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Uni-Aula als »Höhle der Löwen«

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Die Gründerinnen und Gründer bei der Verleihung des Gründungslabels 2022 in der Uni-Aula. © Leyendecker

Gießen. Pioniere und Start-up-Gründer schafften es im Laufe der Jahrzehnte immer wieder, die Welt zu beeindrucken oder zu verändern. Seien es Bill Gates, Jeff Bezos oder Elon Musk - sie alle hatten die eine, zündende Idee, die die Welt am Ende veränderte. Ob Microsoft, Amazon oder Tesla, all diese Projekte waren einst Start-up-Unternehmen. Der Capital Contest 2022 des Verbundprojekts StartMiUp der Justus-Liebig-Universität (JLU) möchte ebenfalls den Nährboden für Ideen aller Art schaffen.

Gründungsteams der JLU, der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und der Philipps-Universität Marburg kamen am Donnerstag zusammen und präsentierten ihre innovativen und spannenden Ideen vor einer regionalen Investierendenjury. Am Ende stand nicht nur Wissen von Experten und Reichweite in der Region im Vordergrund, sondern auch sogenannte Intents of Invest - also Investitionserwägungen der einzelnen Experten. So wurde die Aula der JLU zum kreativen Raum für Ideen und Präsentationen, die hybride Veranstaltung ermöglichte auch eine digitale Teilnahme.

Die Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der JLU, Prof. Katharina Lorenz, betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung der Veranstaltung für die Hochschule, aber auch für die jungen Gründer. »Networking ist Ziel dieses Events. Das Foyer und die Aula haben die Aura eines Hipstercontests. Gründungsideen benötigen Mut, Kreativität und gute Netzwerke.« Das Event bündele die Stärken von THM, JLU und der Uni Marburg.

»Der Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft kann und soll hier gebündelt werden. Wir wollen Unterstützung geben, um Startergeschichten zu ermöglichen und in der Region mittelfristig einen noch stärkeren Wirtschaftsstandort erschaffen«, unterstrich Lorenz. Es sei elementar, die Innovationen an den Hochschulen voranzutreiben. Gleichzeitig sei es »bedauerlicherweise fraglich«, ob die Start-ups in der Region verblieben, sobald sie in den Markt eintreten.

»Wir wollen dennoch einen Beitrag zu den großen Fragen dieser Welt leisten. Wir als Hochschule sehen uns da in der Pflicht«, sagte Lorenz. In der Pflicht, Start-ups zu unterstützen, sah sich auch die Jury des Abends. Shahin Dashti ist als Investment Manager beim Investor Futury Capital tätig. Das Unternehmen legt den Fokus auf Tech-Start-ups in Deutschland und weltweit. Kevin Heidrich ist JLU-Alumni und brennt für disruptive Technologien, spannende Geschäftsmodelle und außerordentliche Gründer. Hierbei nimmt Heidrich verschiedene Perspektiven ein und greift auf persönliche Erfahrungen aus dem In- und Ausland zurück.

Intents of Invest

Dr. Wolfgang Lust ist Geschäftsführer der LBI Holding GmbH & Co. KG und verantwortete unter anderem den Umbau des Alten Schlachthofs in Gießen und den 2018 eröffneten Co-Working-Space BetaBox. Vor seinem Einstieg in die Immobilien- und Start-up-Szene war er Eigentümer und Geschäftsführer einer Unternehmensgruppe mit über 1000 Mitarbeitern. Marco Winzer ist Partner beim High-Tech Gründerfonds, seit dessen Gründung mit dabei und hat beim Aufbau des Fonds mitgewirkt. Der diplomierte Volkswirt verfügt über langjährige Erfahrungen in der Finanzierung von Start-up-Unternehmen. Wem jetzt das Gefühl kommt, Gießen könne seine eigene Show nach dem Gusto von »Die Höhle der Löwen« erschaffen haben, wo Start-ups vor Investoren Rede und Antwort stehen müssen, der irrt sich nicht. Durchaus kritisch gingen die Experten mit den einzelnen Teams nach dem siebeneinhalbminütigen Vortrag in die Diskussion.

Die fünf facettenreichen Teams hatten inhaltlich durchaus verschiedene Ansatzpunkte. Die Gruppe »Maple Tales« bot anhand einer kreativen Erschaffung von Geschichten dem Grundschulkind einen perfekten Einstieg in die Welt des Lesens. Ob beim Kauf oder Verleih eines Buches, in der Schule oder auf dem Smartphone, das Team verfolgte den Grundsatz der schwedischen Autorin Astrid Lindgren: »Wie die Welt von morgen aussehen wird, hängt in großem Maß von der Einbildungskraft jener ab, die gerade jetzt lesen lernen.«

»Fit with Hit« hingegen setzte auf die technische Komponente ihres Projekts. Eine künstliche Intelligenz, die parallel zur Endoprothesenimplantation die Hammerschläge analysiert und für den Orthopäden visualisiert. Dadurch kann der kritische Moment der Festigkeit signalisiert werden, um das Risiko einer Beschädigung zu minimieren.

»TradingAngel« erzählte die Geschichte von mittelständigen Unternehmen und wie diese durch die künstliche Intelligenz und revolutionäres Investment von Liquidität Vorteile der Automatisierung wertstiftend und finanzierungssichernd nutzen. Kulinarisch wurde es bei dem Projekt »herzhaft«. Das Food-Start-up steht für herzhafte, gesunde, pflanzliche und biologische Snacks, welche dazu inspirieren sollen, sich gesünder und nachhaltiger, aber ohne Verzicht, zu ernähren.

Den Abschluss des Programms machte »Prombyx«, die Seidenraupenpuppen als hochwertige Proteinquelle für europäische Tierfutterproduzenten erschließen. Intents of Invest gab es für Maple Tales und herzhaft gleich zweimal, einmal für Fit with Hit und dreimal für Prombyx. Für die jungen Start-up-Unternehmen bietet sich künftig so die Möglichkeit, ihre Ideen weiter zu verfeinern und marktreif zu gestalten.

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