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Und plötzlich ist das Licht weg

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Von: Eva Pfeiffer

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Kerze statt Deckenleuchte: Ende des Jahres soll ein Einsatzplan für einen potenziellen langandauernden Stromausfall vorliegen. Dessen Ausarbeitung hatten der Landkreis und die 18 Kreiskommunen bereits 2019 beauftragt. Symbolfoto: dpa/Julian Stratenschulte © Red

Was passiert eigentlich, wenn es zu potenziell langandauernden Stromausfällen kommt? Stadt Gießen, Landkreis und die Stadtwerke erklären, wie sie sich darauf vorbereiten,

Gießen . Kein Licht, kein Internet, kein Fernseher: Ihren Donnerstagabend haben sich die betroffenen Gießener vermutlich anders vorgestellt, als im Oktober in Teilen der Stadt der Strom ausfiel. In einem Verteilergebäude im Schiffenberger Tal war eine Leitung durchtrennt worden, ohne »Saft« waren anschließend Teile des Schiffenberger Weges und der Licher Straße, die Rivers, der Eichendorffring, Petersweiher und das Europaviertel. Auch Kreiskommunen waren von dem Blackout betroffen, der größtenteils bereits nach weniger als 20 Minuten behoben war. Doch was, wenn es nicht so schnell geht und es angesichts der Energiekrise im Winter häufiger zu Stromausfällen kommt?

Für den Landkreis und alle 18 Kommunen werden für einen potenziellen langandauernden Stromausfall derzeit Einsatzpläne erstellt, die Ende des Jahres vorliegen sollen. Das teilte Kreisbrandinspektor Mario Binsch auf Anfrage mit.

Pläne für alle Kommunen

Diese Einsatzpläne sind jedoch keine Folge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine: Bereits im Oktober 2019 hätten die Kommunen und der Landkreis vereinbart, eine Firma damit zu beauftragen. »So werden 18 kommunale ›Einsatzpläne Stromausfall‹ erstellt, und auf die 18 örtlichen Planungen aufsattelnd wird dann ein Einsatzplan für den Landkreis entwickelt, für den Fall, dass die Landrätin den Katastrophenfall feststellt.« Aktuell erfasse die beauftragte Firma die einzelnen Daten von mehr als 700 Objekten, die als kritisch eingestuft wurden.

Kommt es zu einem Ausfall des Stromnetzes - wie etwa im Oktober -, informiere der Energieversorger unverzüglich die Zentrale Leitstelle des Landkreises, diese dann den Führungsstab und in der Folge die betroffenen Bereiche, beschreibt Binsch das Vorgehen. Der Führungsstab stimme die Maßnahmen mit dem Energieversorger und den betroffenen Kommunen ab.

Nach dem Stromausfall im Oktober war die Zahl der Notrufe in der Leitstelle des Landkreises stark angestiegen, der Führungsstab habe die Bevölkerung auch über das Warn- und Informationssystem »KatWarn« informiert. Der Landkreis empfiehlt, neben KatWarn ebenso die anderen Warn-Apps »HessenWarn« und »Nina« auf dem Smartphone zu installieren.

Doch was, wenn ein Stromausfall länger andauert und weder Internet noch Telefon nutzbar sind? Wie hält die Stadt Gießen dann den Kontakt zu den Menschen? Sollte wegen eines Stromausfalls keine Online-Kommunikation möglich sein, würden die Bürgerinnen und Bürger über Fahrzeuge mit Lautsprecheranlagen informiert, teilt Stadtsprecherin Claudia Boje auf Anfrage mit. »Außerdem empfiehlt es sich für einen solchen Fall, ein batteriebetriebenes Radio (inklusive Batterien) bereitzuhalten.«

Zudem sollen die Warnsignale via Sirenen demnächst nochmals getestet werden. »Es gilt, diese Alarmierungen wieder ins Gedächtnis zu bringen. Genau für solche Fälle sind sie gemacht - auch wenn sie bislang glücklicherweise nur zu Testzwecken jeweils aktiviert wurden«, heißt es von der Stadt.

Sofern die Art des Notfalls es nötig mache, fänden sich etwa auf der Internetseite der Stadt und auf den offiziellen Social-Media-Kanälen Informationen zu Melde- beziehungsweise Anlaufstellen (»Katastrophen-Leuchttürme«). Bei größeren Ereignissen würden Presse und Rundfunk verständigt.

Notstromaggregate für das Rathaus

Für den Notstrom-Betrieb der kritischen Einrichtungen sind laut Kreisbrandinspektor Mario Binsch die jeweiligen Betreiber verantwortlich - also beispielsweise die Rathäuser, die Feuerwehren, Rettungswachen, Krankenhäuser, Altenpflegeheime, Trinkwasser- und Abwasserentsorger.

Für das Rathaus am Berliner Platz wird laut Claudia Boje zurzeit eine Versorgungsabsicherung über ein Notstromaggregat geplant. »Ziel ist es, für den Krisenfall die wichtigsten Funktionen der Stadtverwaltung über eine gewisse Zeit zu erhalten.« Im Bereich der Feuerwehr sei die Feuerwache in der Steinstraße über eine fest installierte Netzersatzanlage (Notstromaggregat) abgesichert, auch das Gefahrenabwehrzentrum werde bei Stromausfall über eine solche Anlage versorgt, außerdem verfüge die Feuerwehr über 25 mobile Notstromaggregate.

Auch bei den Stadtwerken Gießen (SWG) hat man entsprechend vorgesorgt: »Um weiterhin handlungsfähig zu bleiben, haben wir für lokale Stromausfälle in unserem Verteilnetz eigene Vorkehrungen getroffen und halten geeignete Notstromaggregate vor«, teilt Unternehmenssprecher Ulli Boos mit. Im Fall eines langfristigen bundesweiten oder sogar europäischen Stromausfalls wären die SWG-eigenen Aggregate jedoch nicht in der Lage, die Stromversorgung für den kompletten Bereich Mittelhessen aufrechtzuerhalten.

Sollte es zu einem längerfristigen Blackout kommen, hätte dies auch Folgen für die Wasserversorgung. Kurzfristige Ausfälle - über wenige Stunden bis zu einem Tag - könnten Boos zufolge über die Hochbehälter ausgeglichen werden. »Für die Lieferung von Trinkwasser durch die SWG nach Gießen ist eine Stromversorgung in Queckborn ausreichend, da hier die einzige Pumpstation steht, die für den Transport des von uns geförderten Trinkwassers nach Gießen erforderlich ist.« Für den Fall eines Stromausfalls in Queckborn wäre der durch den Bund geförderte Ersatzstromversorger mit einer Leistung von 500 Kilowatt innerhalb von etwa zwei Stunden einsatzbereit. Die entsprechende Einspeisung im Wasserwerk sei vorbereitet. Mario Binsch verweist zudem auf 19 Notbrunnen im Landkreis, die bei Bedarf aktiviert werden könnten.

Lange vor der aktuellen Krise hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Notfallpläne auf seiner Internetseite zusammengestellt: Informationen für das richtige Verhalten bei Sturm oder Hochwasser, die perfekte Vorratshaltung, um im Fall der Fälle mehrere Tage zu Hause überbrücken zu können oder auch Tipps, wie man gut und sicher durch einen Stromausfall kommt. Wer neben Taschenlampen, Batterien oder Kerzen aber beispielsweise auch mit einem eigenen Notstromaggregat vorsorgen will, sollte besondere Vorsicht walten lassen. Die Umsetzung einer solchen Maßnahme sollte immer durch einen Elektrofachbetrieb erfolgen, betonen die Stadtwerke.

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