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Trickbetrügern die Tour vermasseln

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Wenn ein älterer Mensch eine solch hohe Summe in bar abhebt, sollte das hellhörig machen. Symbolfoto: picture alliance / dpa © Red

Was Banken in Gießen und Umgebung tun, um insbesondere ältere Menschen vor dem leider immer wieder vorkommenden »Enkeltrick« und anderen Gaunereien zu schützen.

Gießen . Münzen und Schmuck im Gesamtwert von etwa 200 000 Euro hat am Dienstag ein Betrügerpaar mit dem »Enkeltrick« von einer 82-jährigen Gießenerin ergaunert. Eine Anruferin hatte der Frau vorgegaukelt, ihre Enkelin sei in einen Verkehrsunfall verwickelt und benötige dringend Bargeld. Für eine Kaution, wie ein zugeschalteter angeblicher Polizeibeamter bestätigte. In einem anderen ebenso aufsehenerregenden Fall hatte eine heimische Seniorin in Sorge um ihren nahen Verwandten 69 000 Euro in bar vom Bankkonto abgeholt, die sie dann nie mehr wiedersah. Solche Fälle, die auch in der Variante als »Neffentrick« bekannt sind, kommen leider immer wieder vor. Da das Vorgehen in der Regel ähnlich ist - die oder der Angerufene übergibt das abgehobene Geld einer am Telefon genannten Komplizin oder Komplizen -, stellt sich die Frage, ob die Banken nicht noch rechtzeitig einschreiten könnten, bevor es zur Übergabe kommt. In einer Umfrage bei Kreditinstituten, die in Gießen und Umgebung Filialen betreiben, wollte der Anzeiger wissen, was die Banken schon jetzt alles tun.

Volksbank Mittelhessen : »Wir arbeiten sehr eng mit der Polizei zusammen und haben gerade in den letzten zwei Monaten unsere Mitarbeiter von der Polizei schulen lassen«, berichtet Sprecher Dennis Vollmer. Überdies sei Polizeipräsident Bernd Paul zu diesem Thema vor Kurzem zu Gast gewesen. Abgesehen davon werden die Mitarbeiter in den Geschäftsstellen regelmäßig und zudem anlassbezogen geschult. »Wenn die Polizei uns auf eine vermehrte kriminelle Aktivität hinweist, nehmen wir weitere Schulungen vor.«

Die Kollegen, die Auszahlungen an Kunden vornehmen, seien daher »sensibilisiert und wissen sehr genau, auf welche Signale sie achten müssen«, so Vollmer. Zwischen Beratern und Kunden bestehe oftmals ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis. Daher falle ihnen ein ungewöhnliches Verhalten der Kunden auf. »Im Falle eines konkreten Verdachts versuchen die Berater, durch gezielte Nachfragen den Grund für die außergewöhnliche Auszahlung zu erfahren.« Im Zweifel weisen sie den Kunden dann explizit auf die Masche des ›Enkeltricks‹ hin.

»Allerdings muss man auch zugeben, dass an dieser Stelle die Möglichkeiten begrenzt sind«, räumt der Sprecher ein. »Sollte der Kunde auf einer Auszahlung bestehen, werden wir diese natürlich auch leisten.« Schließlich könne es durchaus sein, dass die Auszahlung tatsächlich einen ganz normalen Hintergrund hat, wie beispielsweise einen Auto- oder Möbelkauf, gibt er zu bedenken.

Sparkasse Gießen : »Unsere Mitarbeiter sind angehalten, bei größeren Barverfügungen den Verwendungszweck zu erfragen und Kunden auf gängige Betrugsmaschen hinzuweisen«, teilt Sprecherin Marina Böcher mit. Oft seien die Betroffenen jedoch durch die betrügerischen Anrufe so eingeschüchtert, dass sie auf Nachfragen »eher barsch reagieren und auf die Auszahlung bestehen«. In der Regel bekämen sie von den Tätern genaue Instruktionen, was sie den Bankangestellten sagen sollen.

