Uni Gießen und Botanischer Garten weiterhin dicht

  • schließen

GIESSEN - (hh). Inständig gehofft haben vor allem die Studienanfänger und Zweitsemester, dass sie einige Veranstaltungen im Sommer gemeinsam mit ihren Kommilitonen besuchen können. Zumal die Zahl der Neuinfektionen lange Zeit konstant rückläufig war. Das hat sich inzwischen indes geändert. Folglich scheint ein hybrides Semester mit analogen und virtuellen Treffen kaum zu realisieren.

Deshalb hat der Krisenstab der Justus-Liebig-Universität (JLU) in einer Rundmail mitgeteilt, dass die Parole im Sommersemester erneut "maximal digital" lauten wird. Zumindest bis Ende April soll auch der Botanische Garten geschlossen bleiben.

"Es ist eine frustrierende Mischung, mit der wir tagtäglich konfrontiert werden: Auf der einen Seite werden die Tage länger, die Temperaturen steigen langsam, und die Politik lockert teilweise die strengen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie. Gleichzeitig geht die Tendenz bei den Infektionszahlen nach oben, der Anteil der ansteckenderen Virusmutationen steigt nachweislich, die Warnungen vor einer dritten Welle werden immer lauter, und Deutschland hat bei den Impfungen noch immer nicht genügend Fahrt aufgenommen. Eine Pandemie ist eben nicht nur deshalb vorbei, weil wir alle keine Lust mehr darauf haben", heißt es in dem internen Schreiben, das auch dem Anzeiger vorliegt. Vor diesem Hintergrund hat sich nun der Krisenstab mit den Vorbereitungen für das kommende Sommersemester beschäftigt. "Angesichts der Prognosen für das Infektionsgeschehen in den nächsten Wochen und Monaten halten Präsidium und Dekanate zum jetzigen Zeitpunkt eine Ausweitung des Präsenzbetriebs nicht für verantwortbar", wird unmissverständlich mitgeteilt.

"Wir sehen daher keine Alternative dazu, erneut in ein maximal digitales Sommersemester einzutreten, in dem nur diejenigen Lehrveranstaltungen vor Ort durchgeführt werden, bei denen die Präsenz für Kompetenzerwerb und Studienerfolg zwingend erforderlich ist. Wir werden natürlich das Infektionsgeschehen im Auge behalten und uns vor den Pfingsttagen darüber austauschen, ob in der zweiten Hälfte der Vorlesungszeit des Sommersemesters Änderungen im Lehrbetrieb möglich sein werden", teilt die Hochschule mit.

Daten und Prognosen

"Nach den jetzt vorliegenden Daten, Modellen und Prognosen stehen wir sicherlich vor einem extrem schwierigen zweiten Quartal 2021, in dessen Verlauf hoffentlich ein zunehmend höheres Tempo bei den Impfungen erreicht werden wird." Da in diesem Zusammenhang möglicherweise auch Fragen nach den viel diskutierten Schnell- und Selbsttests aufkommen, informiert die Hochschulleitung darüber, dass die aktuell noch sehr unübersichtliche Situation sehr aufmerksam beobachtet werde. Etwa mit Blick auf die rechtlichen Grundlagen und die Aussagekraft der Tests sowie die Konsequenzen aus Testergebnissen. Allerdings werde derzeit nicht davon ausgegangen, dass diese Tests im Lehr- und Forschungsbetrieb wesentlich weiterhelfen oder gar zu größeren Öffnungsschritten führen könnten.

"Was das Infektionsgeschehen an der JLU angeht, so können wir immerhin mitteilen, dass unsere Hygienekonzepte ganz offensichtlich funktionieren und dass es seit Beginn der Pandemie nicht zu Ausbrüchen innerhalb der Universität gekommen ist - weder innerhalb der Verwaltung noch in Lehre und Forschung. Das betrifft auch die Prüfungen im Präsenzformat, gegen die es auch Vorbehalte gab."

In der letzten Bund-Länder-Runde wurde auch eine Öffnung der Botanischen Gärten vereinbart, allerdings nur in Verbindung mit einem Buchungssystem und einer Einlasskontrolle. Da der Botanische Garten der JLU darauf nicht eingerichtet ist, bleibt die "Grüne Lunge in der Stadt" - auch angesichts des weiterhin sehr beunruhigenden Infektionsgeschehens - zunächst bis Ende April für die Öffentlichkeit geschlossen. Die Mitteilung endet mit dem Appell, sich angesichts der zahlreichen Öffnungsschritte nicht in falscher Sicherheit zu wiegen und die Pandemie weiterhin sehr ernst zu nehmen.

Offener Brief

Derweil hat sich der ehemalige Gießener Bürgermeister Lothar Schüler wegen der weiteren Schließung des Botanischen Gartens in einem Offenen Brief an die JLU, die Stadt sowie den Freundeskreis Botanischer Garten gewandt. Darin rägt er einen "Öffnungs- und Schließdienst mit Pandemieauflagen" an - also mit Maskenpflicht und Abstandsregeln. Ferner schlägt er vor, dass die Anzahl der Besucher begrenzt wird und jeder Nutzer am - einzigen - Eingang in der Sonnenstraße einen Pfandbon zum Preis von fünf Euro erwerben kann. Darauf werden die jeweiligen Kontaktdaten vermerkt, und nach einer festgelegten Verweildauer wird die Pfandsumme zurückerstattet. "Wird die Zeit überschritten, gibt es kein Geld zurück." Schülergruppen könnten einen kostenlose Schein erhalten, und ihr Lehrer müsse Sorge dafür tragen, dass die Gruppe den Botanischen Garten wieder geschlossen verlässt. Überwacht werden könnte dieses Verfahren durch die Beschäftigten, die durch die Nicht-Öffnung zum Teil arbeitslos seien.

Das könnte Sie auch interessieren