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Unterwegs mit Thomas Bernhard durch Salzburg

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Zugegeben: das kleine Büchlein »Thomas Bernhards Salzburg« ist für ein spezielles Publikum gemacht. Entweder für Liebhaber Salzburgs. Oder für Liebhaber (der Literatur) Thomas Bernhards. Kommt beides zusammen an Liebhaberei, dann ist das von Nicolas Mahler mit leichter Hand gezeichnete und grafisch gestaltete Buch ein Muss. Freilich: Jeder, der es mit Thomas Bernhard hält, weiß, dass die Liebhaberei auch und vor allem eine Hassliebhaberei ist.

Der Grandseigneur des Grantelns geht, wenn er nach Salzburg hinein- und also in Salzburg herumgeht, immer auch im Bewusstsein des »menschenfeindlichen architektonisch-erzbischöflich-stumpfsinnig-nationalsozialistisch-katholischen Todesbodens« herum. In einer Stadt, die sich alles einverleibt, den Trakl und die Mozartkugel. Und längst ja auch den 1989 verstorbenen Bernhard, nach dem gar eine Straße benannt ist, freilich, wie sollte es anders sein, an einem anderen Ort als zunächst vorgesehen, weil sich Protest geregt hatte.

Bernhard zu entdecken ist die heilige Pflicht des Literaturliebhabers, der durchaus auch Salzburg lieben darf. Oder, wie die nicht minder großartige Ingeborg Bachmann schon 1969 über Bernhard schrieb: »Wie sehr diese Bücher die Zeit zeigen, was sie gar nicht beabsichtigen, wird eine spätere erkennen, wie eine spätere Kafka begriffen hat (...)«. Heute ist es längst an der Zeit, könnte man hinzufügen, das zu begreifen. Nicolas Mahlers Büchlein, in dem ein knubbeliger Bernhard durch Salzburg streift, eine Vielzahl seiner unsterblichen Zitate im Gepäck, leistet seinen Beitrag dazu. Mit dem Nachwort des wohl profundesten Bernhard-Kenners Manfred Mittermayer wird es zu einer nicht nur erquicklichen, sondern auch erhellenden Lektüre. Oder wie Bernhard schrieb: »Die Wahrheit ist im Grunde immer nur, daß man ein Aber dranhängt und den Satz vollendet.« Rüdiger Dittrich

Nicolas Mahler: Thomas Bernhards Salzburg. 96 Seiten. 15 Euro. Residenzverlag.

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