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Um fünf vor Zwölf kein Halten mehr

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Nach dem Sieg von Eintracht Frankfurt im Finale der Europa League herrscht in der Gießener Ludwigstraße Jubel, Trubel, Heiterkeit. Den unvermeidlichen Polizeieinsatz gibt es aber auch.

Gießen . Fünf vor Zwölf, oder genauer gesagt: fünf Minuten vor Mitternacht brach der Jubel in der Ludwigstraße los. Als just in jenem Moment in Sevilla Rafael Borré den entscheidenden Elfmeter ins Netz schoss, da gab es kein Halten mehr unter den zahlreichen Fans, die in unmittelbarer Nachbarschaft dies- und jenseits des Bahndamms nach 120 dramatischen Minuten und einem packenden Elfmeterschießen endlich den Europa-League-Triumph von Eintracht Frankfurt bejubeln konnten. Und dann gab es sprichwörtlich kein Halten mehr, es wurde auf den Tischen getanzt, Emotionen freier Lauf gewährt.

Pünktlich im 21 Uhr zum Anstoß ging in »Zwibbbel« und »Apfelbaum« nichts mehr, mussten Ordner potenzielle Besucher der beiden größten Public-Viewing-Veranstaltungen in der Stadt an diesem Abend abweisen. Während in der »Zwibbel« eine Großleinwand und ein Großbildschirm aufgebaut waren, gab es im »Apfelbaum« eine 270-Grad-Vollversorgung mit einer Großleinwand, einer kleinen Leinwand sowie vier Bildschirmen, auf denen das Finale verfolgt werden konnte.

Stehplätze auf dem Bürgersteig

Selbst auf dem Bürgersteig vor der »Zwibbel« verfolgten zahlreiche Fans das Spiel, während jenseits des Bahndamms im »Ritzis« auf dem Biergartenareal noch ein bisschen Platz war. Im Kaffee Wolkenlos in der Goethestraße, wo sich ebenfalls zahlreiche Eintracht-Fans versammelt hatten, gab es ebenfalls nur noch Stehplätze auf dem Bürgersteig. Fast drei Stunden dauerte es dann letztendlich an diesem herrlichen Frühlingsabend, bis der Pokal in hessischen Händen war. Mancher dürfte dieses Fußballereignis so schnell nicht vergessen. Es war nicht nur aufgrund des Sieges so ein ganz anderes Fußball-Fest als im vergangenen Jahr, als die Europameisterschaftsspiele nur mit 3G-Regeln und oftmals mit Mundschutz verfolgt werden konnten und dann noch die Niederlage des deutschen Mannschaft hinzukam.

Nicht anders, sondern immer wieder gleich, sind Einsätze der Polizei nach solchen Fußballereignissen. So waren die Beamten auch in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in Gießen unterwegs, um Feiernde »im Zaun zu halten«. Laut Pressesrpecher Guido Rehr stellte das Gros der Einsätze Ruhestörungen dar. Vereinzelt wurden Böller oder Abschüsse von Feuerwerksraketen gemeldet, allerdings hätten Polizisten auch konsequent einschreiten müssen.

Gegen 1 Uhr versammelten sich rund 250 Fußballbegeisterte am Uni-Vorplatz. Sie blockierten die Ludwigstraße und umringten Fahrzeuge. Hierbei trug ein betrunkener Fan Verletzungen davon, nachdem ihm ein Auto über den Fuß gerollt war.

Weil er mit den Fäusten auf die Motorhaube eines Funkwagens trommelte und einen Schaden von rund 500 Euro zurückließ, nahmen Polizisten einen 26-Jährigen fest. Währenddessen solidarisierten sich einige Passanten mit dem Gießener und setzten die Streifenbesatzung kurzzeitig unter Druck.

In der Folge verstärkte die Polizei deutlich ihre Präsenz in der Ludwigstraße und sperrte die Fahrbahn für den Verkehr. Nach Lautsprecherdurchsagen verließen die Feierenden die Fahrbahnen wieder und sammelten sich auf dem Uni-Vorplatz, auf dem bis etwa 2 Uhr weiter gefeiert wurde. Der 26-Jährige pustete 1,99 Promille und wurde im Polizeigewahrsam ausgenüchtert.

Seine Rechtfertigung ließ die Ordnungshüter kopfschüttelnd zurück: Man dürfe doch auch mal betrunken auf einen Streifenwagen trommeln, das mache doch jeder mal, so seine Begründung. Einschränkend erklärte er, dass er dies bei einem Rettungswagen selbstverständlich nicht getan hätte. Den Gießener erwartet eine Strafanzeige wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung - auch deshalb wird er diesen Abend bestimmt nicht vergessen.

Glühwein statt Äppelwoi

Am 10. August dürfte es eine Neuauflage des Fan-Treibens geben, wenn dann die Eintracht das UEFA-Supercupfinale gegen den Champions League-Sieger Liverpool oder Real Madrid in Helsinki bestreitet. Weil die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar am 21. November startet, dürfte es angesichts der bisherigen WM-Sommer(märchen)-Veranstaltungen samt Public Viewing wohl eher etwas mit Glühwein und Lebkuchen statt wie am Mittwoch mit Bembel, Brezel und Äppelwoi geben.

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