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Überlebenschancen erhöhen

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Auch die Justus-Liebig-Universität Gießen ist an der Studie beteiligt: Neurologe Professor Manfred Kaps ist einer der Koautoren. Foto: Docter © Docter

Schlaganfall: Ein Team aus der mittelhessischen Hochschulmedizin- unter Beteiligung des Gießener Professors Manfred Kaps, hat eine Studie zur Behandlung von alten Menschen ab 90 Jahren vorgelegt.

Gießen (red). Behandelt man Patientinnen und Patienten mit Schlaganfall in Spezialabteilungen, sogenannten »Stroke Units«, verbessert dies die Überlebenschance selbst bei jenen, die 90 Jahre oder älter sind. Dies hat ein Team aus der mittelhessischen Hochschulmedizin um den Marburger Versorgungsforscher Prof. Max Geraedts durch die Analyse von Krankenkassendaten herausgefunden. Hochbetagte werden seltener in spezialisierten Schlaganfallstationen behandelt als Jüngere, obwohl sie davon ebenso profitierten, schreiben die Autorinnen und Autoren in »Age and Ageing«.

»Mit zunehmender Lebenserwartung ist mit immer mehr Schlaganfällen zu rechnen, besonders bei Hochbetagten, die danach vergleichsweise schlechte Prognosen haben«, so der Arzt und Gesundheitswissenschaftler, der die Studie leitete. Spezialisierte Schlaganfallabteilungen liefern ein besseres Ergebnis für die eingelieferten Patienten: Sie haben eine größere Chance, länger zu überleben und unabhängig zu bleiben, als wenn die Behandlung in einer anderen Station erfolgt. Ob dies auch für Hochbetagte gilt, war bisher unklar. Jedenfalls werden sie, zumindest in der Bundesrepublik, seltener in spezialisierten Stationen behandelt. »Einige Ärzte scheinen nicht davon überzeugt, dass ältere Menschen ähnlich große Vorteile aus einer spezialisierten Behandlung ziehen wie Jüngere«, vermutet Geraedts.

Profitieren speziell 90-Jährige und Ältere nach einem Schlaganfall von einer Behandlung in einer Schlaganfallstation? Verändert sich dadurch der Langzeitverlauf und das Sterblichkeitsrisiko, die Gefahr erneuter Schlaganfälle und der langfristige Pflegebedarf? »Die Datenlage hierzu war bislang dünn«, führt der Neurologe Professor Manfred Kaps von der Justus-Liebig-Universität Gießen aus, einer der Koautoren; »bisherige Studien liefern kein klares Bild.« Um das zu ändern, analysierte das Team um Geraedts Daten von Patientinnen und Patienten, die in den Jahren 2007 bis 2017 erstmalig als Notfälle mit einem Schlaganfall in ein Krankenhaus eingeliefert wurden. Wie groß war bei ihnen die Sterblichkeit nach zehn, nach 30 und nach 90 Tagen sowie nach einem Jahr, nach drei und nach fünf Jahren?

Die Studie umfasst Daten von mehr als 29 000 Seniorinnen und Senioren im Alter ab 90 Jahren. Das Ergebnis: In den Jahren von 2007 bis 2017 behandelten die Spezialstationen für Schlaganfall 57,1 Prozent der unter-90-Jährigen, aber nur 49,6 Prozent der Patienten im Alter von 90 Jahren und darüber. Im ersten Jahr nach dem Schlaganfall starben 61,9 Prozent der Hochbetagten ohne Behandlung in einer Stroke Unit, aber nur 56,9 Prozent, die in einer Spezialabteilung behandelt worden waren.

Das Sterberisiko wird durch Behandlung in einer Spezialabteilung also erheblich reduziert. Warum sinkt dann mit steigendem Alter kontinuierlich der Anteil von Patienten, die in Spezialabteilungen behandelt werden? Die Autoren bieten verschiedene Erklärungen an: »Einerseits kann der Befund darauf zurückzuführen sein, dass bei Älteren zunehmend Patientenverfügungen vorliegen und die Menschen eine palliative Behandlung bevorzugen; andererseits könnten die Ergebnisse auf eine unbewusste Altersdiskriminierung hinweisen«, legt Geraedts dar.

Professor Geraedts lehrt Sozialmedizin und Versorgungsforschung an der Philipps-Universität Marburg. Neben Geraedts Arbeitsgruppe und Manfred Kaps beteiligten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum, der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Landesarbeitsgemeinschaft Qualitätssicherung Hessen und des Wissenschaftlichen Instituts der Allgemeinen Ortskrankenkassen an der Studie. Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses, einer Einrichtung der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, unterstützte die zugrundeliegende Forschungsarbeit finanziell.

Die mittelhessische Hochschulmedizin in Marburg und Gießen bildet einen der großen Forschungsbereiche im Forschungscampus Mittelhessen (FCMH). Foto: privat

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Prof. Max Geraedts © Red

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