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Unterwegs zur anderen Seite

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Was mag wohl dahinter liegen? Das neue Tanzstück im Stadttheater Gießen sucht spielerisch nach Antworten. © dpa

Gießen. Der Mond steht für uralte Mythen wie für den Glauben an die Zukunft, für Ängste und Eroberungen, für poetische Annäherungen und für eine dunkle andere Seite. Ein weites Trabanten-Feld also, mit dem sich der neue, zweiteilige Tanzabend »Mond Morgen« beschäftigt, der am Samstag, 5. März, um 19.30 Uhr im Stadttheater Gießen uraufgeführt wird.

Eingeladen hat Gießens Ballettdirektor Tarek Assam dazu den italienischen Choreografen Mauro Astolfi, der in den vergangenen knapp 30 Jahren weltweit gearbeitet hat und mittlerweile als künstlerischer Leiter die internationale Projektfakultät Daf Dance in Rom leitet. Astolfi hat sich in seiner Annäherung an das Gießener Thema unter dem Titel »True Faith« mit der Wirkung beschäftigt, die der Mond auf die Menschen und ihre Beziehungen ausübt. Ihn faszinieren die »Mondphasen«, in denen die Menschen urplötzlich »gereizt, sprunghaft, unberechenbar sind«, wie er im Pressegespräch erzählt. In seiner rund 50-minütigen Choreografie zeigt er, wie Einzelne, Vereinzelte, Außenseiter einer Gruppe, einem Kollektiv gegenüberstehen. Musikalisch unterlegt werden diese Szenen mit Bearbeitungen von Johann Sebastian Bach, die der isländische Pianist Víkingur Olafsson eingespielt hat, sowie von zeitgenössischen, eigens für den Tanz geschriebenen Kompositionen.

Auf der Erde und im All

»Während Mauro auf der Erde bleibt, hebe ich ab ins All«, lacht Tarek Assam, der den zweiten, rund 40-minütigen Teil des Tanzabends gestaltet. Gießens Ballettdirektor zeigt sich fasziniert von der Idee, was alles »auf der anderen Seite« des Mondes liegen könnte. So wählte er einerseits einen poetischen Zugang zu dem Thema, mit lyrischen Texten von Klopstock oder Goethe, die dem Mond ihre Verse widmeten. Zudem geht es bei ihm um die wissenschaftlichen, auch um die absurden Seiten dieses Gedankenexperiments. Man stelle sich etwa vor, sagt Assam, eine uns fremde Entität entdeckt dereinst die Musikaufnahmen von Elvis oder »Mr. Sandman«, die von der Nasa mit einer Sonde ins All geschossen wurden. Solche Vorstellungen faszinieren den im Sommer scheidenden Ballettdirektor, der mit seiner letzten Gießener Choreografie unter dem Titel »The other Side« Situationen entstehen lässt, die der Mond in verschiedenen Phasen auslöst. Unterlegt werden die von ihm entwickelten Szenen von einem besonderen musikalischen Projekt. Neben zeitgenössischen elektronischen Klängen ist auch eine bislang unveröffentlichte Soundcollage des Münchners Markus Münch zu hören, der dazu Gespräche und Geräusche aus einem Apollo-Flug verwendet hat.

Die Kostüme kommen von Gabriele Kortmann, die »keine Astronauten-Märchen« abbilden wollte, sondern ihre textilen Entwürfe ohne »Gedöns, ohne Schnickschnack« gestaltete. »Das Stück soll schließlich eine Projektionsfläche bleiben«, sagt die Kostümbildnerin, die auch ein eigenes Atelier und Label betreibt.

Vor der Uraufführung des Stücks am Samstag konnte sich der Theaterverein Gießen bei seinem Monatstreffen vor einigen Tagen bereits von Tarek Assam über die neue Tanzproduktion informieren lassen. Viel »Kraft und Zeit« wurde allen Beteiligten der Produktion abverlangt, um ständig die Schutzmaßnahmen mit Tests, Abstandsregeln und Lüftungspausen einzuhalten, was die Probenarbeiten sehr belastet habe.

Probe mit Ton und Licht

Umso schöner und achtenswerter sei es, dass man sich nun trotzdem der Premiere nähere, freut sich die Vereinsvorsitzende Helga Göbel. Sie dankte Assam für sein Engagement, die Theaterfreunde exklusiv an der Arbeit der Tanzcompagnie teilhaben zu lassen. Anschließend erlebten die Mitglieder des Theatervereins eine Probe mit Ton und Licht auf der großen Bühne, bei der sie Astolfis Choreografie mit unterschiedlichsten Bewegungsabläufen kennenlernen konnten.

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