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»Villa Wunderland« vor ungewisser Zukunft?

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Vor einer ungewissen Zukunft? Wie die »Villa Wunderland« in den nächsten Jahren finanziert werden soll, das wollen Förderverein und UKGM in diesem Jahr besprechen. Der Verein hofft auf mehr Planungssicherheit und Unterstützung bei anstehenden Umbaumaßnahmen. © Pfeiffer

In der Kita »Villa Wunderland« in Gießen werden fast ausnahmslos Kinder von Beschäftigten des UKGM betreut. Ist das auch in Zukunft noch möglich? Der Vertrag über die Finanzierung läuft 2022 aus.

Gießen . Ihre Eltern stehen etwa als Anästhesisten im Operationssaal oder nehmen als Pflegekräfte den Patienten des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) Blut ab: Die rund 90 Kinder, die derzeit in der »Villa Wunderland« in der Gaffkystraße betreut werden, sind fast ausnahmslos Sprösslinge von Klinikmitarbeitern. Doch der Förderverein »Kindertagesstätte am Universitätsklinikum Gießen«, der die Kita betreibt, blickt in eine unsichere Zukunft. Denn der Vertrag zwischen Verein und UKGM endet am 31. Dezember. »Es kann sich keiner erlauben, die Kita zuzumachen«, betont Norbert Weigelt, Vorsitzender des Fördervereins im Gespräch mit dem Anzeiger.

Die anstehenden Vertragsverhandlungen haben auch die heimische Landtagsabgeordnete Nina Heidt-Sommer (SPD) sowie ihre Parteikollegin und gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion, Dr. Daniela Sommer, auf den Plan gerufen. Sie fordern in einer Pressemitteilung die Landesregierung auf, »ihren Einfluss als Anteilseigner geltend zu machen und den langfristigen Weiterbetrieb« der Kita zu sichern. Seitdem es die Uniklinik 2006 an die Rhön-Klinikum AG verkauft hat, besitzt das Land nur noch fünf Prozent der Anteile.

Die beiden SPD-Politikerinnen verweisen auf die Bedeutung der »Villa Wunderland« für die Gesundheitsversorgung in der Region. Das sieht auch Vereinsvorsitzender Norbert Weigelt so. Gerade in der Corona-Pandemie habe man sehr deutlich gesehen, wie wichtig eine zuverlässige Kinderbetreuung ist: »Ohne sie würde die ärztliche Versorgung zusammenbrechen.«

Planungssicherheit für die Eltern

Anfang 1994 nahm die Kindertagesstätte ihren Betrieb auf und verzichtete auf die sonst üblichen Schließzeiten in den Ferien. Die Planungssicherheit für die Eltern, betont Weigelt, sei besonders wichtig. Der Verein jedoch hat eben diese Planungssicherheit für sich selbst in den vergangenen Jahren vermisst: 2012 fürchtete man den Ruin, sah sich vom privaten Klinikbetreiber »unterfinanziert«.

Weigelt erinnert sich: »Es war klar, dass wir defizitär werden. Wir haben um unsere Existenz gebangt.« Denn in den ersten Jahren nach der Privatisierung war das Klinikum noch an die alten Regelungen zur Unterstützung des Kindergartens gebunden und zahlte jährlich 260 000 Euro an den Förderverein - etwas weniger als ein Drittel der jährlichen Betriebskosten. Der Rest wurde durch Gelder von Stadt und Land sowie durch die Elternbeiträge finanziert. 2011 wurde die Unterstützung durch das UKGM auf 156 000 Euro reduziert, 2012 gab es 216 000 Euro für den Verein.

Im Dezember 2012 bot die UKGM-Geschäftsführung der Kita schließlich einen Vertrag an, die finanziellen Zuschüsse waren für fünf Jahre gesichert. Dabei wurden auch die Eltern stärker zur Kasse gebeten: Zusätzlich zu den Betreuungsgebühren beteiligen sie sich auch an den steigenden Betriebskosten.

2017 wurde erneut verhandelt, wieder galt der Vertrag für fünf Jahre. Längere Laufzeiten wünscht sich der Verein auch mit Blick auf die Personalsuche: Man stelle unbefristet ein und nehme dadurch ein Risiko in Kauf, da man sonst angesichts des Fachkräftemangels nur schwer Personal finden könne.

»Wir werden im ersten Halbjahr 2022 Gespräche mit dem Förderverein über die Zukunft der Einrichtung und deren Finanzierung aufnehmen«, teilt die UKGM-Pressestelle auf Anfrage mit. Die »Villa Wunderland« sei »ein wichtiges Angebot und ein Baustein im Rahmen unserer Anstrengungen, den Erfordernissen von Familien am Arbeitsplatz gerecht zu werden«.

Brandschutz: Umbau nötig

Doch nicht nur was die laufenden Kosten angeht, hofft der Verein auf eine zeitnahe Klärung: Im Altbau der »Villa Wunderland« sind Umbaumaßnahmen notwendig, um die Brandschutzvorgaben zu erfüllen. Rund 100 000 Euro, so der Vorsitzende, werden dafür fällig. Geld, das der Verein nicht hat.

Eigentümer des Altbaus ist das UKGM, der Verein zahlt Miete. Eine Beteiligung des Eigentümers an den für den Kita-Betrieb notwendigen Umbaumaßnahmen ist derzeit nicht in Sicht. Laut Weigelt solle der Verein als Betreiber der Kita die Kosten selbst übernehmen. Vom Klinikum gibt es dazu keine Bestätigung: Man wolle »alle Themen rund um die Kita ›Villa Wunderland‹ im direkten Gespräch mit dem Vereinsvorstand besprechen« und sich nicht vorab öffentlich dazu äußern, heißt es auf Nachfrage.

Sicherlich wird der Verein dann auch eine mögliche Erweiterung der »Villa Wunderland« ansprechen. Denn die Pläne dafür liegen bereits in der Schublade, die Stadt hat die Baugenehmigung erteilt. Seitens der Klinik habe man Interesse an einer Erweiterung signalisiert, so Norbert Weigelt. Eine konkrete Zusage für eine Kostenbeteiligung stehe jedoch weiterhin aus. Der Bedarf der Klinikmitarbeiter jedenfalls ist groß: Über 40 Kinder stehen derzeit auf der Warteliste, verdeutlicht Kita-Leiterin Sandra Reichel.

Vorausgesetzt, Kabinett und Landtag stimmen zu, darf sich das UKGM in den kommenden zehn Jahren über einen warmen Geldsegen vom Land freuen: Bis zu 45 Millionen Euro jährlich über einen Zeitraum von zehn Jahren hat das Land der Rhön-Klinikum AG in Aussicht gestellt. Ob der Fortbestand der Kita eine der Gegenleistungen für die Millionen an Fördergeldern ist und Teile des Geldes etwa auch für eine Kita-Erweiterung verwendet werden sollen, konnte das Sozialministerium bis zum gestrigen Montag noch nicht beantworten.

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