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»Vater« der »Drei Schwätzer«

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Der Künstler bei seinem Besuch zum 20. Geburtstag der »Drei Schwätzer« 2003 in der Kunsthalle Gießen. Foto: Klein © Klein

Für Gießen schuf er die lebensgroße Skulpturengruppe an der Plockstraße und auch einen der ersten Gießener Köpfe: Karl Henning Seemann. Am 17. Januar ist der Bildhauer verstorben.

Gießen. Außerordentlich beliebt war der Künstler Karl Henning Seemann mit seiner figurativen Kunst für den Stadtraum, da er sehr lebensnahe, fröhliche und dynamische Figuren gestaltete. Sein prominentes Werk in Gießen wurde am 4. September 1983 enthüllt, also vor rund 40 Jahren. Im Zuge der Neugestaltung der Plockstraße als Teil der Fußgängerzone stiftete die Volksbank Gießen die Skulpturengruppe aus Bronze. Bewegte Bilder von der Enthüllungszeremonie waren im vergangenen Sommer im Schlosshof zu sehen, als das Oberhessische Museum eingeladen hatte, alte Filme von Gießenern gemeinsam anzuschauen. Am 17. Januar ist der in Löchgau bei Stuttgart lebende Bildhauer im Alter von 88 Jahren verstorben.

Der Künstler war im September 2003 persönlich nach Gießen gereist, als anlässlich des 20. »Geburtstags« der »Drei Schwätzer« eine Ausstellung zu seinem Werk in der alten Kunsthalle gezeigt wurde. Die drei lebensgroßen Bronzefiguren in der Mitte des Selterswegs gehören zum Stadtbild von Gießen.

Die fülligen Körper stellen zwei Männer und eine Frau dar, die intensiv ins Gespräch vertieft sind. Sie sind beliebt, erhalten im Winter warme Schals oder Protestschilder umgehängt, sie wurden zu Comic-Figuren und kommentierten als solche das Stadtgeschehen, die zeichnerischen Umrisse zieren diverse Broschüren und Werbematerialien, auch städtische. Karl Henning Seemann lebte seit langem in Löchgau nahe Stuttgart, dort gibt es einen regelrechten Skulpturenpark von ihm. Er begann sein Kunststudium an der Ost-Berliner Akademie, wechselte 1955 in den Westen an die Hochschule Berlin-Charlottenburg.

Humorvolle Überzeichnung

Zunächst arbeitete er als Kunsterzieher an einer Schule in Mannheim, lehrte dann an den Fachhochschulen Braunschweig (1961) und Aachen (1972), schließlich als Professur an der Akademie Stuttgart von 1974 bis zur Pensionierung 1997.

Die humorvolle Überzeichnung von Alltagsfiguren wurde zu seinem Markenzeichen. Ihm gelang damit der »Sprung ins Lebensnahe« in der Skulptur. Vergleichbare Werke gibt es auch in anderen deutschen Städten.

Noch ein Seemann-Werk befindet sich im Stadtraum von Gießen: 2006 schuf er für das Projekt Gießener Köpfe einen der ersten Bronzeköpfe am Alten Schloss, den für Georg Büchner. Eine weitere Kleinskulptur ist im Alten Schloss zu bestaunen.

Der Künstlerkollege Nikolaus Koliusis aus Stuttgart, in Gießen ebenfalls wohlbekannt durch seine Blaue Kugel am Klinikum, würdigt ihn mit den Worten »Karl Henning Seemann war einer, der sich viele Gedanken gemacht hat, der viel gewusst hat und der bewusst war. Er war herzlich, und er war ein starker, ein wertschätzender und ein Werte schaffender Künstler.«

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