1. Startseite
  2. Stadt Gießen

»Tun wir alles für den Frieden?«

Erstellt:

Von: Rüdiger Schäfer

giloka_1411_volkstrauert_4c
Frank-Tilo Becher und Joachim Grußdorf legen Kränze für die Toten beider Weltkriege nieder. Foto: Schäfer © Schäfer

Gießen (rsa). Umrahmt vom Gießener Bläserkreis unter Leitung von Andreas Gramm haben der Magistrat und die Stadt Gießen am Volkstrauertag auf dem Neuen Friedhof der Toten im Ersten und Zweiten Weltkrieg gedacht. Im Mittelpunkt standen auf dem Deutschen Soldatenfriedhof eine Ansprache von Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher sowie geistliche Worte und Fürbitten durch die Gemeindereferentin im Pastoralraum Gießen-Stadt, Uta Kuttner.

Becher erinnerte daran, dass die beiden Weltkriege, die von deutschem Boden ausgingen, weltweit mehreren Millionen Menschen den Tod brachten, verwies aber auch auf den »skrupellosen Überfall auf einen souveränen Staat« in diesem Jahr. »Verantwortlich dafür sind Präsident Wladimir Putin und die russische Regierung.« Der Krieg und die Kämpfe produzierten Bilder, »von denen wir gedacht hätten, solche in Europa nicht mehr betrachten zu müssen«. Zu beklagen seien auch geplünderte Städte und massakrierte Zivilisten.

Im Zweiten Weltkrieg seien »60 Millionen Menschen einem rassenideologischen Krieg zum Opfer gefallen, 40 Millionen davon in Europa«. Eine der schrecklichsten Panzerschlachten des ganzen Krieges habe 1943 auf dem Gebiet der heutigen Ukraine stattgefunden; 170 000 Kriegsgräberstätten gebe es dort. Dem Ziel »Nie wieder Krieg!«, das in der Charta der Vereinten Nationen festgelegt worden ist, »sind wir jeden Tag verpflichtet«, mahnte Frank-Tilo Becher. Doch es vergehe kein Tag ohne Meldung von irgendeinem Kriegsgeschehen irgendwo auf diesem Planeten. Frieden sei eine Bedingung, damit die Menschenwürde beachtet werde. »Tun wir alles dafür?«, fragte der Oberbürgermeister. Und fügte hinzu: »Setzen wir unseren Wohlstand zum Wohlstand aller ein?«

Uta Kuttner verlas Worte des Evangelisten Lukas: Er bezeichnete Krieg als »unbarmherzige Grausamkeit«. Denn Krieg bedeute Zerstörung, Vernichtung, Tod. »Unsägliches Leid bleibt bei den Verbliebenen«, so die Gemeindereferentin. »Wir denken an alle, die verfolgt werden. Auch wegen ihrer Religion, ihrer politischen Einstellung, ihrer Sexualität.«

Im Anschluss legten Stadtverordnetenvorsteher Joachim Grußdorf, der Oberbürgermeister sowie der Leiter des Bezirksverbindungskommandos Gießen, Oberst Jürgen Marx, Kränze nieder. Weitere Kränze sind am Grabfeld für ausländische Soldaten, für die Opfer der Bombardierung Gießens anno 1944, zusammen mit der Jüdischen Gemeinde am Mahnmal für die deportierten und ermordeten jüdischen Bürger der Stadt, am Grabfeld für Fremdarbeiter sowie am Mahnmal für alle Opfer und Verfolgten des Naziregimes niedergelegt worden.

Auch interessant