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Vom Ende zum Anfang

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Ein Arc de Triumphe als Bühnenkulisse: »Dantons Tod« feiert am Sonntagabend Premiere im Großen Haus. Foto: Christian Schuller © Christian Schuller

Georg Büchners »Dantons Tod« feiert am Sonntag Premiere im Stadttheater - in einer Fassung, die mit dem Finale beginnt.

Gießen. Das Ende ist diesem Fall eindeutig - es findet sich ja bereits im Titel. Also, dachten sich Regisseur Caner Akdeniz und Dramaturg Tim Kahn, könne das Stück doch auch von seinem Schluss aus erzählt werden. Kahn, seit dieser Spielzeit am Stadttheater Gießen, schrieb Georg Büchners Vorlage entsprechend um: Das Ergebnis feiert an diesem Sonntag (18 Uhr) Premiere: »Dantons Tod« wird im Großen Haus rückwärts erzählt.

Büchner verwendete zahlreiche Originalquellen, um sein berühmtes, im Jahr 1835 entstandenes Drama um die Wirren der Französischen Revolution zu entwickeln. Im Frühjahr 1794 entbrennt in Paris ein Kampf zwischen gemäßigten und fanatischen Jakobinern um die Herrschaft - und den Weg, auf dem die Umwidmung aller bekannten Werte in der jungen Republik umgesetzt werden soll. Auf der einen Seite steht Danton (in Gießen: Levent Kelleli), der zunehmend verzweifelt versucht, seine demokratischen Ideale zu verteidigen. Auf der anderen Seite sein Gegenspieler Robespierre (Nils Eric Müller), dessen Dogmatismus keine Abweichungen zulässt, zu unzähligen Hinrichtungen unter der Guillotine führt und auch Danton schließlich in den Tod treibt.

Die Zeitlosigkeit des Stoffs ist gerade in diesen Tagen auf bittere Weise augenfällig. Was bedeutet der Kampf um Freiheit? Wie lässt sie sich erringen? Wie bewahren? All das steckt in Büchners zeitlosem Drama. So hätten sich ganz aktuell der Iran oder die Ukraine als Bezugspunkte der Inszenierung angeboten. Doch auf solche konkreten Anspielungen wollte Regisseur Akdeniz verzichten, wie er im Pressegespräch erläutert. Die Gießener Fassung ist daher in Frankreich verortet, ein großer Arc de Triomphe bildet auf der Drehbühne das Zentrum der Kulisse (Bühne und Kostüme: Valentina Pino Reyes). Und auch die Ausstattung verweist auf die realen Geschehnisse am Ende des 18. Jahrhunderts. Zugleich aber gibt es Brücken ins Hier und Jetzt: Die Kleider haben historische Bezüge, verweisen aber zugleich in die HipHop-Kultur, wie Ausstatterin Pino Reyes erläutert.

Hinzu kommen zeitgenössische Musik und Videoprojektionen. »Ein gegenwärtiger Zugriff war uns wichtig«, erläutert Dramaturg Tim Kahn: Revolte und Revolution, Aufstand und Widerstand, Grundrechte und Despotismus: Büchners Drama klingt schließlich gerade wieder erschreckend aktuell.

Aber leider auch wenig hoffnungsvoll. Die rückwärts erzählte Gießener Fassung, die zugleich ganz nah an der Textvorlage von 1835 bleibt, biete dabei die Möglichkeit, den Fokus genauer auf die Frage zu legen, »wie es dazu kommen konnte, dass Köpfe rollen«, wie Caner Akdeniz betont. Auf die Antworten des jungen Regieteams darf das Gießener Publikum gespannt sein.

»Dantons Tod« feiert am Sonntag, 23. Oktober, um 18 Uhr Premiere im Großen Haus des Stadttheaters. Eine Einführung gibt es um 17.30 Uhr.

Eines der neuen Formate am Stadttheater Gießen sind die Preview-Konzerte, die das Programm der Sinfonie- und Chorkonzerte in etwas kürzerer Form bieten, dafür mit Moderation, Überraschungen und Gesprächen. Am Mittwoch, 26. Oktober, um 19.30 Uhr laden Generalmusikdirektor Andreas Schüller und das Philharmonische Orchester dazu ein, »die Tuba, das unbekannte Wesen« näher kennenzulernen.

Es gibt unter anderem Ausschnitte aus Werken von Prokofjew und Tschaikowski zu hören. Schüller führt moderierend durch den Abend. Dabei ist unter anderem von dem jungen Tubist Jernej Oberžan mehr über die Besonderheiten seines Instruments zu erfahren. Anschließend lässt sich das Konzerterlebnis mit Musik und Getränken im Foyer fortsetzen - Zugaben inbegriffen.

Die Preview-Konzerte finden immer am Mittwochabend vor den Sinfoniekonzerten statt.

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