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Noch ist es die Gießener Feuerwache - irgendwann wird es ein soziales Unternehmerschiff - oder doch zumindest der Sitz von »Social Entrepreneurship«.

Unternehmen Ungetüm

Gießen. Man kann ja sagen, was man will. Aber manches muss man nicht sagen. Fiel mir jetzt wieder auf. Steffen Freund, ehemaliger Blutgrätscher und nun wortgewandter Experte bei DAZN (das ist auch so ein Wort, von dem kaum einer weiß, was es soll) sprach letzthin ein Urteil, dem nicht zu widersprechen ist: »Gegen den Ball war die Eintracht schon immer eine Mentalitätsmannschaft.

« Hört, hört.

Nicht zu widersprechen ist dieser These, weil die Bildung der Antithese schlichtweg unmöglich ist, denn der Satz hat weder Hand noch Fuß. Nicht mal beim Fußball. Er ist, man verzeihe mir die Rüditität des Ausdrucks: gequirlte Kacke. Dass man Kacke quirlen kann, mag sein, schön ist diese Wortkombination aber auch nicht. Also weg von der gegen den Ball agierenden Mentalitätsmannschaft, hin zu schöngeistigeren Dingen.

Zum Popanz aufgeblasen

Zum Beispiel zum Kulturgewerbehof, der dort entstehen soll, wo jetzt noch die Feuerwehr ist, die nach Beschluss der Gefahrenabwehrverordnung vom jetzigen Standort der »Freiwilligen Feuerwehr Gießen Mitte« umziehen soll. Und zwar in ein so genanntes Gefahrenabwehrzentrum, Standort: Am alten Flughafen. Ein Gefahrenabwehrzentrum ist das städtebauliche Pendant zur fußballerischen Mentalitätsmannschaft. Oder es ist ein die Gefahren abwehrendes Zentrum, so wie der Kulturgewerbehof ein die Kultur hofierendes Gewerbe ist.

Nach solchen Wortungetümen bleibt von der Weisheit, man sei hinterher immer schlauer, nicht viel übrig. So ist das mit der Sprache, die von den sie nutzenden Menschlein, so genannten Sprachmentalitätsnutzern, oft zu einem Popanz aufgeblasen wird. So sagte die scheidende Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz unlängst: »Wir haben in der Stadt ein enormes Reservoir an Kunst, Kulturwirtschaft und« - Vorsicht, jetzt kommt’s: »Social Entrepreneurship.« Man muss sich nicht schämen, wenn man das Wort nachschlagen muss, um den Sinn zu erfassen. Und man darf das Wort auch nicht nach drei Herrengedeck (Pils plus Korn) aussprechen. Oh, Verzeihung. Auch nach drei Herrinnengedecken (Prosecco plus Hugo) ist es unaussprechbar. Und alle: »Social Entrepreneurship!«

Sagen Sie mal, Frau OB, was lesen Sie nur für Bücher? Ich weiß es. Denn es gibt ganz viel Literatur, die Entrepreneurship im Titel trägt. Das ist was für Businessinsider, die Start-Ups (im Gegensatz von Sit-Ups) für einen Beruf halten. Und Sprache für ein Mittel zum Zweck. Also: Im Grunde ist ein Entrepreneur ein Unternehmer. Ist eigentlich ganz einfach. Demzufolge ist »Social Entrepreneurship« ein soziales Unternehmerschiff. Oder eben irgendwas mit Kultur, was man zusammen macht, bevor man zur See fährt.

Wenn der Wiedehopf diesmal der Vogel des Jahres ist, dann ist Entrepreneurship ganz sicher das Wort des Jahres. Und TV-Kommentator Steffen Freund ist ein Vertreter der Frankfurter Schule. Im Gefahrenabwehrzentrum gegen den Ball.

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