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Unterbringung in Klinik bis zur Rückkehr nach England

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Gießen (bcz). »Ich wünsche Ihnen, dass bald alles so klappt, wie wir es hier besprochen haben«, schloss Richter Dr. Johann-Gottfried Lessing das Sicherungsverfahren um einen Somalier, der im vergangenen August sein Zimmer in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (EAEH) angezündet hatte. Ihm wurde schwere Brandstiftung in Verbindung mit fahrlässiger Körperverletzung zur Last gelegt.

Da der 44-Jährige zum Tatzeitpunkt allerdings unter akuter paranoider Schizophrenie litt, gilt er als schuldunfähig. Daher ordnete die 6. Große Strafkammer des Gießener Landgerichts die fortdauernde Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung an.

Der Beschuldigte habe sich verfolgt gefühlt und geglaubt, dass überall im Raum und auch in seiner Kleidung Kameras angebracht gewesen seien. Mit dem Brand habe er nur auf sich aufmerksam machen wollen. »Das war aber die schlechteste Idee«, sagte der Vorsitzende Lessing dazu. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten für den Beschuldigten gleichermaßen die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragt, wo er bereits seit dem Brand aufgenommen ist.

Hier wird er auch bleiben, bis sämtliche Papiere für seine Rückkehr nach England vorliegen. Denn dort lebte der Mann vor seiner Einreise nach Deutschland und dorthin möchte er wieder zurück. Dank der guten Zusammenarbeit sei schon vorbereitet, dass der 44-Jährige auch in England psychologisch weiter betreut werde, führte der Staatsanwalt aus. In seinem Schlusswort sagte der Beschuldigte, dass er die Tat bereue und er wieder nach England, seinem Zuhause, zurückkehren wolle, um sich ein neues Leben aufzubauen.

Ursprünglich war geplant, dass er mit Auflagen entlassen wird, um tags darauf in den Flieger zu steigen und nach Großbritannien zurückzukehren. Doch am Tag des Urteils fehlten notwendige Ausreisedokumente, sodass dem Richter nichts anderes übrig blieb, als den Maßregelvollzug in der Klinik anzuordnen. Insgesamt zeigte er sich sehr verständnisvoll für die Situation des Asylsuchenden: »Die Zeit, die Sie hier noch verbringen, ist nicht verloren. Nutzen Sie sie.« Lessing betonte aber auch, dass der 44-Jährige mitarbeiten müsse, denn falls sich sein Zustand verschlechtere, könne er nicht entlassen werden. Schließlich ging von ihm eine akute Gefährdung für sich und andere aus, das habe die Tat gezeigt. Der Brand hat einen Schaden von rund 43 000 Euro verursacht, hinzukommen noch die Kosten der Evakuierungsmaßnahmen für die 73 Asylbewerber, die zum Tatzeitpunkt in dem Haus lebten. »Sie müssen weiterbehandelt werden«, sagte der Richter eindringlich in Richtung des Beschuldigten, der sich einsichtig zeigte und versprach, so etwas nie wieder zu tun.

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