‹ geht für den Berufsfotografen-Nachwuchs nicht, was Tradition, Geschichte und wohl auch Zukunftsperspektiven angeht«, so ein Teilnehmer der Veranstaltung im Ernst-Leitz-Museum am südlichen Wetzlarer Stadtrand, dem Ort des Geschehens.

Ausgehend von der wohl ältesten bis heute erhaltenen, per »Camera Obscura« im Jahr 1826 in Frankreich aufgenommenen Fotografie sprach Uwe Bock, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Gießen und in dieser Funktion auch Geschäftsführer der Fotografen-Innung Hessen/Rheinhessen, von nahezu 200 Jahren Kulturgeschichte unter der Überschrift »Das Foto ist ein Zeitzeuge«. Die Fotografie hat ein neues gesellschaftliches Bewusstsein des Sehens geschaffen, so Bock, und »nebenbei« die Grundlage für ein neues Handwerk.

Handwerker nähmen zu Recht für sich in Anspruch, »von der Tradition her einen großen Anteil an der Entwicklung der Gesellschaft« zu haben. Im Falle der Fotografie sei dieser Aspekt »besonders spannend«. Auch wenn die handwerkliche Fotografie nach wie vor ein ganz eigener Zweig neben der Werbe-, der Pressefotografie oder auch dem Fotodesign war und ist, bleibt laut Bock die Zeit nicht stehen. Smartphones sorgten für »Fotografien wie Sand am Meer«.

Umso erfreulicher sei, dass die jungen Gesellinnen und Gesellen mit ihrer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung »ein Zeichen setzen wollen für den Fortbestand der handwerklichen Fotografen-Ausbildung«. Mit Kreativität, Herzblut, Begeisterung und Liebe zum Beruf, hohem technischen Wissen und Können, der Bereitschaft zu lebenslangem Lernen und steter Offenheit für Neues, ohne dabei Bewährtes über Bord zu werfen, bei gleichzeitiger Nutzung der neuen Kommunikations- und Informationstechnologien sollten die Herausforderungen der Zukunft angegangen und bewältigt werden, ermutigte Uwe Bock. Wie in allen Gewerken, so gilt laut Bock auch für die Fotografen: »Im Handwerk haben Qualität und Zuverlässigkeit, Tüchtigkeit und persönlicher Einsatz einen hohen Stellenwert.«

Zugleich gehörten Freiheit, Unabhängigkeit und soziale Verantwortung zum Grundverständnis des handwerklichen Mittelstandes. Obermeister Richard Stephan fasste seine Wünsche für den Berufsnachwuchs schlicht, aber aussagekräftig zusammen: »Bleiben Sie dran und versuchen Sie immer, das nächste Bild noch besser zu machen.«

Als innungsbeste Junggesellin zeichnete der Obermeister Myriam Astrid Thürigen aus Leonberg besonders aus. Die weiteren Damen und Herren des Prüfungsjahrganges 2022 sind: Jeyhan Chase Celikkale (Butzbach), Betül Senol (Kelkheim), Laura Reuter (Maintal), Lina Prehn (Wiesbaden), Michael Jung (Pfungstadt), Lisa Bach (Gelnhausen), Celina Emmoghlian (Sulzheim), Nina Nißen (Badenheim), Anne Hamburger (Kassel), Johannes Bruchhäuser (Gelnhausen) sowie Chuesai Chacris, Joseph Budimir und Giulia Falcone (alle Frankfurt).

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