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Vielfalt für Jung und Alt

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Von: Ursula Hahn-Grimm

Debütromane und Ausgezeichnetes: Das Literarisches Zentrum Gießen stellt sein Programm von Januar bis April vor. Dabei gibt es auch zwei neue Formate.

Gießen. Mit mindestens zwei Neuerungen kann das Literarische Zentrum Gießen im neuen Jahr aufwarten. So erscheint künftig das Programm nicht mehr vierteljährlich, sondern nur noch dreimal im Jahr, diesmal also für die Monate Januar bis April. Das heißt: Mehr Veranstaltungen auf einen Blick, was für alle Seiten Vorteile hat. Dies betonten in der Programmpressekonferenz der LZG-Vorsitzende Sascha Feuchert sowie die beiden Geschäftsführerinnen Dr. Anika Binsch und Hannah Brahm.

Hinzu kommt ein neues Format, das bei vielen Mitgliedern mit Sicherheit auf großes Interesse stoßen wird: »Der LZG-Lesekreis liest…" wird erstmalig am 13. April um 19 Uhr im Kiz (Kongresshalle) angeboten. In seiner »Premiere« wird sich der Lesekreis mit Bernhard Schlinks aktuellem Roman »Die Enkelin« befassen. Die Moderation übernimmt Sandra Binnert (LZG), in entspannter Atmosphäre soll hier ein Werk der deutschen Gegenwartsliteratur besprochen werden. Dieses kostenlose Angebot richtet sich exklusiv an LZG-Mitglieder, eine Anmeldung ist erforderlich.

Start des Lesungsjahres ist bereits am 20. Januar mit dem Besuch der Marburger Autorin Stefanie vor Schulte , die ihren zweiten Roman »Schlangen im Garten« vorstellen wird. Die Autorin erzählt von dem ungewöhnlichen Trauerprozess einer Familie, die ihre Mutter verloren hat. Mit skurrilen Methoden versuchen die Familienmitglieder, mit dem Verlust umzugehen und schrecken damit nicht nur das örtliche »Traueramt« ab. (20. Januar, 18.30 Uhr KiZ, Moderation Nikolaus Webler (LZG).

Mit Barbara Yelin ist erneut die vielfach ausgezeichnete Comic-Künstlerin zu Gast beim LZG, die ihr Werk »Aber ich lebe« vorstellt. Basierend auf der Erinnerung von vier Kindern, die den Holocaust überlebt haben, erzählt es deren außergewöhnliche Geschichte. Moderatoren sind Thomas Möbius und Nina Hainmüller vom Institut für Germanistik der JLU. (Donnerstag, 2. Februar, 19 Uhr, Aula im Uni-Hauptgebäude).

»Aus unseren Feuern« ist der Titel des Debütromans von Domenico Müllensiefen . In diesem Nachwenderoman aus den Jahren der Baseballschläger geht es um drei junge Männer, die die Klasse, in die sie hineingeboren wurden, nicht als Schicksal hinnehmen wollen. (Freitag, 10. Februar, 19 Uhr, Prototyp, Moderation Marco Rasch (LZG)).

Es folgt ein Beitrag aus der neuen Lesereihe »Zu Wort kommen«, eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Stadttheater Gießen. Die finnisch-lettische Autorin Sofi Oksanen stellt ihren Roman »Hundepark« vor, in dem es unter anderem um Leihmutterschaften in der Ukraine geht. Das gleichnamige Drama wurde am 9. Dezember am Stadttheater Gießen uraufgeführt, die Lesung fiel aus Krankheitsgründen aus und wird nun nachgeholt. Aus dem Text lesen Schauspielerinnen des Stadttheaters, das Gespräch mit Moderatorin Sandra Binnert findet in englischer Sprache statt. (Freitag, 24. Februar, 20 Uhr, Kleines Haus des Stadttheaters).

Eine sarkastische Parodie auf deutsche Asylpolitik stellt der Roman »Hausers Ausflug« des Autors Steffen Mensching dar. Statt wie reguläre Passagiere in ihre Heimatländer geflogen zu werden, werden die Menschen in dieser Geschichte sediert in einer Kiste verstaut, wie ein Gepäckstück in ihre Heimatländer verschickt und mit einem Fallschirm über einsamen Landschaften abgeworfen. Dass er sich selbst einmal in dieser misslichen Lage befinden könnte, hatte Hauser nicht erwartet. (Mittwoch, 1. März, 19 Uhr, Moderation Sabine Heymann (LZG)).

Acht Tage später haben LZG-Besucherinnen und Besucher Gelegenheit, mit Autor Lukas Rietzschel und seinem Roman »Raumfahrer« einzutauchen in eine komplexe Familiengeschichte, in die Welt der Baselitz-Brüder und in eine Zeit großer gesellschaftlicher und politischer Umbrüche. Die Verletzungen jener Jahre scheinen sich durch Generationen hindurchziehen und nie zu verheilen. (Donnerstag, 9. März, 20 Uhr, Clemens von Brentano-Schule Staufenberg. Moderation Kirsten Prinz).

Mit Yade Yasemin Önders »Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron« präsentiert das LZG ein weiteres Romandebüt, das mit allen Leseerwartungen bricht. Die fragmentarische Erzählung dreht sich um eine junge Frau, die mit ihrem Körper, einer Essstörung und ihrer Identität ringt. Ein groteskes und düsteres, gleichzeitig aber auch ein komisches und anarchistisches Sprachereignis. (Mittwoch, 15. März, 19 Uhr, Prototyp. In Kooperation mit Zellkultur, Büro für angewandte Kultur und Bildung).

Am Internationalen Tag gegen Rassismus ist mit Slata Roschal eine Autorin zu Gast, deren Roman »153 Formen des Nichtseins« es 2022 auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat. Die 153 Fragmente des Buchs spiegeln die Identitätssuche der Protagonistin Ksenia wider, die zerrissen ist zwischen Welten, zwischen Kulturen, Sprachen, Religionen, Ängsten und Klischees. (Dienstag, 21. März, 19 Uhr, Hermann Levi-Saal Rathaus, Moderation: Vera Stelter, Büro für Integration der Universitätsstadt Gießen).

Auch Kinder brauchen diesmal nicht auf ein LZG-Angebot zu verzichten: Ende März können sie sich auf die faule Spinne Karl-Heinz und die quirlige Stubenfliege Bisy freuen. Bestsellerautor Kai Pannen nimmt die Leserinnen und Leser in seinem Buch »Ins Netz gegangen« mit auf ein turbulentes Abenteuer auf hoher See. Die Veranstaltung für Kinder ab fünf Jahren findet am Montag, 27. März, um 15 Uhr im Seminarraum im »Lahnfenster« (Bootshausstraße) statt.

Abschluss ist mit der bewährten Reihe »Frankfurt liest ein Buch - Gießen liest mit«. Zu Gast ist diesmal die Autorin Deniz Ohde mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Roman »Streulicht«, der es 2020 bis auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte. Die Autorin erzählt von der Angst, als Arbeiterkind nicht zu bestehen, von Ausgrenzung und Scham. Mit viel Einfühlungsvermögen geht Deniz Ohde den feinen Unterschieden in unserer Gesellschaft auf den Grund. (Moderation: Sandra Binnert (LZG). Mittwoch, 26. April, 19 Uhr).

Ab sofort sind die Programmhefte an den bekannten Orten erhältlich. Nähere Infos unter www.lz-giessen.de

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