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Verschiedene Temperamente

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Die Tänzer Chiara Zincone und Jeremy Curnier im Rathaus-Atrium. Foto: Klein © Klein

Das TanzArt-Festival eröffnete in Gießen mit einer Ausstellung und Performance im Rathaus.

Gießen (dkl). Das TanzArt ostwest-Festival 2022 startete am Dienstagabend mit einer Ausstellungseröffnung im Rathaus-Atrium. Nach langer Zeit hängt wieder Kunst in den Gängen der oberen Ebenen. Paint’in’Motion nennen die Malerinnen Katja Ebert-Krüdener und Maria Miladinovic ihre Schau mit neuen Werken, entstanden in gemeinsamen Sitzungen mit Chiara Zincone und Jeremy Curnier von der Tanzcompagnie Gießen. Zur Vernissage sprachen Ballettdirektor Tarek Assam, der allen Beteiligten dankte und zu den diversen Veranstaltungen des Tanzfestivals einlud. Die Einführungsrede hielt Ludmila Zimmer. Höhepunkt des Abends war die Performance von Curnier und Zincone.

Inspirierende Zeit

Offensichtlich war die gemeinsame Zeit sehr inspirierend für beide Seiten. Die Malerinnen erlebten Körperästhetik und Tanzdynamik neu, Tänzer und Tänzerin schauten auch mal abwechselnd beim Malen zu. Die entstandenen Bilder zeigen die große Unterschiedlichkeit der Malerinnen im Malakt und Ausdruck, man könnte meinen höchst unterschiedliche Temperamente. Die beiden kennen sich seit dem Kunstpädagogikstudium an der Universität Gießen und sind befreundet.

Katja Ebert-Krüdener, geboren 1966 in München, beginnt mit Rastern und experimentiert mit Farbwerten. Sie spürt der Farbempfindung nach, zeichnet auf dem Tablet. Die kleinformatigen Ergebnisse sind in der Ausstellung als Fotoausdruck zu sehen. Die filigranen Motive ähneln Strukturen aus mikroskopischen Untersuchungen. Die großformatigen Ölmalereien setzt sie auf Folien, was einen leichten und schwebenden Eindruck vermittelt, außerdem geben die Rückseiten den Ausgangspunkt ihrer Farbforschung frei. Die streng geometrischen Raster mündeten in eine organisch-bewegte Farbflächen-Komposition.

Maria Miladinovic, geboren 1974 in St. Petersburg, konzentriert sich im Gegensatz zu früheren Arbeiten auf die Darstellung in Schwarzweiß. Sie habe sich mehr auf die Formen konzentrieren wollen, erklärt sie. Sie malt mit spontanem Gestus, fängt darüber Lebensenergie und Dynamik ein. Im tänzerisch-musikalischen Rhythmus kommen auch mal Schriftzeichen auf die Leinwand.

Chiara Zincone und Jeremy Curnier bespielten in ihrer Performance den gesamten Raum des hohen Atriums. Kichern aus der Musikkonserve begleitete den Start ganz oben auf der Galerie, als sie farbige Papierfalter nach unten warfen. »Die Farbe soll den Raum erobern«, erklärte Ebert-Krüdener dazu. Die Treppe wurde genutzt, die große Bodenfläche, nur der Aufzug war nicht benutzbar, da er nach 18 Uhr und dem Schließen der Ämter abgeschaltet wird. Curnier machte eine spontane Show daraus.

Wenige Hilfsmittel wie Hocker unterstützten den Tanz, zwei lange Papierbanner mit Miladinovic‹ Pinselspuren wurden auf dem Boden entrollt. Fast zum Mittanzen war eine Folklore-Musikeinspielung, bei der die beiden Reihentänze abstrahierten. So wie die Malerinnen auf ihren Bildern Körperästhetik abstrahierten. Begeisterter Applaus folgte. Das war ein sehr gelungener Abend, da waren sich alle einig.

Die Bilder hängen bis 14. Juni im Atrium, zu besichtigen während der üblichen Rathaus-Öffnungszeiten.

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