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»Traumschiff« glotzen schlägt Mehl einkaufen

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Von: Felix Müller

Gießen. »Hängen in Gefängnissen auch Schilder für die Fluchtwege? Und wenn Stiftung Warentest Vibratoren testet, ist dann das Ergebnis »befriedigend« besser als »gut«?« Mit solch wichtigen Fragen setzte sich der Kabarettist und Moderator Wolfgang Trepper am Freitagabend in der Kongresshalle auseinander.

Der gebürtige Duisburger hatte neben seiner modischen Damenhandtasche, mit deren Hilfe er seit Jahren nach jedem Auftritt Geld für soziale Projekte sammelt, auch die humoristische Abrissbirne im Gepäck. Gezielt rechnete das Urgestein der Comedy-Szene mit der Politik ab, regte sich über die deutsche Fernsehlandschaft auf oder gab seinen »Senf« zum Corona-Wahnsinn, der sich etwa in Lebensmittelmärkten abspielt. Doch der 61-Jährige schlug ebenso nachdenkliche Töne an.

Die scharfe Würzpaste wurde auch gleich als Vergleich herangezogen. »Während der anfänglichen Corona-Pandemie waren in Italien die Kondome leer gekauft, in Frankreich der Rotwein. Und in Deutschland? Das Klopapier und der Senf. Da weißt du direkt wo die Lebensfreude zuhause ist,« stellte Trepper fest.

Das Einkaufen an sich stelle ihn vor große Aufgaben, schließlich sei »nichts mehr wie früher«. »Wenn du als kleiner Bub losgeschickt wurdest, um Mehl einzukaufen, hast du abgezähltes Geld in die Hand gedrückt bekommen und bist in den nächsten Tante-Emma-Laden gegangen. Dort gab es einzig und allein Diamantmehl Typ 405, fertig.« Heutzutage versetzt ihn die Bitte seiner Freundin Ulrike, etwas Mehl zu besorgen, in »Schockstarre und Kurzatmigkeit«. Die schiere Auswahl an Mehl sorgt für Überforderung, reicht sie doch von Ur-Kornmehl über Dinkelmehl bis zum »E-Mehl«.

Trepper, der regelmäßig in der Kabarett-Sendung »Nuhr im Ersten« zu sehen ist und in Formaten wie »Gefragt - Gejagt« oder dem »ZDF-Fernsehgarten« auftrat, konnte sich auf der Bühne auch eine kleine Spitze gegen sein »geliebtes Duisburg-Rheinhausen« nicht verkneifen. »Wenn irgendwo auf der Welt etwas dummes passiert, Duisburg hat seine Knochen mit drin. Wir sind nicht umsonst Partnerstadt von Wuhan, dem Ausgangsort für das Coronavirus.«

Überrascht zeigte sich der mittlerweile in Hamburg wohnende Comedian von der Tatsache, dass seit einigen Jahren immer mehr junge Menschen zu seinen Veranstaltungen kommen. Um diesen Umstand zu überprüfen ließ er kurzerhand das Licht von der Bühne auf den Zuschauerbereich strahlen, um sich einen besseren Einblick zu verschaffen. »Ich frage mich immer, was junge Leute hier wollen. Ich erzähle nur von früher, die verstehen gar nichts,« polterte Trepper, machte aber kurze Zeit später einer jungen Frau aus dem Publikum ein attraktives Angebot: »Wenn es dir zu schlimm wird, gehst du leise raus und zur Theke. Da trinkst du dir einen, bis der Schlappen nass ist. Der Deckel geht auf mich.«

Regelrecht in Ekstase geriet der 61-Jährige, der 1992 auch als erster hauptberuflicher Handballmanager in Deutschland bei seinem Herzensverein OSC Rheinhausen tätig war, bei seiner Lieblingssendung: Das Traumschiff. »Da kannst du dein Gehirn für 90 Minuten in den Kühlschrank legen. Du schaust dir den Blödsinn fünf Minuten an und weißt sofort, wie das Ganze ausgehen wird. Das gleiche Sendeschema seit 40 Jahren, ganz großes Kino.« Eine nicht ganz so hohe Meinung hatte Trepper von Deutschlands Spitzenpolitikern. »Die Bundestagswahl war ja eher so ein Schrottwichteln.« Olaf Scholz sei mehr oder weniger aus Versehen Kanzler geworden, dass hätte selbst die SPD »so nicht eingeplant«. Doch auch die anderen Parteien bekamen ihr Fett ab. Ein Typ wie Christian Lindner wäre früher in der großen Pause »in den Mülleimer gestopft worden«. Klare Kante zeigte der Duisburger bei der AfD. Denn für solche »Knallköpfe« würde er »keine Zeit verschwenden«.

Wichtig war dem Kabarettisten hingegen, offen und ehrlich über den Krieg zu sprechen und auch ernste Töne anzusprechen. »Es gibt momentan 22 Kriege auf der Welt. Kriege, die immer nach dem gleichen Prinzip laufen. Meist junge Männer beschießen und bekämpfen andere fremde junge Männer. Auf Befehl von alten Männern, die sich sehr gut kennen, aber niemals aufeinander schießen würden. Das ist die Perversität eines jeden Krieges.«

Ebenso nutzte Trepper die Gelegenheit, um auf sein nächstes soziales Engagement aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln. Nachdem der engagierte Künstler bereits im Jahr 2020 den Bau einer Grundschule in Malawi finanzierte, in der 400 Kinder die Chance auf Bildung erhalten, soll dort nun eine zweite weiterführende Schule entstehen.

Nach über zwei äußerst unterhaltsamen Stunden war der Komiker wie üblich nach seiner Vorstellung mit seiner großen Damenhandtasche im Foyer anzutreffen. um die Spenden persönlich entgegenzunehmen.

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