Die Mitarbeiter werden regelmäßig zu solchen Themen geschult. Zusätzlich haben alle Filialen Präventionsmaterialien erhalten, die unterstützend helfen, Betrugsfälle aufzudecken. In Absprache mit den Kunden wird in solchen Fällen die Polizei hinzugezogen. »Leider kam es schon vor, dass betroffene Kunden auf Nachfragen unserer Mitarbeiter nicht die Wahrheit gesagt haben, sondern eben genau das, was die ›Betrüger‹ ihnen vorher in oft sehr langen Telefonaten eingetrichtert hatten«, berichtet Böcher.

Sollten Kunden darauf bestehen, ihr Geld abzuheben, »müssen wir diesen Wunsch erfüllen. Wir können lediglich auf einen möglichen Trickbetrug hinweisen. Die Auszahlung verweigern, das können wir nicht«, gibt Vorstandsvorsitzender Peter Wolf zu bedenken. Laut Vorstandsmitglied Ilona Roth sind die Mitarbeiter aber »für solche Fälle gut vorbereitet. Durch gezielte Nachfragen versuchen wir, unsere Kunden vor Vermögensschäden zu bewahren«.

Deutsche Bank : »Unsere Mitarbeiter sind gegenüber vorkommenden Betrugsmaschen wie dem ›Enkeltrick‹ sehr sensibilisiert«, lässt der Sprecher wissen. »Nicht zuletzt dank der oft langjährigen persönlichen Kenntnis ihrer Kunden gelingt es unseren Mitarbeitenden immer wieder, bereits angebahnte Trickbetrügereien Dritter zu verhindern.« Parallel sei man zur Information und Schulung regelmäßig im Austausch mit den Polizeibehörden.

Commerzbank : Wie eine Pressesprecherin berichtet, werden die Mitarbeiter durch regelmäßige Schulungen für das Thema sensibilisiert. »Bei ungewöhnlichen Abhebungen oder Verhaltensweisen, vor allem von älteren Kunden, fragen unsere Mitarbeiter gezielt nach dem Verwendungszweck des Geldes.« Im Verdachtsfall werde die Polizei verständigt. Zudem kläre man die eigene Kundschaft über die Betrugsform »Enkeltrick« auf.

Sparda-Bank : Bei Auffälligkeiten versuche man, den Kunden davon zu überzeugen, Kontakt zu dem in Not geratenen Familienmitglied aufzunehmen und die Polizei dazu einzuschalten, führt ein Banksprecher aus. Neben hausinternen Richtlinien und Schulungen im Umgang mit Betrugsversuchen würden mehrmals pro Jahr Newsletter mit Infos auch hierzu verschickt.

Targobank : Der Sprecher der Bank weist auf das »Social Engineering« hin, wenn Betrüger zunächst das persönliche Umfeld ihres Opfers ausspionieren und dann falsche Identitäten vortäuschen, »um Schockmomente zu kreieren und Druck auszuüben«. Die Belegschaft sei allerdings geschult, ungewöhnliche Transaktionen zu identifizieren und dann auch gegenüber dem Kunden anzusprechen.

Santander Bank : Wie ein Banksprecher mitteilt, habe die Polizei empfohlen, Kunden bei Verdacht Fragen wie die folgenden zu stellen: Möchten Sie den Betrag abheben, weil Sie telefonisch kontaktiert wurden? Sollen Sie das Geld heute noch (an eine Ihnen unbekannte Person) übergeben? Hat der Anrufer verboten, über den wahren Zweck der Abhebung zu sprechen? Hat sich der Anrufer als Angehöriger, Polizist, Arzt, Notar oder Staatsanwalt ausgegeben?

Die Volksbank Mittelhessen bietet Seminare für Kunden an, bei denen es auch um den Schutz vor Betrügereien geht: https://volksbank-events.de/ruumba. Die Sparkasse Gießen weist auf die Webseite der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes, www.polizei-beratung.de, hin, wo auch Infos zu finden sind.

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