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Uni mit Geldsorgen

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Von: Eva Pfeiffer

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Ein deutliches Plus für das Jahr 2021, aber trotzdem Geldsorgen: Die Finanzsituation an der JLU ist angespannt. Symbolfoto: dpa/Andrea Warnecke © Red

Trotz Plus bei Jahresabschluss 2021: Energiekrise und Inflation belasten die Finanzen der JLU

Gießen . Es klingt paradox: Die Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen schließt das Jahr 2021 mit einem Plus in Höhe von 16,5 Millionen Euro ab und muss angesichts von Energiekrise und Inflation laut Kanzlerin Susanne Kraus »schon jetzt jeden einzelnen Cent umdrehen«. Denn das Millionen-Plus sei »nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht«, betonte die Kanzlerin in der Sitzung des Uni-Senats am gestrigen Mittwoch.

Mit den 16,5 Millionen Euro habe die Universität eigentlich »dringend benötigte Sanierungs- und Baumaßnahmen« umsetzen wollen, die jedoch insbesondere aufgrund von Lieferkettenproblemen und Fachkräftemangel nicht durchgeführt werden konnten. Das Geld wird also noch ausgegeben - nur später. »Das Geld ist bereits gebunden und eröffnet leider keine neuen Handlungsspielräume«, heißt es in einer Pressemitteilung. Es könne daher laut der Kanzlerin auch nicht verwendet werden, um die massiven Energiekosten zu stemmen.

Zehn Millionen Euro mehr für Energie

Derzeit rechnet die Hochschule für das Jahr 2022 mit Kostensteigerungen in Höhe von zehn Millionen Euro, sofern die bereits angestoßenen Energiesparmaßnahmen nicht doch noch für einen deutlich geringeren Verbrauch sorgen. JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee wies zudem darauf hin, dass nicht nur in diesem Jahr beträchtliche Mehrkosten auf die Uni zukommen, sondern die Energiekosten langfristig ein höheres Niveau haben werden. Es gebe »Handlungsbedarf über den Winter hinaus«, die Hochschulen könnten es alleine auf lange Sicht nicht stemmen.

Auch die Inflation und insbesondere die Steigerung der Baupreise um 14 Prozent wirke sich negativ auf die Universität aus. Kanzlerin Kraus verwies zudem darauf, dass der bestehende Stromvertrag Ende des Jahres ausläuft, die JLU rechnet mit massiven Preissteigerungen.

Auch wenn die JLU im nächsten Jahr aufgrund des laufenden Hochschulpakts mehr Geld vom Land erhält, würden die Energiekosten damit nicht aufgefangen. Denn das Geld sei beispielsweise für eine verbesserte Betreuungsrelation vorgesehen oder um mehr Dauerstellen in der Wissenschaft zu realisieren.

Die aktuellen Krisen »bringen uns in eine schwierige Situation, die wir alleine nicht lösen können«, sagte Kraus. Es brauche daher dringend Unterstützung von Bund und Ländern für die Hochschulen, auch um die Entwicklung der JLU nicht zu gefährden. »Wir hoffen sehr, dass der geplante 200-Milliarden-Euro-Schutzschirm auch den Hochschulen substanziell bei der Bewältigung der Energiekrise helfen wird.« Bislang sei jedoch noch alles offen, »das stellt uns vor Herausforderungen bei der Budgetplanung«.

Inflation und Energiekrise »überschatten die positive Entwicklung« des vergangenen Jahres, betonte die Kanzlerin. Die Erträge der JLU sind 2021 um etwa 33 Millionen Euro auf 472,2 Millionen Euro gestiegen. Ein deutliches Plus gab es auch bei den Drittmitteleinnahmen der JLU: Rund 92,5 Millionen Euro konnten eingeworben werden, fast acht Millionen Euro mehr als im Vorjahr - insbesondere von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie der Europäischen Union.

Insgesamt hat die JLU eigene Einnahmen in Höhe von 128,5 Millionen Euro erzielt. Dazu zählen zusätzlich zu den Drittmitteln weitere Forschungsfördermittel aus dem Landesexzellenzprogramm LOEWE in Höhe von 7,3 Millionen Euro sowie Einnahmen aus anderen Aktivitäten im Umfang von 28,7 Millionen Euro. Die JLU erhielt darüber hinaus Mittel des Landes in Höhe von 12,8 Millionen Euro für die Durchführung von Projekten im Bereich der Digitalisierung sowie für Innovationen und die Weiterentwicklung ihrer Strukturen, insbesondere im Bereich der Nachhaltigkeit.

Das Eigenkapital ist um 7,9 Millionen Euro auf rund 110 Millionen Euro gestiegen, die finanziellen Mittel erhöhen sich um 14,8 Millionen Euro auf rund 153 Millionen Euro.

55,8 Millionen Euro hat die Uni 2021 in ihre Infrastruktur investiert. Allein 26,5 Millionen Euro wurden im Philosophikum für den Neubau des Graduate Centre for the Study of Culture und dortige Infrastrukturmaßnahmen verwendet. 24,3 Millionen Euro wurde in die Ausstattung der Gebäude mit Anlagen und wissenschaftlichen Geräten gesteckt.

Der neue Hochschulpakt verbessere zwar die Einnahmensituation der Universität. Die Gesamtfinanzsituation sei jedoch angesichts von Energiekrise, Inflation und den zusätzlichen Finanzierungsaufgaben im Rahmen des Hochschulpakts »äußerst angespannt«. Vor diesem Hintergrund sei es »unabdingbar, den eingeleiteten Konsolidierungsprozess fortzusetzen«.

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