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Vier Millionen Kilometer mit dem Bus

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Von: Eva Pfeiffer

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Die 802 soll künftig als Linie 29 Wettenberg an den Gießener Bahnhof anbinden. Foto: Schäfer © Schäfer

Der Entwurf für den neuen Gießener Nahverkehrsplan liegt vor. Vorgesehen ist ein deutlicher Ausbau des innerstädtischen Busverkehrs mit 15 zusätzlichen Fahrzeugen.

Gießen . Sehr bunt und auf den ersten Blick recht unübersichtlich - so sieht der Plan aus, der zeigt, wie das Gießener Stadtbusnetz in rund fünf Jahren aussehen könnte. Der Entwurf des neuen und über 270 Seiten starken Nahverkehrsplans (NVP) wurde am Montagabend bei einer Onlineveranstaltung vorgestellt. Wird er so umgesetzt, würde das einen deutlichen Ausbau des innerstädtischen Busverkehrs bedeuten: 15 zusätzliche Fahrzeuge und über 50 Prozent mehr Fahrplankilometer - dann fast vier Millionen.

Entwickelt wurde der NVP-Entwurf von der Planersocietät aus Dortmund. »Fast 5000 Wege, die heute noch mit dem Pkw zurückgelegt werden, könnten durch das Zielkonzept ›Stadtbus 2023+‹ auf den ÖPNV verlagert werden«, sagte Planer Gregor Korte.

Neue Haltestellen, neue Linien

Konkret soll es mehrere neue Haltestellen geben, um Erschließungslücken zu beheben und die Erschließungsqualität zu stärken. Neu wäre zum Beispiel die Haltestelle Albert-Schweitzer-Schule im Bereich Grünberger Straße/Heyerweg oder der Stopp Wetzsteinstraße in der Nordanlage. Einige vorhandene Haltestellen werden verlegt oder erweitert.

Auf der Frankfurter Straße soll die Linie 1 durch die neue Linie 4 im Takt verstärkt werden. Endhaltestelle der Linie 4 wäre die Technische Hochschule an der Ringallee, sodass nicht nur die Hochschule, sondern auch die Schwimmbäder und Parkanlagen besser erreichbar wären. Auch die Linie 16 wäre neu: Sie führt vom Bahnhof über den Marktplatz zur Colemanstraße und soll die bestehenden Linien 1 und 17 ergänzen.

Die bestehende Linie 12 würde zu einer »Gewerbegebietslinie«. Statt wie bisher zur Sandfeldschule, soll sie künftig ausgehend vom Gewerbegebiet West die Kreisverwaltung und das Europaviertel anbinden, inklusive eines Stopps an der Automeile. Wegen der Ausrichtung auf Gewerbe soll sie nur montags bis samstags fahren, stets im 30-Minuten-Takt.

Die Sandfeldschule würde über die neue Linie 14 angebunden, die über den Berliner Platz zum Dialysezentrum fährt. Die Linie 7 bleibt, abgesehen von einer Haltestelle zur Erschließung des Gewerbegebiets Ursulum, unverändert.

»Die Linien 3 und 13 verkehren weiterhin parallel zwischen dem Neuen Friedhof und dem Berliner Platz über den bekannten Linienweg. Ab dort nehmen sie zukünftig den direkten Weg über die Ludwigstraße in Richtung Südstadt«, heißt es im Entwurf. Laut Planer Gregor Korte sollen die »umwegigen« Linien so attraktiver werden, derzeit sei man sowohl mit dem Auto als auch dem Fahrrad hier schneller unterwegs. Linie 3 soll den Schwarzacker anbinden, die Linie 13 ab Petruskirche den Unterhof ansteuern. Die Linie 10 führt künftig vom evangelischen Krankenhaus Richtung Schlangenzahl.

Als »besondere Herausforderung« nennen die Planer den innerörtlichen Bereich in Wieseck mit seiner engen Straßenführung. Ergänzend zu den Linien 5 und 15, die geringfügig geändert werden sollen, ist eine neue Linie 20 Richtung Bahnhof konzipiert, die das Einzelhandelszentrum Dürerstraße anbindet.

Neue Nummern

Aus den Linien 801 und 802 werden 19 und 29, künftig sollen sie Wettenberg an den Gießener Bahnhof anbinden. Neu hinzu kommt die Linie 9, die im 15-Minuten-Takt eine Verbindung zwischen der Westschule und dem Philosophikum via Schiffenberger Weg herstellt. Die neue Linie 8 soll ebenfalls das Philosophikum anbinden und mit der neuen Haltestelle Adalbert-Stifter-Straße auch den Campus Recht und Wirtschaft besser erschließen.

Die Linie 6 soll am Wochenende weiterhin das Kloster Schiffenberg ansteuern, unter der Woche aber Petersweiher anfahren. Dort ist eine neue Endhaltestelle an der Straße Lausköppel vorgesehen. Eine neue Querverbindung bietet die Linie 18 zwischen Bahnhof und Studentendorf.

Doch bis es so weit ist, wird es noch dauern. Voraussichtlich im kommenden Frühjahr wird die Stadtverordnetenversammlung über den Entwurf entscheiden. Die Veränderungen würden dann schrittweise umgesetzt: Frühestens ab Dezember 2023 könnte es mit den Linien 2/12 sowie 3/13/14 losgehen. Die zweite Stufe mit Leistungsausweitungen auf der Grünberger sowie der Frankfurter Straße (Linien 1, 4 und 16/17) könnte ein Jahr später folgen. Stufe 3 enthält die Linien 6, 7, 8, 9/19/29, 10 und 18. In der letzten Stufe sind die Optimierungen für Wieseck enthalten (Linien 5, 15 und 20).

Neben Geduld braucht es aber auch Geld: Eine Kostenschätzung, der jedoch der Preisstand vom Januar zugrunde liegt, geht von einer Steigerung von 11,7 Millionen Euro auf 17,8 Millionen Euro pro Jahr aus. Durch den Mehrbedarf von 15 Fahrzeugen müssten 5,7 Millionen Euro investiert werden.

Der komplette Nahverkehrsplan kann auf der Webseite der Stadt eingesehen werden unter www.giessen.de/Leben/Verkehr-und-Mobilität/Verkehrsplanung/Nahverkehrsplan. Bis zum 19. Dezember können Anregungen auf der Beteiligungsplattform giessen-direkt eingereicht werden.

(ebp)

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