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Lichter der Trauer: Für jedes verstorbene Kind brennt eine Kerze.

Trauer, Trost und Hoffnung

Gießen. »Wir alle sind hier versammelt, um gemeinsam Ihrer Kinder zu gedenken«, begann Pastoralreferentin Dr. Esther Schulz den Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder in der Petruskirche. »Sie alle verbindet der Schmerz und die Trauer um ein Kind, manchmal auch um mehrere Kinder«, sagte die Seelsorgerin. Es sein ein schwerer Weg gewesen, an dem Gedenken teilzunehmen.

Doch Schulz bezeichnete ihn als wichtig, weil die Angehörigen hier ihrem Schmerz begegneten, sich erinnerten und gedenken können. »Nur so können Sie ausdrücken, was Ihnen widerfahren ist«.

Eltern, Großeltern, Geschwister und Bekannte kommen alljährlich zum Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder in die Petruskirche, der im vergangenen Jahr wegen der Pandemie ausfallen musste. Das Vorbereitungsteam - bestehend aus der evangelischen und katholischen Klinikseelsorge Gießen, der Selbsthilfegruppe »Trauernde Eltern Gießen« und der Initiative Regenbogen »Glücklose Schwangerschaft« - zeigte sich dankbar, dass jetzt, verteilt auf zwei Gottesdienste und mit zahlreichen Hygienevorschriften, das Gedenken stattfinden konnte.

Für betroffene Eltern ist es wichtig und bedeutsam, an der würdevollen Zeremonie teilzunehmen, bei der all der Kinder gedacht wird, deren Leben viel zu früh zu Ende ging. Viele Familien aus der Region kommen regelmäßig am dritten Sonntag im Dezember zu diesem besonderen Gottesdienst zusammen, andere sind neu dabei und das gemeinsame schwere Schicksal eint sie.

Texte, Musik und tröstende Worte prägten auch jetzt wieder die kirchliche Feier. Mitwirkende verlasen Texte wie »Der blaue Vogel« oder »Der kleine Seelenvogel« und Gedichte. »Die Lichter, die wir nun entzünden und das gemeinsame Erinnern verbinden uns in aller Unterschiedlichkeit«, sagte eine Mutter, bevor nach dem Verlesen der Namen der verstorbenen Kinder, die kleinen Kerzen angezündet wurden. »Das Anzünden der Lichter erinnert und bewahrt gleichzeitig die Einzigartigkeit jedes Ihrer Kinder«. 82 Kerzen leuchteten am Ende im Altarraum. »Ein Licht für Rüdiger, eine Kerze für Tatjana, für Tanja und ihren Bruder Andreas«. Die Namen der Verstorbenen trugen Eltern zuvor in das große Buch ein und Trauer und Stille begleiteten das Zeremoniell.

»Vögel« lautete dieses Mal das Thema der Zusammenkunft, bei der es um Trauer, Trost und Hoffnung geht. Beim Eingang ins Gotteshaus erhielten die betroffenen Eltern kleine Vögel aus Pappe, beschrifteten sie mit den Namen der Kinder und hängten sie an die Zweige in der großen Vase. Am Ende des Gottesdienstes nahmen sie die verschiedenen, farbigen Symbole als Erinnerung mit nach Hause.

»Erbarmungslos erscheinen die, die keine Ahnung haben, was Trauer ist«, sagte die evangelische Klinikseelsorgerin Susanne Gessner. Das Leben sei nicht wie vorher, einfach zum Alltag überzugehen, erscheint nicht möglich. Es müsse wieder neu gelernt werden, machte die Pfarrerin deutlich. »Hoffnung ist ein Vogel, der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist«, zitierte Susanne Gessner in ihrer Predigt die Worte eines indischen Philosophen. Tröstend gab die Pfarrerin den Besuchern des Gedenkens mit auf den Weg: »Möge der, der größer ist wie wir, Sie in Ihrer Trauer begleiten«.

Viele der Gottesdienstbesucher kommen schon seit Jahren in die Petruskirche, um Menschen zu begegnen, die Gleiches fühlen. Eltern aus dem Vorbereitungskreis für den Gottesdienst möchten Hoffnungszeichen setzen, wollen Wege aus Not und Verzweiflung aufzeigen.

Musikalisch umrahmte Marina Sagorski an der Orgel das Gedenken, an dem Tag, wo überall in der Welt Kerzen für verstorbene Kinder angezündet werden. Die Kollekte war in diesem Jahr für die Initiative Regenbogen bestimmt.

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