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Tschüss Großstadt, hallo Gießen!

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Von: Eva Pfeiffer

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Gebaut wird schon seit August, nun zückten David Szegedy, Dr. Manuel Lösel, Carsten Vaupel und Patricia Wendland (Geschäftsbereichsleiterin Standortmanagement des LBIH, v. l.) die Schaufeln für den offiziellen Spatenstich. Foto: Pfeiffer © Pfeiffer

Gebaut wird in der Lahnstraße in Gießen bereits, nun gab es auch den offiziellen Spatenstich. Im Sommer 2024 sollen die Mitarbeiter der Hessischen Lehrkräfteakademie einziehen

Gießen . Es tut sich was auf der Freifläche neben dem Jobcenter in der Lahnstraße - und das bereits seit Ende August. Während rund um die etwa 7000 Kubikmeter große Baugrube bereits fleißig gewerkelt wird, fand am gestrigen Freitag der offizielle Spatenstich statt. Im August 2024 sollen hier rund 230 Mitarbeiter der Hessischen Lehrkräfteakademie ihre Büros beziehen. Statt wie bislang in Frankfurt, Wiesbaden, Kassel und Gießen, werden die Dezernate und Sachgebiete dann an nur zwei Standorten gebündelt: Gießen und Alsfeld.

Der Schwerpunkt in Gießen soll laut Kultusstaatssekretär Dr. Manuel Lösel auf der Aus-, Weiter- und Fortbildung liegen - auch, weil an keiner anderen hessischen Hochschule so viele angehende Lehrer ausgebildet würden, wie an der Justus-Liebig-Universität (JLU). »Wir wollen eine engere Verzahnung zwischen Schule, Universität und Referendariat«, betonte Lösel.

Dass die Lehrkräfteakademie den Großstädten den Rücken kehrt, liegt auch an der von der Landesregierung angestrebten Förderung des ländlichen Raums. Hinzu kommt der schlechte bauliche Zustand der derzeit genutzten Immobilie in Frankfurt. Mitarbeiter, die im Aufzug stecken bleiben, nicht funktionierendes Internet: »Es ist eine Katastrophe. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen hier nur noch raus«, fasste Lösel es zusammen.

Trotzdem: Mit dem 2020 angekündigten Umzug nach Mittelhessen war nicht jeder an der Lehrkräfteakademie glücklich. Der CDU-Politiker, der an der JLU studiert hat und mit der Stadt nach eigener Aussage auch erst warm werden musste, rechnet damit, dass der neue Standort die Mitarbeiter überzeugen wird: »Es gibt eine Welt außerhalb Wiesbadens.« Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) hat das Unterbringungsprojekt umgesetzt.

Die Mitarbeiter »freuen sich sehr auf die neue Akademie«, sagte Zentralabteilungsleiter Carsten Vaupel. In der Lahnstraße entstehe »ein zeitgemäßes Bürogebäude«, das für Pendler gut zu erreichen sei. Statt vielen kleinen Einzelbüros soll es in Gießen »Teamflächen« für vier bis acht Personen, aber auch Rückzugsorte geben. Der Neubau werde an die Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst, die Anforderungen habe man zuvor in Workshops ausgearbeitet. Geplant ist außerdem eine Terrasse als zentraler Treffpunkt mit Blick auf die Lahnwiesen sowie ein Konferenzzentrum.

Die Hessischen Lehrkräfteakademie wird das Gebäude für zunächst 15 Jahre mieten. Vermieter und Bauherr ist die Mittelhessische Wohnen. Geschäftsführer David Szegedy zeigte sich zufrieden mit dem Projektstart: »Wir liegen voll im Zeitplan.« Ein pünktlicher Abschluss der Bauarbeiten sei besonders wichtig, schließlich müssen die Mitarbeiter ihre alten Büros räumen.

Wie viel genau sein Unternehmen in den Neubau investiert, wollte Szegedy nicht beziffern, es handle sich um einen »zweistelligen Millionenbetrag«. Die Kalkulation aus dem vergangenen Herbst ist angesichts der Preissteigerungen aber ohnehin nicht mehr aktuell. Stand jetzt rechne man mit einem Plus von 15 bis 20 Prozent, so der Investor. Hinzu kommen die deutlich verlängerten Bestellfristen etwa bei Stahl oder Kunststoff. Man habe daher frühzeitig bestellt und Aufträge vergeben.

Das Richtfest ist für das zweite Quartal 2023 vorgesehen. Entstehen sollen sieben Geschosse sowie eine Tiefgarage. Der Neubau werde damit zwei Stockwerke größer als das benachbarte Jobcenter, verdeutlichte Investor Szegedy.

Die Hessische Lehrkräfteakademie ist die Landesbehörde für die Aus-, Fort- und Weiterbildung für Lehrkräfte. Sie wirkt auf eine Qualitätsentwicklung der Schulen hin, entwickelt die Lehrpläne sowie die zentralen Prüfungen und betreut das Hessische Schulportal. Zudem berät sie das Kultusministerium bei Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Schulwesens. (red)

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