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Trauriges nimmt kein Ende

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Eine Elefantenherde zieht friedlich durch die Weiten der Serengeti. © Mauthe

Eine Greenpeace-Veranstaltung zu Naturwundern zeigte in Gießen die Schönheiten, aber auch, wie bedroht und zerstört schon vieles ist.

Gießen . Ein zwiespältiges Vergnügen war die »Live-Fotoshow Naturwunder Erde - unsere Welt im Wandel« des Fotografen Markus Mauthe am Donnerstag in der Kongresshalle. Die Greenpeace-Veranstaltung, moderiert von der Journalistin Nasim Reza-Tehrani, präsentierte zwar prachtvolle Wunder der Umwelt, vermischte jedoch die berechtigte Kritik an der desaströsen Umweltpolitik mit persönlichen Befindlichkeiten und Appellen an die Besucher. Fast fühlte man sich bedrängt.

Mauthes exzellente Bilder - wundersame Anblicke aus den entlegensten Regionen der Welt mit seltenen Landschaften, Tieren und vom Rest der Welt unberührt lebenden Völkern - standen im Gegensatz zu seiner unprofessionellen, naiven Vortragsweise im Video. Grundlage war sein Buch »Allein kann ich die Welt nicht retten«.

Moderatorin Reza-Tehrani leitete die Reise durch verschiedene Regionen der Welt und begann mit einem Resümee der vergleichsweise paradiesischen Zustände im Jahr 2000 und dem entmutigenden Bild der Lage in 2020; sichere aktuelle Zahlen standen wegen Corona nicht zur Verfügung.

Das Abschlachten der Wale, ein wichtiges Thema, »zu wissenschaftlichen Zwecken« noch erlaubt, setzte den Akzent zur Gegenwart im größten Ökosystem der Welt, dem Ozean. Noch schlimmer: Das jährliche Abschlachten von Hunderten Delfinen in der japanischen Taiji-Bucht. Ein makabrer Aspekt ist, dass die fittesten unter den Überlebenden an Zoos und ähnliche Unternehmen weltweit verkauft werden. »Bitte gehen Sie nie in so eine Show, bei der Delfine oder andere Meerestiere durch Reifen springen oder ähnliches«, bat Tehrani. Damit könne man schon etwas tun.

Tröstlich war die Information, dass in Japan die Erkenntnis gereift sei, dass »ein lebendiger Wal mehr wert ist als ein toter«. Dort ersetzt »Whale watching« die metzgerischen Aktionen. Hörte man dann noch, dass 90 Prozent der Fischbestände weltweit vom Aussterben bedroht seien, war man schon bereit, sein Konsumverhalten zu überdenken - ein verdienstvoller Aspekt der Veranstaltung. Island habe den Walfang komplett eingestellt, sagte Therani. Und in der Mongolei sei inzwischen jede Jurte, die zeltähnliche Behausung der Mongolen, mit einem Solarpanel ausgestattet, immerhin.

»Hunger nach billigem Fleisch«

Wohin man auch gelangte, so die traurige Wahrheit, sämtliche Lebensräume und auch ihre teils überwältigende Schönheit sind durch menschliche Intervention beschädigt oder bedroht. Andererseits weisen die Elefanten in der Serengeti ein Merkmal auf, das frei lebende Tiere nicht mehr besitzen, ihre Stoßzähne. Wildtiere seien ein Milliardengeschäft, berichtete Tehrani.

Es ging noch lange weiter, der Abend währte gut zweieinhalb Stunden, in denen der »Hunger nach billigem Fleisch« Thema war, das Aussterben diverser Tierarten, der Raubbau am Regenwald in Brasilien und der Genozid an indigenen Völkern dort - es nahm keine Ende. Dem Fotografen brachte das Miterleben dieser Zustände eine heftige Depression mit zeitweiliger Arbeitsunfähigkeit ein (»Ich habe den Glauben an eine gute Zukunft für meine Kinder verloren«).

Beim Fotografieren des Abbrennens von Regenwald in Brasilien liefen ihm die Tränen übers Gesicht, inzwischen hat er sich erholt. Auch Tehrani zeigte starke Anzeichen von Betroffenheit, die Arbeit an diesen Projekten sei tatsächlich auch eine Bürde. Gibt es doch kaum Erfolge zu verzeichnen. Dennoch wirkte ihr Vortrag zuweilen übereifrig, distanzlos.

Die Stoßrichtung des Abends war das persönliche Engagement der Besucher: umdenken und aktiv werden. Die einzige Hoffnung auf Besserung sah Tehrani in den Jugendbewegungen, wie sie von Greta Thunberg angestoßen wurden, und in öffentlichem Auftreten und Engagement.

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